Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 14 (26.7.1833)
- Date
- 1833-07-26
- Page
- Seite 109 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ser Jude Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. U In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesser. Zweiter Freitag, den Äand. 26. Juli 1883. Mit Wönigl. Dänischem Allerhöchstem Mrivilegio. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Mona. Betrachtungen über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen der Preußischen Monarchie. (Fortsetzung.) Str. schlagt den Nutzen sehr hoch an, welchen die Erziehung der jüdischen Knaben mit den christlichen in den „christlichen" Schulen für die erstereil haben würde. Es ist an dieser Ansicht allerdings etwas Wahres, aus dem einfachen Grunde, weil eine Berührung mit einem weiteren, mannigfachere Sitten und Individualitäten darbietenden Kreise bildender sein muß, als mit dem engeren und es verhält sich in dieser Rücksicht die Erziehung in der öffentlichen zu der in der jüdischen Schule auf ähnliche Weise, wenn gleich in anderem Maaßstabe, wie sie sich zur Erziehung durch Hauslehrer verhalt. Zndeß möchte sich Hr. Str. sehr irren, wenn er glaubte, einen jüdischen Knaben, der seine Schulbildung in einer von gebildeten Lehrern geleiteten jüdischen Volksschule erhalten hat, an Sitte und Manier von einem, der sie in einer christlichen Schule erhalten, unterscheiden zu können^). Auch scheint jenerVortheil *) Es ist ein für den Augenblick gar nicht zu verachtender Vortheil, daß wissenschaftlich gebildete jüdische Lehrer, welchen bei einer gleichmäßigen Behandlung von Seiten des Staates eme vorteilhaftere Laufbahn sich eröffnen würde, durch die Verhältnisse an den niederen Schulunterricht gefesselt werden, so daß 2r Bd. der Berührung mit mannigfaltigeren Charakteren erst für das vorgerücktere Zugenbalter einigen Werth und erst in den ernsteren Berührungen des praktischen Lebens seine volle Bedeutung zu haben. Für das zartere Zugendalter aber — und davon handelt es sich ja ausschließlich bei unserer Frage möchte eine andere Rücksicht bei weitem gewichtiger sein, ich meine die Rücksicht auf eine liebevolle, freundliche Behandlung von Seiten der Mitschüler und Lehrer. Die Niederdrückung des Gemüths, welche frühe Miß- Handlung und Lieblosigkeit in schwächeren Seelen, die Bitterkeit, welche sie in stärkeren zu erzeugen vermögen, ist gefährlicher als eine Einseitigkeit der Bildung : diese weiß das praktische Leben schon zu überwinden, jene aber findet nur zu leicht Nahrung darin, wenn einmal der Keim dazu in das jugendliche Gemüth gelegt ist. Man wird es uns daher nicht verargen, wenn wir bei der Wahl der Schule für unsere Kinder einige Vorsicht so lange gebrauchen, bis eine reifere Kraft ihnen die nöthige Starke des leiblichen und geistigen Widerstandes verleiht oder bis die fortgeschrittene Bildung und Gesittung aller christlichen Volksklaffen uns eine hinlängliche Garanwir manchmal an jüdischen Schulen einen Lehrer von vollendeter wissenschaftlicher Bildung an einer Stelle finden, die an der christlichen von einem Seminaristen besetzt ist. 15