Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 17 (6.11.1832)
- Date
- 1832-11-06
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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135 dieselbe vorbringt, die Ln ihrer wahren Bedeutung für die Interessen des Volkes so gleichgültig ist, wie em todter Buchstabe, der erst durch ausgezeichnete Würdigkeit von der einen nicht nur, sondern auch durch die schwer zu erringende Anerkennung von der anderen Seite, Leben und praktische Wirksamkeit erhalt! Fürwahr, Ihr spielt ein falsches, ein abscheuliches Spiel! Seid redlich in Eurem Jrrthume, stellt als den einzigen Grund einer religiösen Ausschließung die Religion auf, sagt mit dem Einen rechtlichen Gegner, den die Emancipation der Juden seit langer Zeit gesunden, mit Sir Robert Peel, die bestehenden Privilegien des Christenthums duldeten die Zulassung Andersglaubender nicht, und darin, nicht in den Juden, liege der Grund der Ausschließung — dann wollen wir mit Euch streiten mit Achtung und Milde, wie mit Ehrenmännern, die uns in einem Jrrthume, den wir freilich schwer büßen müssen, befangen scheinen, wir wollen auf dem Gebiete der Menschenliebe und der wahren Religiosität auf Eure Ueberzeugung zu wirken suchen, und so lange das uns nicht gelungen, sollt Ihr wohl ernste Worte der Mahnung, aber nicht bittere des Vorwurfs von uns hören. So lange Ihr aber in heuchlerischer Huldigung vor dem Genius des Jahrhunderts Grundsätze der Gewissensfreiheit, der Trennung der Religion von bürgerlichen Interessen vor Euch hertragt, und doch fortfahrt, die Gewissen der Edelsten unter uns auf die Folter des Eigennutzes und des Ehrgeizes zu spannen, so lange Ihr — als die einzige praktische Folge der geltenden Ungleichheit — von den ausgezeichnetsten unter unseren Glaubensbrüdern, denen Ihr Eure Achtung zollen müßt, verlangt, daß sie — oder kennt etwa Baden solche Beispiele nicht? — durch die einzige zweideutige Handlung ihres Lebens die ihnen gebührende würdige Stellung erkaufen, und, darüber zur Rechenschaft gezogen, Euch nicht entblödet, als den Grund solcher den Adel der Menschheit und des Glaubens schändender Gesetze — den Schacher anzugeben; so lange Eure Gründe zehntausendmal krankender sind, als die Rechtsentziehung selbst, die Ihr damit rechtfertigen wollet: so lange ist der Kampf um Recht für jeden Einzelnen von uns ein Kampf um Ehre und Menschenwürde; so lange erscheint Ihr uns zu schlecht, um Euch der Bitte zu würdigen, zu falsch, als daß wir hoffen dürsten, Euch zu überzeugen. Wo Männer Eurer Gesinnung die Macht in Händen haben, da werden sie sie gebrauchen, und uns unser Menschenrecht vorenthalten. Aber die Verachtung, die Ihr auf uns häufen möchtet, und die Ihr verdient, wollen wir Euch zurückgeben; auf dem Kampfplatze der Wahrheit wollen wir die Truggebilde Eurer Sophismen zerstören, und Euch davon vertreiben weit zurück in die sicheren Verschanzungen der Gewalt! Der Wucher und die an das Bekenntniß geknüpfte Ausschließung von den besten Rechten des Bürgers! — fürwahr! sähe ich es nicht in deutlichen Buchstaben vor mir, ich würde es nicht glauben, daß ein menschliches Gehirn so viel Verwirrung oder ein menschliches Herz so viele Falschheit fasse, um die beiden Dinge zu einem Gedanken, zur Rechtfertigung einer gesetzlichen Bestimmung zu vereinigen. Also weil Jene mit Pfennigen wuchern, wuchert Ihr mit Glauben und Ueberzeugung? Weil von Zweien, die derselben Relkgionsparthei angehören, der Eine ein Schelm, der andere ein Ehrenmann ist — denn daß unter den Badischen Juden eine Anzahl höchst achtbarer, jedes Vertrauens würdiger Männer sich befindet, und daß diese namentlich die Unterzeichner der Petitionen waren, mußten selbst die feindseligsten Stimmen in der Kammer anerkennen — darum bietet Ihr beiden gleiche Rechte dafür, — daß sie beide Eure Religion annehmen: eine Handlung, wodurch sicherlich der Schelm nicht zum Ehrenmanne, vielleicht aber der Ehrenmann zum Schelmen geworden! Der Richter, der einen Einzelnen wegen eines mit gesetzlicher Strafe bedrohten Vergehens —. und zu der Klasse dieser gehört der Wucher — zu verurtheilen hat, wägt sorgfältig die Beweise ab, damit er ja den Urtheilsspruch nur über den Schuldigen fälle: denn den Schuldigen sondern von dem Unschuldigen, das ist Gerechtigkeit, darauf beruht das Recht, der Staat, die menschliche Gesellschaft. Ihr aber verdammt in Masse, ohne zu prüfen und zu untersuchen, Diejenigen, die Ihr unterdrücken wollet; Ihr verdammt wissentlich den Redlichen mit dem Unredlichen! Hat Euch das Verfahren auch die Religion der Liebe gelehrt? Oder sind etwa die Hände Eurer Glaubensgenossen so rein von unrechtlichem Erwerb, daß Ihr mindestens die seltsame Solidarität, die Ihr uns auf-