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Der Jude · 1832-11-06 · Heft 17 (6.11.1832) · p. Seite 131

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 17 (6.11.1832)
Date
1832-11-06
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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131 Ist bit verklungen das Lied von der einstigen goldenen Urzeit? Wahrlich, es hallt stets nach — hell mit melodischem . . Ton; Doch trostreicher erschallt und findet harmonischen Anklang Tief in der fühlenden Brust — heil'ger Propheten - Gesang: Aufgehn wird ein Tag, dann herrscht nur Frieden und Liebe, Rastet gebändigt der Krieg, und es verstummet der Haß. Ja, er naht der verheißene Tag und trocknet die Thränen, - Welche die Erde geweint an den Altären des Wahns. Suchst du ein Zeichen des nahen, des Brüder versöhnenden Morgens, Daß es dir stähle den Muth, siegend zu enden den Kampf? Dann wird kommen der Tag der völlig erlöseten Menschheit, Wenn ein mildes Gesetz alle Beherrschten regiert, Wenn man von Duldung nicht spricht, wenn als Tugend nicht fürder gerühmt wird Was nur frevelnder Hohn menschlichen Wesen versagt. Betrachtungen über die Verhandlungen der zweiten Kammer des Großherzogthums Baden über die Emanciparion der Juden. (Fortsetzung.) §)ie Annahme eines falschen Ursprungs führt zur Ergreifung falscher Heilmittel eines Nebels; wir müssen es bei seiner wahren Wurzel fassen, um es ausrotten zu können. Daß jene Einseitigkeit des bürgerlichen Erwerbs für die Juden selbst ein Nebel, ein großes schweres Nebel ist, da wo sie noch verwaltet, daß der gesellschaftliche Zustand der Juden kein erfreulicher werden kann, so lange Religion und Gewerbe in der Vorstellung des Pöbels, der das in der Erscheinung Vereinte im Begriffe nicht trennen kann, in der Darstellung des tückischen Feindes, der es nicht trennen will, ein Ganzes bilden — das ist eine Wahrheit, die in dem Gemüthe aller Juden, die das Schicksal ihrer Glaubensbrüder auf dem Herzen tragen, tief eingegraben ist. Die Quelle dieses Nebels aber —- Ihr, die Ihr sie so fern und so tief, die Ihr sie im Mosaismus sucht, der in allen seinen Bestimmungen für ein Ackerbau treibendes Volk berechnet ist, im Talmud, der den Handel weit gegen Gewerbe und Viehzucht herabsetzt: was habt Ihr doch für ein kurzes Gedachtniß für die eigne Schuld, für die eigne Thorheit! Noch sind es nicht fünf und zwanzig Jahre, daß in Baden wie in ganz Deutschland die Juden durch Städteordnungen, Zunstgesetze, Judenreglements, feudale Beschränkungen des Erwerbs von Grundstücken, von allem redlichen Erwerb, außer dem Handel, ausgeschlossen waren; und auch von diesem waren ihnen nur die Zweige zugänglich, die man ihnen nicht versperren konnte, es war der Großhandel, insbesondere der Geld- und Wechsel-Handel, der durch seine Weltverbindungen, der Trödelhandel, der durch seine Geringfügigkeit den Banden des Zunftzwanges entging, welchem der offene sichere Detail-Handel, der dm regelmäßigen Bedürfnissen des Augenblicks zu genügen bestimmt ist, in der Regel unterworfen, und daher den Juden versperrt war: der erste gab Einzelnen große Reichthümer, und nahm sie ihnen oft in raschem Wechsel; der zweite gab der großen Masse einen unsicheren, zufälligen, kümmerlichen Erwerb. Noch besteht dieser unnatürliche Zustand unangetastet inemigen wenigen Staaten des Deutschen Bundes als ein beachtenswerthes Denkmal; und dennoch hat man seiner, da, wo er eben einem geringen Fortschritte gewichen ist, so ganz und gar vergessen, daß man sich in blindem Zorne über seine sichtbaren gegenwärtigen Folgen ereifert, und dieselben, alle Rücksicht auf Ursache und Wirkung, wie dieselben in menschlichen Dingen in einander greifen, von sich stoßend, schlechthin der Hartnäckigkeit, dem bösen Willen eben Derer, die am empfindlichsten davon leiden, zuschreibt. Die Geschichte, die große Lehrerinn und Erklärerinn der Gegenwart, dient unseren Gegnern nur dazu, Fesseln für uns zu schmieden, und Beschuldigungen aus ihren tiefsten Tiefen herauf zu wühlen; sie sind taub gegen ihre Lehren, da wo sie allein beklagenswerthe Uebelstände zu erklären und auf ihre wahre Quelle zurückzuführen vermöchte. Ihr, die Ihr sonst bei einzuführenden Verbesserungen alle bestehenden Verhältnisse, eingewurzelte Gewohnheiten, anerkannte Vorurtheile selbst mit so übertriebener Schonung berücksichtigt, wie wöget Ihr doch mir den Unseren allein so rauh und v 17 *

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