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Der Jude · 1832-06-22 · Heft 8 (22.6.1832) · p. Seite 64

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 8 (22.6.1832)
Date
1832-06-22
Page
Seite 64 (sequence 8)
Language
German
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64 lichen, Ln eimm metaphorischen Sinn, der die Einheit des Glaubens in einem nahe liegenden Bilde bezeichnet *), oder die Erinnerung an entschwundene Zeiten, welche zwei Jahrtausende von den unsrigen trennen, durch den flüchtigen Klang eines Wortes in's Gedächtniß ruft; Jedermann weiß, wie das zu nehmen ist, und nur ein alberner Wortkrämer könnte daran Anstoß nehmen oder eine Theorie der National- Absonderung darauf bauen. Wer jene Ansicht bestreiten wollte, müßte es vom Standpunkte der Religion aus thun, indem er ein nicht minder festes und dauerhaftes Band nachwiefe, das nur in dem Wesen der Religion und nicht in ihren Formen bestände; vom Standpunkte des Staates aus würde er es nimmermehr können, da der Staat, in dessen Tendenz es keinesweges liegt, die möglichste Mannichfaltigkeit losgerissener individueller Riligionsmeinungen hervorzurufen, der' vielmehr gerade im Gegentheil im Interesse seiner Aussicht die Erhaltung bestimmter durch anschauliche Formen und durch die bestimmte Anzahl ihrer Anhänger erkennbarer objektiver Religions- Institute zu befördern gewohnt ist — da der Staat, sage ich, eine solche Einigkeit dem Princip nach der eignen Einheit für widerstrebend zu halten weder beftrgt noch gewillt, ihre Formen aber zu bestimmen nicht seine Sache ist. Geht man davon aus, die Einheit des. Staatslebens, und die Einheit in religiösen Lehrsätzen und Gebräuchen, die doch nicht verbanm werden kann und .soll, für einander widerstrebend zu halten, so gelangt man zu dem einzig konsequenten Resultat, nur eine einzige Religion im Staate für zulässig zu achten , und so kommt man in aller Aufllämng zu dem Princip einer im Namen des Staates geübten Inquisition, die nach Art Hein¬ *) Eben so nennen Lasso und andere Dichter die Christen, so wie die ihnen gegenüberstehenden „Ungläubigen" ein Volk. rich des Achten Diejenigen, die die Suprematie des Staatsoberhauptes über ihr Gewissen nicht anerkennen, als Hochverräter straft. — Lassen wir uns nicht irre machen durch die doppeldeutigen Redensarten vom „Zusammenhalten" der Juden, von dem engen Bande, das sie aneinander knüpft und was dergleichen mehr gesagt wird. Dieses Band der religiösen Vereinigung ist dem Staatsleben so wenig entgegen, als es das Band der Familie, der Freundschaft, des gemeinsamen Strebens für Wissenschaft und- Bildung oder für wohlthätige Zwecke ist. Wohl tritt das Korporationswesen dann feindlich dem Staate gegenüber, wenn es seine Gewalt theilen und dadurch seine Kraft zersplittern, wenn es sich trennend zwischen den Bürger und zwischen Gesetz und öffentliches Wohl stellen will; von dem Allen aber will unsere Genossenschaft, die immer Entbehrungen, nie Vortheile an die Theilnahme an ihr geknüpft, sah, Nichts. Jede wahrhaft religiöse Gemeinschaft fördert aber das Staatsleben, so wie Alles, was dem Egoismus entgegenwirkt , gegen den die Idee des Staates allein in unseren Tagen kaum Macht genug besitzen möchte. Wo ist das Band zwischen den religiösen Sekten inniger, wo tritt ihre Sonderung bei' dem freien Ausdruck, den jede Eigenthümlichkeit dort in Anspruch zu nehmen gewohnt ist, auch äußerlich schärfer und ungezwungener hervor, als in den beiden Staaten, die sich der kräftigsten Einheit des Staatslebens erfreuen, in Amerika und in England? Ich möchte es mit anhören, was man in diesem Musterlande der individuellen Freiheit dazu sagen würde, wenn so ein Monopolist der Freiheit, oder so ein Schulbube des Liberalismus den Vorschlag machte, die Emanckpakion der Juden an die Abschaffung auch nur des geringfügigsten religiösen Gebrauchs zu knüpfen; mit welcher Verachtung man diesen Herren auf die ersten Elemente der Freiheitslehre verweisen würde. (Die Fortsetzung folgt.) Eine Reise, die er im Anfänge des Monats Juli antreten wird, veranlaßt den Herausgeber zu der Bitte, daß Diejenigen, welche ihm für dieses Blatt Mittheilungen zu machen haben, deren unmittelbare Bekanntmachung sie wünschen, seiner Addreffe die Worte „für die Redaktion des Blattes: der Jude" hinzufügen mögen, da in diesem Falle von einem Freunde des Herausgebers die Einrückung unmittelbar besorgt werden wird, während die ohne diese Bemerkung an seine Addreffe gelangenden Briefe ihm selbst an seinen jedesmaligen Aufenthaltsort werden nachgesandt werden. Gedruckt -ei Hamm er ich und LeSser in Altona.

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