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Der Jude · 1833-07-16 · Heft 12 (16.7.1833) · p. Seite 93

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 12 (16.7.1833)
Date
1833-07-16
Page
Seite 93 (sequence 1)
Language
German
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Der Au»e. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesser. Zweiter Dienstag, den 16. Juli 183 3, Mit Ltönigl. Dänischem Mlerhöchstew Wrivilegio. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Mona. Betrachtungen über die Verhältnisse der jüdischen Unterrhanen der Preußischen Monarchie. (Fortsetzung.) » aß übrigens jene Unterdrückung bei Manchen allerdings die entfernte Ursache des Uebertrittes zum Christenthum werden mußte, scheint uns sehr natürlich. Sehr viele Gemüther, insbesondre der größere Theil der Zugend und das ganze weibliche Geschlecht wurden dadurch der einzigen Art der öffentlichen Andacht, für welche sie empfänglich waren, beraubt und dadurch aller kirchlichen Gemeinschaft entzogen. Wie sollte es uns wundern, wenn unter diesen Umständen solche Seelen, die der Religion und der Feierlichkeit eines öffentlichen Gottesdienstes bedurften, sich manchmal zu dem Glauben hingezogen fühlten, welchem der Gebrauch der Muttersprache, das Talent der Rede und der Klang des frommen Liedes, die edelsten Organe der Andacht zu allen Zeiten und fast die einzigen in-der unsrigen, als Vorrechte beibehalten sind. Wir wollen es dahin gestellt sein lasse«/ in wie fern die herrschende Kirche Eroberungen, auf diesem Wege erworben, als einen Beweis ihres Werthes betrachten darf, ob es ihr zum Ruhme gereicht, wenn die völlige, anhaltende Entziehung der eignen, zusagenden Nahrung in manchen Gemüthern das Verlangen nach der ihrigen geweckt hat. In der großen 2t Bd. Mehrzahl der Juden aber ist die Sehnsucht nach der Herstellung eines Gottesdienstes, der ihrer Denk- und Empfindungsweise, der Lehre, in der sie erzogen worden und der Art ihrer Bildung entspreche, der ihre Herzen in ihrem tiefsten Innern erwärme und erbebe, lebendig geblieben, und wie tief dieses Bedürfniß noch empfunden wird, obgleich ihm seit beinahe 10 Jahren eine jede Befriedigung versagt worden, davon bietet eine Erscheinung der neuesten Zeit ein beachtungswerthes Zeugniß darr Es ist nämlich in Berlin in der Gemeinde-Schule für israelitische Knaben ein Sabbath- Gottesdienst eingerichtet worden, ursprünglich nur für die Andachtsübungen der Kinder selbst bestimmt. Obgleich man hier im Ganzen die allen Formen und Gebete beibehalten hat, so glaubte man sich doch die Freiheit nehmen zu dürfen, die Einrichtung zu treffen, daß jeden Sabbath von einem der an der Schule angestellten Lehrer ein Deutscher Vortrag gehalten werde, daß auch Hebräische Psalmen von den Knaben in geordnetem vierstimmigem Gesänge vorgetragen werden: beides nach den Worten des Polizeibefehls von 1823 verbotene Neuerungen Man glaubte sich bei dieser Einrichtung keinesweges sicher vor einer hemmenden Einfchreitung; indeß ist eine solche, so viel mir bekannt,, bis jetzt nicht erfolgt: ich weiß nicht, ob weil man von der Harte des Prinzips er-- 13

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