Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 1 (2.4.1833)
- Date
- 1833-04-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Gegenstände des Unterrichts werden so davon durchdrungen, daß di' dissentirende Religions-Gemeinde, sie mag wollen oder nicht, darauf bedacht sein muß, — noch außer dem eigentlichen Religions-Unterricht, — für eine der Perioden der Jugendbildnng, für diejenige, welche zwischen dem ersten Elementarunterricht und dem höheren wissenschaftlichen in der Mitte liegt, sich eigne Lehranstalten zu unterhalten. Diese Verhältnisse werden sich vermuthlich im Fortschritte der Zeiten ändern; wir und Diejenigen, die unsere Gesinnung (heilen, wünschen, daß sie sich andern mögen, daß Wohlthatigkeit und Zugendbildung sich mehr an das Gefühl der allgemeinen Menschenliebe, als an trennende positive Religions-Ansichten anlehnen mögen. Aber dieser Wunsch ist noch weit entfernt, bei der einen wie bei der anderen Religionsparthei der allgemeine zu sein, und es wird auch im günstigsten Falle noch eine gute Weile währen, bis er ganz in Erfüllung geht. Von der Emancipationsfrage ist diese Sache ganz unabhängig, und hat mit ihr zugleich ihre Lösung auf keinen Fall zu erwarten: einen Beweis dafür möge uns Amerika geben, wo bei der unbedingtesten Religions-Freiheit die entschiedenste Trennung der Religions-Partheien in den angegebenen Beziehungen obwaltet. Wir sind nicht ohne Absicht in diese Einzelnheiten eingeganr gen, da wir einerseits eine Ansicht von der Zweckmäßigkeit einer den sämmtlichen gemeinsamen Angelegenheiten unserer Glaubensgenossen gewidmeten Zeitschrift daraus entwickeln, andererseits eine Warnung daraus entnehmen wollen, die uns für die Gesammttzeit unserer Verhältnisse wichtig und nothwendig scheint. Wir erinnern an die oben ausgesprochene Besorgmß vor der Gefahr, die einer Religionsparthei aus einem allzu ängstlichen Hinblick auf die Beurtheilung Anderer erwachsen könnte: hier scheint uns gerade der Fall einer solchen Gefahr einzutreten. Unsere Gegner sagen es uns so oft, daß wir Zusammenhalten, daß es sehr zu fürchten sein möchte, daß wir, um gegen diesen sonderbaren Vorwurf recht-sicher zu sein, in das Gegentheil des Zw sammenhaltens, nämlich in Verfall und Auflösung ge ratheu möchten. Es stehen in * der Thar so hohe und ernste Dinge auf dem Spiele, wenn es dahin käme/ daß uns jener Vorwurf wirklich in unseren Bestrebunge-n irre machte, daß es Noth thnt, ganz offen zu gestehen, mögen nun jene Gegner dazu sagen, was sie wollen, daß auf jenem letzteren Wege weit mehr und weit eher, als auf dem ersteren, Gefahr für uns zu besorgen ist: eine Ansicht, die Jeder theilen wird, der unsere Verhältnisse im Leben wirklich beobachtet hat, und nicht nach dem Hörensagen und nach ang.eerbten Vorurtheilen über sie aburtheilt. Wenn ich manchmal in Büchern, die von Leuten der letzteren Art geschrieben worden, lese, wie die Inden so enge mit einander verbunden sind, wie sie sich auf diese Verbindung so viel zu Gute rhun, wie sie Alle für Einen und Einer für Alle stehen , ich glaube wirklich oft, die Leute wollen unser spotten. Seht Euch um in unseren Gemeinden: Ihr werdet von dem eben entworfenen Biloe gerade das Widerspiel finden. Die meisten von uns wollen von jener engen Verbindung gar nicht gerne etwas wissen; sie suchen sie auf alle Weise, wo und wie sie können, immer lockerer zu machen. Zu dem ganz natürlichen und billigen Wunsche, lieber einem weiteren, als einem engeren Kreise angehören, und sich daher in allen Berührungen des Lebens nicht auf die eigenen Glaubensgenossen beschrankt sehen zu wollen, gesellen sich mancherlei nicht zu billigende Rücksichten des Stolzes und der Eitelkeit, welche die Berührung mit den Angehörigen der herrschenden Kirche vorzugsweile suchen lassen. Indes; ist diese Richtung ganz unschädlich und im schlimmsten Falle einer entschuld- . baren Schwäche zuzuschreiben, so lange sie im Gebiete der Persönlichkeit bleibt und nicht den Sinn für die Sache, das Prinzip des gemeinsamen Lebens selber allgreift: geht sie aber weiter, so wird sie im höchsten Grade verderblich und muß mit vollen Kräften bekämpft werden. (Der Beschluß folgt.) Es wird von dieser Zeitschrift bis Ende dieses Jahres abermals eine Reihe von 26 Nummern erscheinen Der Abonnementspreis, welcher erst bei' Ablieferung der letzten Nummer bezahlt wird, für den Band ist 2,Rthlr. 12 gr. (in Hamburg 5 A), zu welchem Preise diese Zeitschrift durch alle löbl. Postämter und sämmtliche Buchhandlungen Deutschlands und der Schweiz bezogen werden kann. Buchhandlungen, bei denen Subscriptionen eingehen, werden .ersucht, sich an den Unterzeichneten zu wenden; Andere, die sich für die Verbreitung des Unternehmens interessiren, können sich auch an den Herausgeber wenden. _ _ _ 3* I* Hammerich. Gedruckt bei H a m m e r i ch und L e s se r in Altona.