Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 16 (30.10.1832)
- Date
- 1832-10-30
- Page
- Seite 121 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der In-e. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesser. Dienstag, den 30. Oetober 1832. Mit Wönigl. Närrischem Allerhöchstem Wrivilegio. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Mona. K u r h e s s e n. heben lange gezögert, auf einen Gegenstand zurückzukommen, den wir mit den frohesten Hoffnungen verlassen haben, und den wir jetzt mit schmerzlichen Gefühlen wieder zu berühren genöthigt sind. Eine trübe Ahnung, die wir beim Abschiede nicht unterdrücken konnten, so wenig Wahrscheinlichkeit sie damals, als wir sie aussprachen, zu haben schien, scheint in Erfüllung gehen zu wollen. Manche der edelsten Früchte eines würdigen, dem innersten Bewußtsein und dem dringendsten Bedürfniß des Landes und des Zeitalters, denen es angehört, entsprossenen Strebens sind nicht zur Reife gediehen; gerechte Hoffnungen sind nicht erfüllt worden. Ein Gesetz, welches das theure Gut der Mittheilung der Gedanken der strafenden wie der schützenden Macht der Gerechtigkeit unterordnen sollte, wird, nachdem es in Folge vielfacher Erörterungen und bedeutender Koncessionen von Seiten der Volksvertreter zu Stande gekommen, wenn gleich von der Verfassung verheißen, die Sanktion der Regierung nicht erhalten; ein gleiches Schicksal wird dem Vernehmen nach das ebenfalls von der Verfassung verheißene Gesetz, die Emancipation der Juden betreffend, für den Augenblick theilen. Dieser Ausgang, verglichen mit dery Hergange der Entstehung und der Vollendung des Gesetzes, hat auf den ersten Blick etwas Rathselhastes, und aus Motiven, wie man sie bei der Gesetzgebung eines verfassungsmäßig geordneten Staates vorauszusetzen gewohnt ist, schlechthin Unerklärliches. Das Gesetz ist, wie bekannt, von der Staatsregierung ausgegangen; es ist von der Ständeversammlung angenommen und mit schatzenswerthen Verbesserungen ausgestattet worden, die ganz im Geiste des Entwurfs waren, und denen sich die Regierung dem Ausschuß wie der Kammer gegenüber, aus keinerlei Weise widersetzt hat; vielmehr hat das einzige bei der Diskussion gegenwärtige Mitglied der Regierung, der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Graf von Trott, ausdrücklich erklärt, die Verbesserungen seien ganz im Sinne des Entwurfs, und würden von der Regierung bereitwillig angenommen werden. Und woher nun neue Hindernisse, nachdem Alles beendigt schien? Woher neue Schwierigkeiten, nachdem Alles ausgeglichen war? Woher die neuen heimlichen Zweifel, nachdem öffentlich Alle übereingestimmt? Doch warum diese Verwunderung? War doch dieses Mal das Verfahren der Sache vollkommen angemessen, die es zu vertreten galt! Nur 5 Stimmen unter 41, die am hellen Tage für das Princip der Unterdrückung sich erklären mochten; aber eine in heimlichem Dunkel schleichende Jntrigue, die das Werk des Tages in seiner Vollendung hemmt! Die Lüge hat es auf- 16