Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 25 (29.1.1833)
- Date
- 1833-01-29
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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hat die städtische Behörde nach Belieben zu entscheiden. Da nun die Gassen der Judenstadt eng und schmutzig, die Häuser ärmlich und schlecht gelegen sind, so suchen die reicheren Juden natürlich außerhalb derselben in den schöneren Theilen der prächtigen Stadt zu wohnen. . Wenn nun ein Beamter gerade Geld nöthig hat, schickt er einigen reichen Juden den Befehl zu, ihre Hauser zu raumen und in die Judenstadt zu ziehen. Diese wissen dann schon, was und wie viel erforderlich ist, um die Zurücknahme eines solchen Befehls zu erwirken. Nur der Arme und am meisten der Handwerker leidet unter dem Drucke, weil er nicht im Stande ist, sich davon loszukaufen, und so wird die weise Absicht der Gesetze Josephs auf eine tückische Weise vereitelt. Diese haben nämlich die Hindernisse, die früher den Juden bei der Betreibung von Handwerken im Wege standen, hinweggeräumt, und zu dem noch bestimmt, daß jüdische Handwerker, Ackerbauer, so wie solche Juden, die freiwillige Militairdienste geleistet hatten, den christlichen Bürgern an Rechten gleich gestellt werden sollen. Der erste Theit der Verfügung ist in Kraft geblieben und es hat sich eine ziemlich beträchtliche Anzahl von Böhmischen Juden seitdem mit Handwerken aller Art und ' mit dem Ackerbau zu beschäftigen angefangen. Die zweite Bestimmung aber hat man dermaßen außer Acht Waffen, daß man den Handwerkern ihr Fortkommen durch unzählige Chikanen erschwert. In Prag hält mast-tzgrauf^chaß^, die, wie gesagt, zür Bestechung nicht die Mittel HMn, nur in der Judenstadt wohnen, wo sie, einzig von den «AyerLN unter ihren Glaubensgenössen umgeben, ihr Brod^Mver Lcwerben können. Man hat aus einem alten ®efe|ew Verbot für jüdische Meister abgeleitet, christliche Geseuon m, halten: eine Beschränkung, die in manchen Fällen einermWalen Verbote, sein Handwerk zu betreiben, gleich kÄymt. Durch solche Schwierigkeiten ist schon mancher Jckd^, nachdem er seine Jugend der Erlernung eines Hand» wecks gewidmet, und es zur Meisterschaft darin gebracht I hatte, bei aller Tüchtigkeit und bei allem Fleiße genö-1 thigt worden, es wieder auszugeben, und sich dem Kleinhandel zuzuwenden! So nimmt man tückisch mit der einen Hand, was man mit der anderen gegeben, und wenn in 30 Jahren vielleicht eine gesetzgebende Gedruckt bei H a mm e r i ch Versammlung über die Emancipation der Böhmischen Juden berathen wird, so wird sie die Ursachen der Erscheinung, warum nicht eine größere Anzahl von Juden als Handwerker fortgekommen, wahrscheinlich wieder in talmudischen Grundsätzen suchen! , Der Wahn, als seien die Juden von allen Arten fruchtbringenden Erwerbs nur im Handel sich auszuzeichnen fähig, wird durch das Beispiel der Böhmischen Juden auf's schlagendste widerlegt. Der größere Theil der reichen Juden Böhmens — wo die Masse natürlich in Folge alter und neuer Bedrückungen, wie allenthalben, sehr dürftig ist — verdankt sein Vermögen glücklichen Fabrik-Unternehmungen, welche Tausende von Armen beschäftigen, und, wie allgemein anerkannt wird, zum Flor des Landes sehr viel beitragen. Als ein Beispiel der sinnlosen Quälereien, womit ein schrankenloser Despotismus seine Opfer ohne Zweck und Nutzen, oft durch die Veranlassung eines bloßen Mißverständnisses, bis in die geringfügigsten Verhältnisse hinab, belästigt, möge folgende Thatsache dienen, die ich nicht für glaublich halten würde, wenn ich sie nicht mit eigenen Augen beobachtet hätte. Als man vor langer Zeit ansing, die Vor- und Familken-Namen der Juden, weil sie früher sehr unbestimmt und leicht zu verwechseln waren, einer Art von öffentlicher Controlle zu unterwerfen, entwarf man gelegentlich eine Sammlung solcher jüdischer Vornamen, die bei den Christen nicht üblich sind, aus welchen die Juden die Namen ihrer Kinder sollten wählen können: wobei es sich von selbst verstand, daß sie, wenn sie wollten, sich auch der bei den. Christen üblichen Calender - Namen bedienen könnten. In neuerer Zeit ist es aber mehreren Böhmischen Beamten eingefallen, die Juden lediglich auf die in jener Sammlung enthaltenen Namen zu beschränken, und es ihnen bei schweren Geldstrafen, die natürlich, wie immer, durch Bestechungen zu ersetzen waren, zu verbieten, ihren Kindern einen auch unter Christen üblichen Namen zu geben. (Der Beschluß folgt.) B e r i chtigu n g. 4 24, S. 187, Op. 2, A. 11 v. unten, ist statt 1819 zu^kesen.1829. : und Lesser ü^Altona.