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Der Jude · 1832-05-22 · Heft 4 (22.5.1832) · p. Seite 29

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 4 (22.5.1832)
Date
1832-05-22
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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29 ausdrückte, die Ruhe wieder hergestellt, und es mußte die Erinnerung an eine alte Schuld mit der Vernichtung des Volkes, an dem sie begangen, vernichtet werden — was war wohl unter diesen Umstanden natürlicher, als daß man das Gesetz, das man im Großen verletzen mußte, im Kleinen genau beobachtete und gleichsam symbolisch vollzog; daß man an die Stelle der Gleichheit vor dem Gesetze eine billige Ausgleichung treten ließ; daß man, die Cholera nach homöopathischer Methode in möglichst kleinen Dosen abhaltend, auf 1000 Russische Soldaten, denen man freie Kommunikation gestattete, einen einzelnen Handelsjuden strenge zurückwies? Ale D orfzeitung enthalt folgenden Artikel: „Dem Vernehmen nach soll auf dem gegenwärtigen Landtage zu Meiningen auch eine Revision der in einigen Landestheklen bestehenden Gesetze über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Antrag gebracht werden. Es ist sehr zu wünschen, daß dieser wichtige Gegenstand mit derjenigen Umsicht behandelt wird, die er in jeder Beziehung verdient. Die Stande des Königreichs Würtemberg und des Königreichs Baiern sind hierin mit einem nachahmungswürdigen Beispiele vorangegangen, und haben den bessern Ansichten über diesen Gegenstand das Siegel der Oeffentlichkeit aufgedrückt. Betrachtungen über die Verhandlungen .der zweiten Kammer des Großherzogthums Baden über die Emanciparion der Juden. Man vergleiche Landtagsblatt: Mitteilungen aus den Verhandlungen der Stände des Großherzogthums Baden im Jahre 1831. Karlsruhe, bei Groos. 4. No. 50 vom 10. Juni S. 293—296. No. 51 vom 11. Juni S. 297 — 300. No. 54 vom 14. Juni S. 313—320. No. ,55 vom 15. Juni S. 321—324. Es ist eine lange Zeit in Deutschland verstrichen, wo der Freiheit und dem natürlichen Rechte der Kampf mit dem Bestehenden auf dem Gebiete der Gesetzgebung versagt. ward, wo jenen ihre guten kräftigen Gründe wenig halfen, weil die geltenden Gesetze, sorgsam verschanzt hinter sicheren Mauern, die Herausforderung, sich zu rechtfertigen, nicht annahmen, über die Zumuthung ftottend, um Das zu streiten, in dessen ruhigem Besitze sie sich befanden. Stand es doch in ihrer Macht, gegen alles gute Kriegsrecht selbst dem Herolde der ewigen Wahrheit, der mit der schmetternden Trompete jene Herausforderung verkündete, der freien Presse, den Mund zu schließen und sie gefangen zu nehmen, wenn ihre Stimme zu laut und ihre Mahnung zu dringend wurde! Damals stand es schlimm, sehr schlimm um unsere Sache. Was helfen die eindringlichsten Beweise für die Gerechtigkeit einer Forderung da, wo man, ohne sie widerlegen zu wollen oder sich dadurch irre machen zu lassen, an dem Besitzstände festhalt, und ein Unrecht, das Jahrhunderte lang geherrscht, für gleichbedeutend mit Gerechtigkeit nimmt. Wir vermochten es nicht, jene Walle, hinter denen die Gesetzgebung sich verwahrt hielt, zu erstürmen, und sie zu zwingen, in offenem Felde Rede zu stehen, und einer besseren Gestaltung der Dinge zu weichen, wenn ihre Verwerflichkeit erwiesen worden. Aber der fortschreitende Gang dev Ereignisse, der Eintritt einer neuen Entwickelungs-Periode in dem Leben der meisten Deutschen Staaten haben Das bewirkt, was wir nicht M bewirken im Stande waren. Der blinden vernunftlosen Gewalt des Bestehenden hat sich eine andere in ihrer schrankenlosen Wirksamkeit nicht minder blinde und vernunftlose Gewalt, die der Bewegung durch die Uebermacht der Mehrzahl, drohend entgegenstellt. Um dem furchtbaren Stoß dieser beiden Gewalten zu begegnen, war nur der eine Ausweg der Versöhnung möglich, daß man die Entscheidung den Aussprüchen der Vernunft, den Grundsätzen der Gerechtigkeit , wie sie tief in die Seele des Mensch« gegraben sind, um die Normen des äußeren Rechts zu schaffen, anheim stellte. Seitdem hat eine Reihe fruchtbarer, auf einen praktischen Zweck, auf die Umgestaltung mangelhafter Verhältnisse abzielender öffentlicher Erörterungen über die wichtigsten Momente des Staatslebens, über Preßfreiheit', über mehr oder minder ausgedehnte Volksvertretung, über die gleiche Vertheilung der Rechte und der Lasten im Staate Statt gefunden, und die Emancipation der Juden hat allenthalben unter den Gegenständen, die zur

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