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Der Jude · 1833-10-01 · Heft 19 (1.10.1833) · p. Seite 154

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 19 (1.10.1833)
Date
1833-10-01
Page
Seite 154 (sequence 6)
Language
German
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154 genügen, um einen Jeden, der von den Bedingungen einer öffentlichen Meinung eine Vorstellung har, zu überzeugen, daß diese Musterkarte von Gesetzgebungen nur das Werk des Zufalls, der Laune, der legislativen Willkür, der Privat-Vorurtheile sein kann, nicht aber der Ausfluß einer öffentlichen Meinung. Hr. Str. geht nun aber auch in der Aufsuchung der Belege für seine öffentliche Meinung über die Granzen Deutschlands hinaus" und wir wollen ihm auch auf die fremden Gebiete, die er berührt, nicht zu folgen ermangeln. „Zn England," fährt er S. 19 fort „ wo sich die Blüthe ' des konstitutionel- „ len Lebens wohl am meisten entwickelt hat, sind „ähnliche Anregungen, ungeachtet der geringen Anzahl der dortigen Juden und des großen Einflusses „Einzelner, bis jetzt fruchtlos gewesen." Sollte in diesen Worten bloß die Thatsache angegeben werden, daß die Emaneipation der Juden noch nicht von der gesetzgebenden Gewalt Englands ausgesprochen worden, so laßt sich nichts dagegen einweyden. In so fern sie aber, wie aus dem Zusammenhänge der ganzen Stelle deutlich hervorgeht, einen stillschweigenden Schluß auf den Zustand der öffentlichen Meinung in England invotviren sollen, verdienen sie, — ganz abgesehen natürlich von Dem, was seit der Abfassung der Schrift des Hrn. Str. in dieser Beziehung vorgefallen, — den Vorwurf der Unredlichkeit. Die Debatte des Jahres 1830 konnte Hrn. S r r. nicht rmWannt sein; es konnte ihm also nicht fremd geblieben sein, daß die damalige imposante Majorität unendlich viel mehr an öffentlicher Meinung, an volksthümlichen Ideen und Bestrebungen reprasentirte, als dir Majorität, welche sie überstimmte, dass sie es war, wek^ damals für alle die Fortschritte und Verbesserungen kämpfte, die die öffentliche Meinung heischte und die M jetzt errungen hat; daß sie in Folge einer reineren und populäreren Zusammensetzung des Unterhauses nottzwendig zur Majorität werden mußte, wie sie es geworden ist. Sind es Brougham, Manintosh, Macauley, welche in dem damaligen Unrerhause die öffentliche Meinung repräsentirten, oder sind es Robert Peel und Robert Jnglis? Wenn sie es war, die damals die Emaneipation verwarf, so mußte sie es auch gewesen sein, welche sich Jahre lang der Emaneipation der Katholiken widerfttzr hatte, welche damals die Wellingtonsche Administration aufrecht hielt, welche bald nachher die Reform-Bill verwarf! Nach den Debatten der letzten Monate vollends können wir es wohl ungeachtet des verwerfenden Votums des Oberhauses dem Urtheile des Hrn. Str. selbst überlassen, ob er es noch in Zweifel zu stellen wagen darf, auf welcher Seite die öffentliche Meinung sich befindet. — Die Hinweisung auf die geringe Anzahl der Juden in England, durch welche Hr. Str. im Voraus das dem wahrscheinlichen Erfolge zu entnehmende Argument entkräften zu wollen scheint, deutet auf eine falsche Auffassung der Lage der Sache, welche nicht den Verhandlungen des Parlaments, sondern den Andeutungen einiger Deutschen Zeitungsartikel entnommen zu sein scheint. Die Thatsache der verhaltnißmäßig geringen Anzahl der Juden ist dort wohl angeführt worden, um dem Argumente Derer zu begegnen, welche von der Emancipation Gefahr für die herrschende Kirche zu fürchten vergaben; aber der positive Grund für die Emaneipation ist in den Grundsätzen der Gewissensfreiheit, nicht in einer solchen Thatsache gesucht worden: ja es war jene geringe Anzahl der entscheidendste Grund gegen die Emaneipation in den Augen Derer, welche einer legislativen Verbesserung der Art nicht ohne den Beweis einer „Nothwendigkeit," wie sie im Falle der Katholiken obgewaltet, beistiwmen zu wollen erklärten. Es bedarf nur eines flüchtigen Blickes, um sich zu überzeugen, wie wenig der größere oder geringere Widerstand gegen die Emaneipation der Juden mit der größeren oder geringeren Anzahl derselben im Verhältnisse steht; die freiheitsliebenden Holländer haben den Juden vor 40 Jahren gleiche Rechte eingeraumt, obgleich ihre Anzahl dort größer war, als sie vsrhäitnißmäßig in irgend einem Deutschen Stmrte ist; viele Kramer Sachsens sind noch bis auf den heutigen Tag gegen die Gleichstellung, obgleich die Anzahl der Juden dort noch geringer ist, als in England. Was endlich die ErwahnuW des „großen Einflusses Einzelner" betrifft, so schm wir nicht ein, wie Man diesen bei einer Sache der Art in Anschlag Krisen kann, mm man mcht gewöhnt ist, in den heiligsten

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