Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 15 (9.10.1832)
- Date
- 1832-10-09
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Und warum ließest du mich Keinen finden, Der meinen Gram getheilt? Der Schauende blieb einsam unter Blinden, Voll Wunden, ungeheilt. Doch still! — Nur dir will ich mein Leiden klagen, Mit leisem, leisem Ton, Begleiterin des Liedes von den Tagen, Die sang Obadiah's Sohn, Der nach dem Lichte hofft, so tief es nachtet, Nach Zions Morgenschein, Wie nach dem Wiesenquell das Hirschlein schmachtet, Aus dürren Wüsteneien. Ueber jüdisches Schulwesen. Zweiter Artikel. Es war zuvörderst die Lebensfrage zu erörtern: Ist es überhaupt nöthkg, daß jüdische Schulen bestehen? und ich habe aus rein moralischen, dem Innersten der Religion entnommenen, Gründen, diese Frage zu beantworten im vorigen Artikel mich bemüht. Es. war die treue Anhänglichkeit an die Religion der Vater, die uns vorzüglich dazu bestimmte, nicht äußere Gründe des Vortheils, der Ehre oder des Reichthums. Ich durste deshalb auch den Vorwurf nicht scheuen, als wolle ich unsere gute Sache zurückführen zu dem Standpunkt des Hasses und der Absonderung, wie er uns aus dem Mittelalter überliefert worden ist: nicht das Aufgeben unserer Eigenthümlichkeit bringt uns zum Ziele, sondern die Veredlung derselben. Die Beibehaltung der jüdischen Schulen geht unmittelbar aus dem Factum hervor, das jeden Augenblick von uns bethatigt wird, aus dem Factum, daß wir Juden sind, daß wir unsere Religion nicht mit der herrschenden vertauschen; sie geht eben so unmittelbar daraus hervor, wie die Errichtung eigener Gotteshäuser. Diejenigen, die meine Ansicht nicht theilen, müssen consequent auch dafür sein, daß wir unsere Jugend in die Kirchen und Bethäuser der Mehrzahl unserer Mitbürger schicken: die Annäherung und Amalgamation wird dann noch größer, noch inniger! Nein, die Geschichte lehrt es, daß Richtungen, die am entschiedensten jede in sich ausgebildet sind, am befreundetsten neben einander bestehen: das Entgegenkommen bis auf einen gewissen Punkt, um dann inne zu halten, befriedigt Niemand, man vergibt einander den kleinen Schritt nicht, der noch zu machen ist, und Jeder verlangt ihn vom Andern; die Harmonie entsteht nicht aus den einander zunächst liegenden Tönen, die entferntesten bilden die reinste Consonanz. Mit Recht daher verschmäht man in England die von dem jetzigen Ministerium vorgeschlagenen Compromißschulen, deren Gedanke der ist: Wir Protestanten wollen vergessen, daß wir Protestanten sind, vergeßt ihr, daß ihr Katholiken seid, so lange ihr die Schule besucht; zu Hause könnt ihr es wieder einholen! Als ob das, was seit Jahrhunderten getrennt har, auf einmal vertilgt werden könnte aus dem Leben und aus der Erinnerung! Als ob mit einem Schlage alle Fäden, die den Menschen an die Vorwelt knüpfen, zerrissen werden könnten! Es kann nicht oft genug wiederholt werden, in menschlichen Verhältnissen bildet sich nichts ganz neu, nur aus dem Vorhandenen erzeugt sich organisch etwas Anderes, das wirklich Leben und Geltung hat: alles Uebrige ist wie todtgeboren. — Eine solche Vereinbarung aber, wie Ln Irland, findet für uns noch gar nicht einmal Statt: man thut keinen Schritt, und kann ihn von dieser Seite nicht thun, um uns entgegen zu kommen. Oder wollten wir etwa im Ernste verlangen, die christlichen Schulen sollten um unsertwillen ihr Christenthum verläugnen, und nur das alte Testament im Religionsunterrichte lesen und berücksichtigen? So entschieden ich nun von dieser Seite die Beibehaltung jüdischer Schulen wünsche, so laut und entschieden würde ich dagegen protestiren, wenn, auf meine Ansicht gestützt, ein Staatsmann und Gesetzgeber uns dazu zwingen wollte,. unserer Jugend den Unterricht abgesondert ertheilen zu lassen. Der Staat hat eine doppelte Aufgabe in Hinsicht auf das Schulwesen; er muß dafür sorgen, daß Schulen bestehen, die vernünftigen Ansprüchen genügen, und zweitens, daß keinem Kinde die Gelegenheit zum Unterrichte entzogen werde: alles Uebrige gehört der individuellen Freiheit. Zwang erzeugt immer das Gegentheil von dem, was er bezweckt, oder er führt zu dumpfer Gedanken-