Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 24 (22.1.1833)
- Date
- 1833-01-22
- Page
- Seite 192 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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der Liebe; es kann sich Niemand darüber beklagen, . noch so bequem und zweckmäßig eingerichtete Religion daß sie eine ihm lästige oder mißfällige Vorschrift ent- | nicht mehr als eine hohle Nuß ist, mit sich sühU. halt: denn er ist ja nicht gezwungen, sie zu befolgen; I Daß nun eine Reform, wie die Verlegung des Sabihr höchster Richterstuhl ist mithin nicht das Prinzip I baths, wie geringe sie auch, von einem abstrakt ratiodes allgemein Gültigen, sondern die Rücksicht auf Das, I nalen Gesichtspunkte aus betrachtet, scheinen mag, in was ihrem Bestehen und Gedeihen ihrer besonderen I Beziehung auf das lebendige Bestehen einer Religion Natur nach frommt.. Wenn dieses einfache Verhältniß I von großer Bedeutung ist, daß sie, wenn nicht alle Ber durch ein verkehrtes Einmischen der Staatsgewalt I kenner des Judenthums — was unmöglich zu erwarten in Gewissenspflichten in einzelnen Punkten getrübt wird, I ist — in ihr übereinstimmen, ganz nothwendig durch so kann dir Religion die Schuld dieser Anomalie! eine förmliche Trennung und somit durch die Hervornicht tragen, und es ist ein thörichtes Beginnen, einer I rufung einer neuen selbstständigen religiösen Gemeinsolchen Anomalie wegen eine Reform erzwingen zu I schast bedingt ist — das wird Niemand laugnen, der wollen. Wenn z. B. der Staat nach einem inkon-! die Realität der Verhältnisse nur einigermaßen im Auge sequenten, völlig gedankenlosen Wahn, den jüdischen I hat. Wie sollte der Vereinigungs-Punkt desselben Ta- Familienvater zur Beschneidung seines neugebornen I ges der religiösen Feier, derselben Versammlungs-Stunde Knaben, wenn er ihn in der eigenen Religion erziehen I zur gemeinsamen Andacht — so unwesentlich sie für will, auf die allerungerechteste Weise zwingen zu können I bürgerliche Einigung erscheint — als das, naturgemämeint, so sollte jeder Einzelne, der sich, seinen religiösen I ßeste Symbol innerer Einheit des Glaubens für die Ansichten entgegen, in diesem Falle befindet, jenem I Religion etwas Gleichgültiges sein können? Wer das Zwange einen kräftigen Widerstand entgegensetzen, der I behauptete, würde die Geschichte des Christenthums am in solchen Staaten, wo man eine Idee von individueller I meisten außer Acht lassen, welches die Nothwendigkeit Freiheit hat, gewiß zum Ziele führen würde; unbillig I nicht nur eigener gemeinsamer, sondern auch von denen ist es aber, wenn man deshalb dem religiösen System I einer anderen Religion absichtlich getrennter Feiertage selber die unmöglich scheinende förmliche autoritätsmäßige I mit einer Schärfe ausgesprochen hat , welche uns ganz Abschaffung jener Ceremonie zumuthet: ein Weg, den I natürlich und unverfänglich erscheint, welche aber, wenn freilich Viele jenem ersteren vorzuziehen geneigt zu sein I sie bei uns auf diese Weise hervorträte, von unseren scheinen, weil sie wissen, daß sie eher mit ihrer schwachen I Gegnern gewiß für einen Ausdruck der unerhörtesten Religion, ^ls^it dem mächtigen Vorurtheil des Staates! Intoleranz erklärt werden würde. Es ist bekannt, fertig werden köNnm. , I welchen Werth das Christenthum in den ersten Jahr- Aus dem vorhmW^erkten ziehen wir die Fol- I Hunderten seiner Entstehung daraus gelegt hat, einm gerung, daß wir bei jedep betz^enden religiösen Reform, I von dem jüdischen Sabbath verschiedenen wöchentlichen bei einer solchen besonders, die eine Meinung, mithin I Feiertag festzusetzen; es ist bekannt, daß nach einer noch eine theilweise neue Gestaltung des reMiosen Lebens I jetzt in der ganzen Christenheit gültigen Regel der möglicher Weise Hervorrufen könnte, nicht bloßvjMnach! Ostersonntag verlegt werden muß, wenn er mit dem . zu fragen haben, ob das^ was sie einführt, an E ge- I korrespondirenden jüdischen Feste zusammentrifft.' Mit nommen, bequem, zweckmäßig, vernünftig ist, sondUn! dem Verlegen des Sabbarhs auf den Sonntag würde auch, ob die Reform die lebendigen Elemente, die zu, I ganz konsequent auch die Verlegung der übrigen jüdidem Bestehen und Gedeihen einer religiösen Gemein- M schon Festtage auf die entsprechenden christlichen verschaft erforderlich sind, ob sie die warme Liebe zu Dem, -IjL Kunden werden müssen, und es würde ein komisches was ihren Inhalt, das Wesen ihres Zusammenhanges Schauspiel und eine fatale Verlegenheit für die Festausmacht, die freie, nicht zu erzwingende selbstverläugl!'tags-Verleger sein, wenn das christliche Osterfest sich nende Ergebenheit gegen das Bestehende, das Bedürft! vor dem zudringlich nachlaufmdm jüdischen Feste von niß, gerade aus dieser Quelle religiöse Erhebung und! einem Mgnntage auf dm anderen retiriren müßte! Erregung der Andacht zu schöpfen, ohne welches eine | (Die Fortsetzung folgt.) Gedruckt bei Hammerich und Lesser kn^Wvna.