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Der Jude · 1833-07-23 · Heft 13 (23.7.1833) · p. Seite 101

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 13 (23.7.1833)
Date
1833-07-23
Page
Seite 101 (sequence 1)
Language
German
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Der Jude. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In pvanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesser. Zweiter Dienstag, den Äand. 23. Juli 1 83 3. Mit Dtonigl. Dänischem Allerhöchstem Mrivilegio. Eigenchum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Altona. Betrachtungen über die Verhältnisse der jüdischen Umerthanen der Preußischen Monarchie. (Fortsetzung.) Zn allen Deutschen Staaten außerhalb Preußen befinden sich seit längerer oder kürzerer Zeit wissenschaftlich gebildete Männer an der Spitze der gottesdienstlichen Angelegenheiten vieler Gemeinden, theils unter der einwirkenden Aufsicht der Regierungsbehörden bei der Wahl derselben, theils in bloßer Folge der natürlichen Entwickelung der Verhältnisse, welche die Negierung ungestört ihren Gang gehen ließ; bald unter dem Namen von Rabbinen, bald unter dem von Predigern oder Religionslehrern. Nur Ln P r e ußen hat man alle Intelligenz, alle Aufklärung und alle Bildung von der Einwirkung auf den Gottesdienst ausgeschlossen, indem man ihnen jeden wirksamen Einfluß auf denselben unmöglich machte; denn um sich dafür bezahlen zu lassen, daß sie dem Verfalle zusähen, daß sie zwischen den Balken des morschen Gebäudes müssig figurirten, ohne stützen und helfen zu dürfen, bis das Ganze über ihrem Kopfe in Trümmer zusammenfalle — dazu sind Gottlob! Diejenigen, die jene Vorzüge besaßen und die ihre großen Talente an dem Werke der Verbesserung versucht hatten, zu stolz und zu redlich gewesen und dazu werden hoffentlich Talent und Wissen, Beredsam- 2r Bd. keit und Bildung unter uns immer zu stolz und zu redlich sein. Zn ganz Baiern, in Württemberg, im Großherzogthum Weimar werden nur wissenschaftlich gebildete Männer als Rabbinen angestellt und wirken lebendig auf die Gestaltung des Gottesdienstes. Zn der zahlreichen Gemeinde in Fürth in Baiern, die vor 10 Zähren, als sich in Berlin schon die herrlichsten Blüthen der Bildung und Aufklärung längst entfaltet hatten und für die nächste Zukunft reife Früchte versprachen, noch zu den obskursten Ln Deutschland gezählt wurde, steht jetzt ein gelehrter, freisinniger, allgemein geachteter Mann, durch eine überwiegende Majorität der Gemeinde gewählt, an der Spitze der gottesdienstlichen Angelegenheiten; die mächtige Rednergabe Mannheimers, der imZahr1823 durch das Verbot der Deutschen Vorträge von Berlin, wo er damals lehrte, vertrieben worden, hat in Wien unter dem Scepter Oesterreichs einen erfreulichen Wirkungskreis gefunden; von einem Ende der Civilisation bis zum anderen, von Pesth bis nach Kopenhagen ertönt tn vielen Synagogen das lebendige, verständliche Wort der Belehrung und der Erbauung: nur in Preußen, wir wiederholen es, ist alle Intelligenz, alles Wissen, alle Bildung von dem Einflüsse auf den Gottesdienst ausgeschlossen worden. Denn wozu sollten sie noch dienen, wenn es ausgemacht war, daß 14

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