Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 10 (31.7.1832)
- Date
- 1832-07-31
- Page
- Seite 73 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Anke. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesfer. L den 31. Juli 1832. Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammer ich in Altona. Betrachtungen über die Verhandlungen der . zweiten Kammer des GroßherzögthumS Bar den. über die Emancipation der Juden. (Fortsetzung.) - Aas wesentliche Resultat aber, das wir für unsere Untersuchung aus dem Gesagten zu ziehen haben, ist das, daß der wahre Fortschritt der religiösen Denkweise nicht in formellen Abschaffungen, nicht in officiellen Erklärungen und Entsagungen, nicht in- Synodal- Beschlüsten, in Dekreten von Versammlungen, die immer nur von negativer Beschaffenheit sein können, sondern daß er in dem Erstarken der menschlichen Seelen, in dem stillen aber mächtigen Wirken des Geistes, der aus 'innerem freiem Antriebe die Hülle abstreist, wenn er' sich reif fühlt, zu suchen ist. Und dieser letztere, nicht jener erstere Weg ist es auch, den die Aufklärung in unserem Jahrhundert ausschließlich geht. Ich behaupte — und ich wünsche, daß diese Behauptung von Männern vom Fache reiflich geprüft, und demnächst beherzigt oder berichtigt werde — daß in unseren Zeiten keine andere gemeinsame Reform möglich ist, als eine solche, die den gemeinschaftlichen Gottesdienst betrifft, der einzige Punkt, wo ein Übereinkommen nothwendig ist; daß eine Reform, wie die vorgeschlagene, welche in die Sphäre der Privatandacht, der religiösen Gebrauche des Privatlebens, der individuellen Religions-Vorstellungen eingreifen wollte, ein Unternehmen wäre, das dem Geiste unserer Zeit ganz absolut entgegen ist, das uns aus dem stetigen Entwickelungsgange unseres Jahrhunderts vollkommen losreißen und uns um drei Jahrhunderte zurück versetzen würde; das, wie jedes Beginnen, welches in dem Boden seiner Zeit nicht wurzelt, in seinen Resultaten nichtig, ohne Zukunft, wie ohne Leben und ohne Vergangenheit wäre; dessen Erzeugniß, ein ohnmächtiges Zwittergeschöpf, weder den Glauben noch den Verstand befriedigen, weder die Autorität des Alters, noch die. Kraft und die Frische der Jugend für sich haben, weder der individuellen Freiheit eine Schranke, noch der bestehenden kirchlichen Einrichtung eine Bürgschaft sein würde. Lasten wir uns nicht irre machen durch den Protestantismus des sechszehnten Jahrhunderts, der uns hier eher zum Gegensätze, als zum Muster dienen muß. Es ist in ihm freilich ein ewiges, heiliges, unvergängliches Moment, das der Freiheit des Geistes wirksam gewesen; aber in seiner Gesammtheit, .als historische Thatsache, seinen Formen nach gehört er großentheils derselben Richtung, demselben Princip an, die er bekämpfte. Zur Vernichtung einer äußeren Gewalt, einer politischen Macht, die die Gewissen beherrschte, berufen, war er genöthigt, eine gleichartige Gewalt auf seine Seite zu Hülfe zu rufen. Darum gab er die der Kirche entzogene ungerechte Gewalt, die Niemanden gebührte, zum großen Theil in die Hände der 10