Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 12 (7.9.1832)
- Date
- 1832-09-07
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2542348-2542377-2542390--105-3526602- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
90 zu sehr ihren Vortheil darin finden, die Juden lm Druck zu erhalten. , Wie würde sonst ein Beamter, dem nur einige hundert Gulden Gehalt ausgesetzt sind, in Luxus mit dem Reichsten wetteifern können, wenn ihm der Jude nicht dafür zahlte, daß er z. B. ohne Anstand heirathen kann, daß er einen Schank hält u. s. w.? Das Landesgubernium besonders ist sehr feindselig gestimmt. Die hiesige Stadtkasse hat überflüssige Gelder liegen,.-der Hof befahl, solche auf Hypothek anzulegen: aus eigener Machtvollkommenheit fügte das Gubernium die Ausnahmsklausel bei, daß man Juden von diesem Gelde nichts leihen solle, obgleich die Casse fast nur durch die Beiträge der Juden besteht. Wider diese empörende Verfügung machten die hiesigen Juden privatim eine Vorstellung an Se. Majestät, wobei dann Mehreres zur Sprache kam und man unumwunden auseinandersetzte, wie es an der Zeit sei, uns zu emancipiren. Wirklich langte von oben herab eine Verordnung an den hiesigen Rabbiner und das Vorstehercollegium, ihre Aeußerung abzugeben, „in wie fern man den Juden erweiterte Bürgerrechte eimäumen könne." Dieses langte im Lctober 1831 herab, und — werden Sie es glauben? — noch bis zur Stunde haben weder Vorsteher noch Rabbiner ihre Aeußerung abgegeben! Das heißt Patriotismus, nicht wahr? Bald daraus erging an den Rabbiner der Auftrag, sich zu äußern, in wie fern es rathsam wäre, ein Seminarium zur Bildung von Rabbinen hier zu Lande anzulegen, ob es nach dem Muster des in Padua bestehenden, oder mit diesem Lande angemessenen Modificationen errichtet werden solle? Der Rabbiner hat auch in der That eine recht gute Aeußerung eingereicht *)♦ Lesen Sie aber, wie der hiesige Magistrat, d. h. der Bürgermeister,. der allein alles Politische besorgt, diese Aeußerung eingeleitet hat. — Diese beiden Beispiele mögen Ihnen zeigen, wie. nöthig uns Preßfreiheit wäre, um einerseits den Patriotismus zu wecken, die saumseligen Vertreter unserer Gemeinde zu beschämen, und andererseits die Regierung, die wahrlich die besten Absichten hat, über die unteren Beamten aufzuklären, *) Wir hoffen, auch diese unseren Lesern demnächst mittheilen zu können. was in Vorstellungen nicht geschehen kann, weil diese in Kartons vermodern. Gutachten des Bürgermeisters von Drody. ■ # / Nr. 1924. Nach Erhalt des Auftrages vom 13. Jänner d. I. Z. 378 hat man das Gutachten über die Einrichtung der Lehranstalt zur Bildung tauglicher Rabbiner für die,, hierländige Judenschast vom hiesigen Kreisrabbiner abgefordert, und da derselbe, ob zwar dießfalls betrieben wurde, erst jetzt gemacht und vorgelegt habe, wird mit Anschluß desselben vom Magistrate dieses Gutachten erstattet. Die Bildung hat bis nun bei allen Völkern genußreiche Folgen hervorgebracht, und man ist in der Voraussetzung, daß dieselben auch bei der Judenschast zu erwarten seien, mit Ausnahme dennoch auf das Glaubensbekenntniß, denn dieses wird bei denselben in so lange als Heiligthum sein und zur Rechtlichkeit die Triebfeder geben, bis dieselbe auf höhere Gedanken nicht hinausgetrkeben, durch die philosophischen Prinzipien in verschiedene Auslegungen nicht verfallen, und mit Ansichten bestärkt den Glauben zu entkräften vermögen wird. Der Glaube benöthigt keine vorläufige und höhere Wissenschaft, ist einem jeden Menschen von Natur aus gegeben worden, welcher auch mit "wenigen jedoch angemessenen Aufklärungen zu belassen wäre, um durch wissenschaftliche Prinzipien dieselben auf Zweifel nicht zu leiten, die dem Glauben mehr schädlich' als nützlich sein dürften. Zwar wäre das letzte zu wünschen, wenn man hierdurch die Judenschaft zu einem andern Glauben bewegen könnte, aber leider die Erfahrung lehrt schon, daß seit der Zeit, als dieselbe sich der Bildung von selbst zu widmen angefangen hat, sie von dem eigenen Glauben abtrünnig geworden ist und keinen Glauben fassen will, wodurch die Schädlichkeit für den Staat sich hie und da fühlen läßt. Dieser Vorauslassung zufolge ist man des Erachtens daß man sowohl bei den Rabbinern, als auch Religionsweisern höhere Bildung als jene, die gegenwärtig