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Der Jude · 1832-05-04 · Heft 2 (4.5.1832) · p. Seite 10

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 2 (4.5.1832)
Date
1832-05-04
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 herübergekommen sei, kennen nur die äußere Geschichte, | nicht den Geist, nicht die Literatur ihres Vaterlandes.! Aber wohl hat es langer, als in anderen Ländern ge-! dauert, bis es dem in der Theorie anerkannten und festbegründeten Gedanken gelang, bis in das Gebiet der Gesetzgebung durchzudvingen, und die vorliegenden Verhandlungen geben das erste Beispiel, daß der . Grundsatz, daß den Juden die volle Gleichstellung mit den Christen gebührt, in einer Deutschen gesetzgebenden Versammlung eine beinahe einstimmige, unbestrittene,! durch keinerlei Winkelzüge getrübte Anerkennung ge-, funden. Sie schließen sich, was die geäußerte Gesinnung betrifft, in würdigem Bunde an die Berathungen der gesetzgebenden Versammlungen Frankreichs und Hollands von den Jahren 1791 und 1796 an. Wenn ste sich gleich ihrem Ziele nur mittelbar nähern, weil die Kammer nicht, wie jene Versammlungen, direkt die Initiative zu ergreifen hatte, sondern auf den Weg der Petition angewiesen war, wenn diese gleich der Wirksamkeit der Regierung, der es obliegt, das betreffende Gesetz auszuarbeiten, einen großen Spielraum ließ, so ist doch, wenn die allen Reden und Abstimmungen zu Grunde liegende Gesinnung eine Wahrheit ist, und wenn, wie zu hoffen steht, die Regierung dem liberalen Impulse, der von den Volksvertretern ausgegangen, folgt, ein nicht minder entscheidendes Resultat, als jene ewig unvergeßlichen Berathungen es erzeugt, von dem nächsten Bairischen Landtage zu erwarten. So wie nach den Worten des ' Abgeordneten Cullmann (S. 62) der 27ste September 1791, an welchem Tage die konstituirende Versammlung, die erste in Europa, den Juden volle Staatsbürgerrechte gab^ ein allen Bekennern des mosaischen Glaubens heiliger Tag sein sollte, so hoffen wir, daß einst, wenn der edle Wille der ehrwürdigen Bairischen Kammer das Ziel erreicht, wenn das erreichte Ziel anderen Deutschen Staaten zum Muster; gedient haben wird, das Andenken an den 5ten November 1831, an welchem Tage die Vertreter des; Bairischen Volkes sich ohne daß eine Opposition dagegen laut wurde, für das Verschwinden der rechtlichen Zurücksetzung der Juden aussprachen, von allen Deutschen Juden wird gefeiert werden. Daß eine, solche Ansicht im Jahre 1831 in einer Versammlung Deutscher frei gewählter, höchst unabhängiger, tief «nd einzig in der öffentlichen Meinung wurzelnder Volksvertreter mit solcher Wärme, mit solcher Einstimmigkeit, mit solchem Enthusiasmus ausgesprochen worden, ist ein Ereigniß, das, reich an Hoffnungen für die Befreiung der Juden in Deutschland, auch für die Freiheit Deutschlands überhaupt uns ein gutes Zeichen zu sein scheint. Es galt lange Zeit wie ein durch stillschweigende Uebereinkunft unbezweifelter Satz, den man kaum einer weiteren Prüfung zu unterwerfen nöthig hielt, daß die öffentliche Meinung in Deutschland der bürgerlichen Gleichstellung der Juden entgegen sei. Dieser Satz war besonders so lange unbestritten, und wurde geflissentlich auf alle Meise geltend gemacht, als sich in Deutschland weder durch das Organ würdiger Erörterungen der freien Presse, noch durch ganz unabhängige Volksvertreter eine wahre öffentliche Meinung kund geben konnte. Das Schauspiel eines seltsamen Kontrastes bietet sich hier aber der Betrachtung dar. Dieselbe Männer, die sonst der öffentlichen Meinung, wo sie Fortschritte zur Freiheit verlangte, entschieden entgegen traten, konnten sie hier, wo sie ein Beharren an der bestehenden Unfreiheit darin zu erkennen wähnten, gar nicht genug schonen und anerkennen; mit der liebevollsten Bereitwilligkeit sahen sie hier in ihr den Geist der Zeit, an den sich die Gesetzgebung gar nicht enge genug anschließen könne, hinter dem sie allenfalls Zurückbleiben, aber dem sie um keinen Preis vorauseilen dürfe. Dieselben Männer, die sonst so gern die ernste einstimmige Aeußerung der Volksstimmung für das Geschrei einer Faktion erklären, nahmen hier keinen Anstand, in dem Geschrei eines Haufens von Sudlern, neidischen Krämern und Gassenbuben den Ausdruck der öffentlichen Meinung zu erkennen. Einige sonst unliberale Staatsmänner nahmen selbst den Schein an, als begünstigten sie ihrer persönlichen Ansicht nach die Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden, nicht um sie wirklich zu fördern, sondern um sie aufzuopfern, und dem leichten Opfer, das sie damit der vorgeblichen öffentlichen Meinung brachten, einigen Werth zu geben. Was für eine willkommnere Politik konnten die Feinde der Freiheit üben, als wenn sie eine Knechtschaft als Preis für die andere boten, wenn sie zur Entschädigung dafür, daß sie keine Verfassungen, keine Preßfreiheit einführten, —- die Juden nicht

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