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Der Jude · 1832-06-22 · Heft 8 (22.6.1832) · p. Seite 57

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 8 (22.6.1832)
Date
1832-06-22
Page
Seite 57 (sequence 1)
Language
German
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Jude. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Rieffer. Freitag, v . Mden 222uni 183L Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Altona. Kurhessen. kommen auf die Debatten der Ständeversammlung, die der Annahme des Gesetzentwurfs vorhergkngen, zurück. Die ganze Diskussion, die am 26sten Mai Statt fand, dauerte ungefähr zwei Stunden. Da der offlckelle Abdruck der Protokolle der Stände- Versammlung, worin die vom Stenographen nachgeschriebenen Reden vollständig enthalten sind, erst viel spater erscheint, so geben wir vorläufig nach der Kasseler Zeitung folgende Uebersicht der Debatten, die zur Bezeichnung des Geistes, der die Verhandlung belebte, und nebst der geringen Anzahl der verwerfenden Stimmen zur Würdigung des geringen Einflusses der opponirenden Ansichten genügen; was wir in den einzelnen Reden etwa besonders Bemerkenswerthes finden, werden wir später nachtragen. „Herr Eberhard verlas, als Referent des betreffenden Ausschusses, seinen Bericht über den Gesetz- Entwurf. Herr Fuchs bemerkte: Es sey keinem Zweifel unterworfen, daß Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Klugheit erfordern, die Juden zu emancipiren, und besonders die Trödler-Kaste dem bürgerlichen Leben immer mehr einzuverleiben; ob dieses aber erreicht werden könne, wenn man den letzter» unbedingt gleiche Rechte mit den übrigen Staatsbürgern einräume, bezweifle er sehr; er besorge vielmehr, daß dadurch viele christliche Händler sich gezwungen sehen wurden, dem Schacherprinzip zu huldigen. Er rede hier nicht von jenen achtungswürdigen, jüdischen Familien, welche, ohne darum aufzuhören, die Religionsgebräuche ihrer Väter zu befolgen, im Sinne der wahren Christus-Religion handelten; sondern nur von jenen, die unter dem Namen Schacher-Juden oder Schmußer bekannt seyen, und in zwei Klaffen, in eine geringe und in eine vornehmthuende, zerfielen. Er sey daher zwar dafür, daß man denjenigen Juden, welche in ihrer Vortrefflichkeit den vortrefflichsten Christen gleich zu stellen seien, sofort alle Rechte der übrigen Staatsangehörigen einräume; den Schmußern dagegen könnten diese nur dann verwilligt werden, wenn sie im Interesse des öffentlichen Lebens solche Fortschritte gemacht hätten, daß sie der Erlangung aller Staatsbürger-Rechte auch würdig wären. Jene ausgezeichneten Juden müßten den Schacherern als Ideal hingestellt werden, welches zu erreichen die letztem sich bestreben, und sonach mehrere Grade durchwandern müßten. Auf wen dieses Reizmittel keinen Eindruck mache, der möge auch im Schlamme seiner Niedrigkeit stecken bleiben. — Herr Scheuch 2r erwiederte: Die Schacherjuden seien allerdings ein Uebel für das Land, welches aber nur in der bisherigen gedrückten Lage der Israeliten seinen Grund habe, und welches verschwinden würde, sobald den Juden alle staatsbürgerlichen Rechte eingeräumt 8

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