Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 22 (28.12.1832)
- Date
- 1832-12-28
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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stoßen wird, *) noch einmal Ln's Auge. Sie erscheint uns dort nicht als eine besondere Eigenschaft, Micht als etwas Einzelnes, das erst durch einen Gegensatz, durch eine Ausscheidung irgend einer Art zum rechten Bewußtsein käme, sondern als der Inbegriff aller der Beachtung werthen Thaten, Bestrebungen und Gedanken der Angehörigen einer Nation in allen Richtungen des menschlichen Daseins. Daher sind denn auch die Ideen der Freiheit, der Gleichheit vor dem Gesetze dort ein wesentlicher Theil des nationalen Lebens geworden. In Frankreich besonders knüpft sich das 40jährige Leben der Nation mit seinem Ruhme und seinen Leiden, mit seinen Siegen und seinem vergossenen Heldenblut an diese Ideen, so daß sie aus abstrakten Vorstellungen zu dem Kerne des nationalen Lebens geworden sind. Diesem Leben gehören die Französischen Juden mit ihrer ganzen Existenz und allen ihren Kräften, wie die Christen, -an; in ihm sind alle Unterschiede, alle Besonderheiten in der Liebe zu dem Einen Vaterlande aufgelöst. Daß aber diese Einheit keineswegs nur einem auf revolutionairem Boden entsprossenen nationalen Leben, sondern einem jeden angehört, welches in lebendiger Wirklichkeit in der Gegenwart, wie der Geist unserer Zeit sie gestaltet, wurzelt, wollen wir durch das Beispiel Hollands beweisen, welches in diesem Augenblick durch eine gewaltige Aeußerung nationaler Kraft, abgesehen von der Gerechtigkeit oder Ungerechkeit seiner Sache sich die Theilnahme und Achtung Eurvpa's erwirbt. Wir wählen dieses Beispiel um - - - —.. ■ *) Es ist als eine erfreuliche Erscheinung zu beachten, daß an mehreren Orten in England, namentlich in London, den zu wählenden Mitgliedern des Unterhauses unter anderen Fragen über ihre politische Tendenz auch die Frage, ob sie die Emancipation der Juden unterstützen würden, vorgelegt und die Bejahung derselben mit eiystimmigem Beifall ausgenommen worden. so lieber, als wir dadurch dem Raksonnement des Badischen Abgeordneten Gläß begegnen, der den Unterschied zwischen Baden und den Staaten, die den Grundsatz der Religionsfreiheit auf die Juden angewandt haben, lediglich auf den Grund statistischer Verschiedenheiten zurückführen will. Er erhöht zu diesem Behufs die Anzahl der Einwohner Frankreichs von 32 auf 34 Millionen, reducirt die Zahl der Französischen Juden von 150,000, wie man sie mindestens annimmt, auf 60,000, erwähnt Hollands, wo die Zahl der Juden viel größer, wie in Baden, ist, mit keinem Worte, und zieht aus allen diesen kleinen rhetorischen Kunstgriffen — wohl zu entschuldigen in einem Luststreite, aber nicht bei einer Frage der Gesetzgebung — das Resultat, daß man in Baden die Juden anders, als anderswo behandeln müsse. — Warum) wenn sich ein Gedanke der Nationalität der Gleichstellung der Juden entgegensetzte, sind die Juden in jenem kleinen, aber gerade -durch den Patriotismus seiner Bewohner ausgezeichneten Lande gleichgestellt, ohne daß ihnen ihre christlichen Landsleute diese Stellung beneiden, obgleich sie der Masse nach an Bildung und Aufklärung den Deutschen Juden nachstehen? Warum loben die Holländischen Zeitungen den durch freiwillige Kriegsdienste wie durch Geldopfer bewiesenen Patriotismus der Juden, und freuen sich dabei der segensreichen Folgen der rechtlichen Gleichheit? Laßt doch einmal so einen Deutschen Professor, der seine Deutsche Nationalität aus dem Nibelungenliede und aus der Germania des Tacitus herausgelesen hat, einem jener Holländischen Soldaten beweisen, der an seiner Seite für die Sache des Vaterlandes kämpfende und fallende Jude sei nicht sein Landsmann und gehöre nicht dem Vaterlande an, für das er sein Blut vergießt! (Der Beschluß folgt.) .. : .. ■ .- . . ■ " ‘ Die noch fehlenden 4 Blatter dieses Jahrganges werden im Laufe des Januars erscheinen. — Diejenigen Hamburgischen Abonnenten, welche etwa über den nicht ganz regelmäßigen Empfang der Blätter Klage zu führen hätten, werden ergebenst ersucht, sich deshalb in der I. F. HÄMmerich'schen Buchhandlung in Altona oder in Hamburg bei Garms Erben zu melden. Gedruckt bei Hammerich und Lesser in Altona.