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Der Jude · 1832-11-06 · Heft 17 (6.11.1832) · p. Seite 129

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 17 (6.11.1832)
Date
1832-11-06
Page
Seite 129 (sequence 1)
Language
German
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Der Jude. Periodische Blatter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesfer. Dienstag, <> -& Ewl 6 November 1832. Mit Wönigl. Dänischem Allerhöchstem Wrivilegio. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Mona. Duldung und Gewissensfreiheit. Von Dr. Immanuel Wohlwill. ^ast du nur klagenden Ton, du Herz durchbebende Harfe, Wenn dich der sinnende Geist rufet zum ernsten Gesang Vom rastlosen Getümmel der hochanstrebenden Menschheit, — Weil sich die Sünde vererbt, nimmer die Thorheit erstirbt? Ach, in der Thorheit Gewand droht nicht das verderblichste Unheil, Nicht in der Laster Gestalt wüthet das Uebel allein. Klage, wenn heuchlerisch prunkt die kühn sich vermessende Lugend, Wenn sich die Weisheit bläht, welche die Täuschenden täuscht; Wenn es der Ohnmacht dünkt, als entsprösse der eigenen Lhatkraft, Was der erschaffende Gott Schwachen zur Stütze gewährt. Klage nicht, wenn sich der Sterbliche beugt, tief beuget in Demuth, Huldigend höherer Macht, senkend das wankende Knie- Klage, wenn stolz sich brüstet mit hochzupreisender Großmuth, Wer dem Genossen nicht raubt, was die Natur ihm verliehn; Wer uns das Erbe der Menschheit, des Vaters versorgende Mitgift Karg zumißt und schenkt — was uns der Frevel entriß; Wer uns erforschet die Stirn, ob Raum auch finde der Stempel, Welchen die milde Natur auch an Tyrannen nicht tilgt. Duldung gestattet der Wurm dem neben ihm wühlenden Wurme: »Sieh', ich erlaube dir hold—wühle nur neben mir fort; Einer erschuf uns Alle und gab uns den Garten der Erde, Daram bewege dich frei — bis zu dem Fuße des Bergs; Mir nur lasse die Höhe, das sei mein einziges Vorrecht- Schau ich doch duldsam hinab, wie du dich neben mir regst." Bald, bald decket der Hügel die Gräber der nagenden Würmer, Und durch die Schwere allein drücket der höhere noch. O der gepriesenen Lugend der Menschen beglückenden Duldung! Den dein Schöpfer erschuf—nein, du vertilgest ihn nicht; Läffeft ihn leben und athmen und frei sich der Sinne bedienen; Wehrst nicht dem hüpfenden Puls, — nicht, daß die Lunge sich hebt. Auch Brosamen genug gönnst gern du dem hungernden Bruder, Bleibe der Acker nur dein, dein nur der Erstlinge Preis. Ja, der Bildung Triumph hat höhere Palmen errungen: Aermlich ist leibliches Sein, sind nicht die Geister auch frei. Sieh', es dringt kein Büttel in unsrer Gedanken Gehermniß; Denke nur, was dir beliebt, sprich mit dir selber dich aus; Andern nur sage nicht alles; wer wird denn alles verrathen! Was in dem Inneren lebt, bleibet dir sicher und treu. 17

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