Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 2 (4.5.1832)
- Date
- 1832-05-04
- Page
- Seite 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ser Jude. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abcheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesser. 2 1 den 4. Mai 1832. reitag Eigenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammerich in Mona. Verhandlungen der bayerischen Kammer der Abgeordneten im Jahre 1831 über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen. München, gedruckt mit Pössenbacherschen Schriften. 98 S. in 8. Es ist Ein Feind, vor dem wir Me zittern, Und Eine Freiheit macht uns Me frei. Schiller. Ä8enn ich die in den vorliegenden Verhandlungen rrledergelegten Grundsätze und Ansichten über die bürgerliche Gleichstellung der Juden als eine bloße literarische Erscheinung, als den Ausdruck der Gesinnung einer oder mehrerer Privatpersonen zu beurtheilen hätte, so würde ich schon meine innige Freude an den Tag legen über die seltene Lauterkeit und Entschiedenheit der Grundsätze, über die Innigkeit und Warme der Gesinnung, über das ernste kräftige Streben für den Sieg der guten Sache, da wo sie von allem eignen Vortheil, von allen Zwecken des Eigennutzes, von allen Absichten des Ehrgeitzes getrennt ist, über die aus dem tiefsten Gefühle hervorgehende Anerkennung der Rechte und der Würde des Menschen, die die vor mir liegenden Seiten beleben. Aber es ist ein viel gewichtigerer, erhebenderer Grund der Freude, des Triumphes vorhanden. Es sind nicht Worte, von denen ich zu berichten habe, die mit Worten zu loben und zu lohnen sind, wie der Beurtheiler den Schriftsteller zu lohnen vermöchte; es ist eine edle That, der ich ein Ehrendenkmal setzen möchte für alle Zeiten, wenn meine schwache Hand es vermöchte; es sind nicht die verhallenden Stimmen vereinzelter Menschenfreunde, die, oft ungehort, die Lehren des Rechts und der Freiheit lehren; 'es ist die volltönende Stimme der Geschichte, die durch den Mund der Abgeordneten eines vorwärts strebenden Volkes ihre Beschlüsse verkündet; es ist das Schauspiel eines Volkes, das den Tag seiner Mündigkeit durch die Befreiung seiner unterdrückten Mitbürger feiern will; das ungerechte und unsittliche Privilegien durch die Priester seiner Wahl auf dem Altäre der Freiheit und des Vaterlandes niederlegt, das an seine Regierung die Bitte richtet, die Fesseln zu lösen, die sie um seines Vortheils oder um seiner Vorurtheile willen, wie sie vorgiebt, fo lange auf einer Anzahl seiner Mitbürger lasten ließ. So früh und so laut wie in irgend einem anderen Lande haben sich in Deutschland edle Stimmen für die gleichen Rechte der Juden, als Folge des Grundsatzes der Gewissensfreiheit, erhoben; früher als Grsgoire und Mirabeau hat der edle Dohm sich einer unterdrückten Glaubensparthei angenommen , und Diejenigen, die zu behaupten wagen, daß der Grundsatz der Rechtsgleichheit der Bekenner verschiedener Religionen erst von fremdem Boden auf den heimathlichm verpflanzt, daß er von Amerika und Frankreich zu uns 2