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Der Jude · 1833-06-18 · Heft 9 (18.6.1833) · p. Seite 76

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1833)
Issue
Heft 9 (18.6.1833)
Date
1833-06-18
Page
Seite 76 (sequence 8)
Language
German
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Hastigkeit und Achtung vor dem Heiligen gebunden wird, würde er kerne Gränzen mehr kennen und mit jÄtfi Höchsten sein freches Spiel treiben. Freilich wenn wir die Religion nicht als etwas Moralisches, bei der es lediglich auf ihre Wirksamkeit in den Gemächern ankommt, sondern als eine Partheisache betrachteten, bei welcher es gilt, eine möglichst große Anzahl unter ihre Fahnen zu sammeln, so müßten wir gestehen, daß die Preußische Regierung sich ihres Erfolgs rühmen könnte. Wenn das ein Sieg für die Religion genannt werden kann, bei welchem die Wahrheit der Ueberzeugung verdächtigt, das Heilige durch Vermischung mit irdischen Interessen entweiht ist, so ist hier allerdings dem Christenthume ein Sieg erfochten worden. Bei weitem die meisten derjenigen Juden, die in Folge des Gesetzes von 1812 in der Hoffnung, daß ihnen der Staat einen Wirkungskreis anweisen werde, sich den Wissenschaften gewidmet hatten, sind, zum Theil nach langem Widerstande, nach langen, vergeblichen Versuchen, die Erfüllung der Verheißung des Gesetzes zu bewirken, zum Christenthum übergegangen und haben darauf im akademischen Lehrfache so wie in den mannichfachsten Zweigen des Staatsdienstes gute, zum Theil glanzende Karrieren gemacht. Nur Wenigen gestatteten ihre Verhältnisse, in unabhängiger Muße den Wissenschaften oder der Kunst zu leben, im Auslände die ihnen in der Heimath versagte Auszeichnung und Wirksamkeit zu suchen oder endlich nach beendigten Studien noch eine andere Laufbahn, die des Handelsder Landwirthschast, des Fabrikwefens zu beginnen; mehrere und unter ihnen einige durch Geist und Gelehrsamkeit ausgezeichnete Männer begnügten sich damit, eine sehr bescheidene, ihren Verdiensten weit untergeordnete, aber Anderen nützliche Stellung als Lehrer oder Unternehmer von Privatschulen für jüdische Knaben zu suchen. Es mag wohl kaum der zehnte Theil aller aus jüdischen Familien seit 1812 hervorgegangenen Gelehrten sein, der auf diese Weise dem Judenthume erhalten worden. Was die Uebrigen betrifft, so liegen ihre Motive, wie schon früher bemerkt worden, außer dem Bereiche unserer Untersuchung. Gewiß waren Manche auch ohne jene äußere Rücksichten aus reiner Ueberzeugung zum Christenthume übergegangen und diese können sich mit Recht beklagen, daß ein trauriger Mißbrauch der Staatsgewalt ihren tadellosen Schritt in ein verdächtiges Licht seht und ihrer That einen in den Augen der Welt schwer zu tilgenden, werm auch unverschuldeten Makel anheftet. Die Meinung der Menschen wird immer da, wo Rücksichten des Vortheils mit schwierigen Gewissensfragen kollidiren, in einer dem Nutzen entsprechenden Entscheidung das Werk des Eigennutzes sehen. Als die Schotten im Jahre 1649 ihren angebornen König Karl den Ersten dem Englischen Henkerbeile überlieferten, und zugleich eine alte Schuld von 100,000 Pfund, welche England früher nie hatte anerkennen wollen, liquidirten, da gaben sie sich sehr viele Mühe, die beiden Transaktionen auseinander zu halten und vielleicht glaubten sie in der That kein Unrecht zu thun, wenn sie den König seinen Richtern übergaben, und machten nur das ihnen gebührende Recht geltend, wenn sie die Zahlung einer Schuld forderten. Aber dennoch hat die streng richtende Geschichte bis auf den heutigen Tag immer von ihnen gesagt, sie hatten ihren König und Landsmann für schnödes Gold seinen Englischen Henkern verrathen. So wird man auch von Dem, der seine Religion wechselt und dann ein einträgliches Amt bekommt, das ihm sonst unzugänglich gewesen wäre, immer sagen, er habe aus Eigennutz gehandelt: ein Urtheil, wodurch man vielleicht dem Einzelnen sehr unrecht thut, in welchem sich aber die innere Mißbilligung des ganzen unsittlichen Verhältnisses deutlich ausspricht und welches geeignet ist, den Staat zum Bewußtsein dessen zu bringen, was er denn eigentlich in moralischer Beziehung durch den Gewissenszwang, den er ausübt, gewinnt. (Die Fortsetzung folgt.) Gedruckt bei Hammerich und Lesser in Altonu.

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