Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 8 (7.6.1833)
- Date
- 1833-06-07
- Page
- Seite 61 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jude. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesfer. Zweiter Freitag, den 6 and. 'JW 7. Juni 1 833. Mit Wonigt. Dänischem Allerhöchstem Wrivilegio. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammer ich in Mona. Betrachtungen über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen der Preußischen Monarchie. (Fortsetzung.) enn der Vater seinen Sohn, ausgeschlossen von der Wohlthat, einen Ersatzmann statt seiner stellen zu dürfen, in'6 Feld zu schicken genöthigt war: nun, so war doch in seiner Patrontasche, so gut wie in der jedes anderen Franzosen, die Aussicht auf den Marschallsstab verborgen! Bedeutende Beförderungen tapferer Juden Ln der Armee kamen zur Kaiserzeit vor, und zwei derselben haben es bis zum Range des Generals gebracht; wie denn überhaupt die kaiserliche Negierung bei Anstellungen aller Art keinen Unterschied der Religion machte. Das Verliehene wirkte hier mit dem Versagten wie ein zwiefacher Stachel des Ehrgefühls zusammen. Von den zwei völlig verschiedenen Systemen des Fanatismus gegen die Religion und der gewaltsamen Ausrottung alter nachtheiliger Gewohnheiten befolgte man hier nur das zweite, und hatte sich von jeder Spur des ersteren völlig losgesagt. Darin lag zum mindeste!» Zweckmäßigkeit, ein deutlich erkanntes Ziel, keine nutzlose Menschenquäterei. Der gedankenloseste und zugleich grausamste Despotismus allein hätte aber ein Verfahren absichtlich aussinnen können, welches jene beiden Systeme kombinirt, wei- I ches das Treiben des Fanatismus selber mit der | 2t Bd. Anwendung gewaltsamer Mittel gegen die nothwendigen Folgen desselben vereinigt und so seine Opfer im strengsten Sinne des Mortes zwischen zwei Feuer stellt. Die Französische Regierung, die jene Verfügungen als Ausnahme von dem ausgesprochenen und angewandten Prinzip der Rechtsgleichheit betrachtete, sagte zu dem Juden: „Ich habe allem Fanatismus in meinem Verfahren gegen Dich entsagt: jetzt befreie Du Dich von den Übeln Folgen, die er mit sich geführt; hast Du die Kraft nicht dazu, so werde ich Dich Deine Schwache durch Beschränkung entgelten lassen. Ich habe Deinem Ehrgefühle, Deinem Talente, Deinem Wissen jede Bahn ohne Ausnahme eröffnet; ich verlange dafür, daß Du von der einzigen Beschäftigung, die Dir früher gestattet worden, ablaffest oder Dir einen lästigen, aber heilsamen Druck gefallen lassest." Die Preußische Negierung aber, die jenes Grundprinzip stillschweigend vernichtet hat und jene Austtahmsverfügungen, wie isolirte Trümmer eines niedergerissenen Gebäudes, als wäre in ihnen die ganze am linken Rheinufer Vorgefundene Gesetzgebung, die Juden betreffend, enthalten, anzuwenden fortfahrt, sagt zu dem Juden: „Ich bleibe fanatisch und intolerant und ausschließend, wie immer: Du sollst Dich aber der üblen Folgen dieses Verfahrens bei Strafe harter Bedrückung entaußern. Hast Du Ehrgefühl, so magst Du es vermodern lassen, ich 9