Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 17 (6.9.1833)
- Date
- 1833-09-06
- Page
- Seite 133 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2542348-2542349-2542367--390-3526905- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
391x Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesfer. 17 ÄMd. Zweiter Freitag, den 6. September 1833. Eit Wönigl. Dänischem ^Allerhöchstem MrivLlegio. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Mona. Verhandlungen über die Emancipation der Inden im Englischen Parlament. A)er Ausgang der diesjährigen Verhandlungen des Englischen Oberhauses über die Enlaneipation der Juden ist unseren Lesern bekannt- Da allen Einzeln- Heiken, welche den Verlauf dieser Angelegenheit bezeichnen, ein historisches Interesse beiwohnt, so wollen wir die Verhandlungen, welche der Verwerfung der bill bei der zweiten Lesung vorangingen, ausführlich mittheilen und dieser Mittheilung am Schluffe einige Bemerkungen über den Stand der Sache und den Geists der Debatten beifügen. In der Sitzung des Oberhauses vom 1. August wurde zuerst eine Reihe von Petitionen zu Gunsten der bill, mit zahlreichen Unterschriften von christlichen Bürgern Englands versehen , vorgelegt- Unter anderen überreichte der Herzog von Sussex eine von beinahe 7000 Einwohnern von Westminster Unterzeichnete und äußerte bei dieser Veranlassung : „Ich werde diese bill aus Grundsatz unterstützen, wie ich diejenige zu Gunsten der Katholiken unterstützt habe; denn ich bin der Meinung, daß die Mitglieder einer jeden Kirche, welche auch ihre Lehrsätze sein mögen, vorausgesetzt, daß sie der Wohl- 2r Bd. fahrt der Gesellschaft nicht entgegen sind, ein Recht auf den Besitz gleicher bürgerlicher Rechte mit ihren Mitbürgern haben. Die Juden gehorchen den Gesehen des Landes, sie tragen ihren Antheil an den Staatslasten und sie steuern reichlich zu vielen wohlthatigen Anstalten bei; darum sind sie nach meiner Meinung zu allen Privilegien berechtigt, welcher sich andere Sekten erfreuen. Ich will nicht auf die Geschichte dieser Nation zurückblicken; ich will nur noch bemerken, daß wir, indem wir die Juden verfolgen, nicht den Vorschriften der christlichen Religion gemäß handeln. Lord Bexley trug darauf auf die zweite Verlesung der bill in folgender Rede an: „Wäre die Emancipation der Römischen Katholiken nicht durch das Gesetz ausgesprochen worden, so würde ich die vorliegende Maaßregel nicht in Vorschlag gebracht haben, weil ein solcher Vorschlag dann einer Beleidigung gegen eine zahlreiche Klaffe unserer Mitchristen ähnlich gesehen haben würde. Da aber die Beschränkungen, denen die Katholiken unterworfen waren, aufgehoben sind, so hält mich keine Rücksicht mehr ab, diesen Schritt zu thun. Die Gefahr, welcher die herrschende Kirche durch die Emancipation der Katholiken aüsgesetzt werden könnte, bildete einen der gewichtigsten Gründe gegen diese Maaßregel, in dem Falle der Juden aber ist keine solche