Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 1 (10.4.1832)
- Date
- 1832-04-10
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2542348-2542377-2542379--012-3526488- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
8 ches wichtige dahin gehörige Ergebniß der neuesten Zeit ausführlich zu besprechen ist. Vor Allem ersucht er alle Diejenigen Ln den verschiedenen Theilen von Deutschland, die für das Ziel, das er verfolgt, Theilnahme hegen, ihm genaue Notizen über alles Bemerkenswerthe, was sich in ihrer Umgebung Ln dieser Beziehung ereignet, mitzutheilen. Er wünscht, daß diese Notizen zunächst jede Verbesserung, die hie und da in den bürgerlichen Verhältnissen der Juden in Anregung gebracht oder vollführt wird, betreffen möge.. In unserem Vaterlande, wo nicht, wie in den beiden andern Ländern, die mit ihm das Triumvirat bilden, das an der Spitze der Europäischen Civilisation steht, ein großer Mittelpunkt alle verschiedenen Thätigkeiten zusammenfaßt, wo vielmehr die mannichsachsten Keime selbstständiger Entwickelungen über den ganzen Boden hin verbreitet sind, werden Fortschritte dieser Art leicht übersehen, anstatt von allen Seiten als Beispiel und als Stützpunkt zu dienen, und so scheint Manchem unsere Angelegenheit im Stillstände zu sein, weil sie gerade in seiner nächsten Umgebung mit allen übrigen Bestrebungen edlerer Art das Schicksal theilt, im Stocken begriffen zu seinwährend sie doch allenthalben, wo eine Bewegung nach dem Besseren überhaupt Statt findet, an dieser Bewegung und an ihren Früchten Theil nimmt. Schon die erörternde Darlegung alles Dessen, was im letzten Jahre in den verschiedenen Theilen Deutschlands für dieselbe geschehen ist, die unser erstes Geschäft in diesen Blättern sein wird, wird, hoffen wir, jenem Jrrthume entgegenwirken. Selbst die Darstellung von solchen Bemühungen, die ihren Zweck für den Augenblick verfehlt haben, wird oft lehrreich und nützlich sein können; denn, wenn es uns gelingt, zu bewirken, daß die aus beiden, Seiten streitenden Motive und Interessen von Allen scharf in's Auge gefaßt werden, so wird mancher Sieg dem Prinzip der Ausschließung theurer als eine Niederlage zu stehen kommen. Auch genaue Darstellungen der Verhältnisse, wie sie in den einzelnen Staaten bestehen, werden dem Herausgeber willkommen sein. Es giebt Ungerechtigkeiten, die das Licht des Tages, wie Gespenster der Nacht, verscheucht, d(e nicht bestehen können, wenn sie ernstlich und öffentlich besprochen werden. Wie weit aber bei dem Mangel an fortdauernden öffentlichen Mittheilungen die Unwissenheit über die alltäglichsten Verhältnisse in dieser Sache gehen könne, ist ja noch vor Kurzem ein großer Deutscher Gelehrter durch sein warnendes Beispiel zu zeigen bemüht gewesen. Der Herausgeber wünscht ferner auch Mittheilungen über die inneren Verhältnisse der Gemeinden, über die Einrichtung des Gottesdienstes und die damit vorgehenden Veränderungen, über den Zustand des Unterrichts, insbesondere des Armen-Schulwesens und überhaupt der fast allenthalben den Gemeinden ausschließlich überlassenen Armenpflege. Es giebt kaum einen unseren Glaubensgenossen betreffenden Gegenstand, über welchen nicht Vorurtheile und falsche Begriffe mehr oder weniger verbreitet, über welchen nicht.Jrrthümer aufzuklären wären. Wir dürfen uns darüber nicht wundern; denn Kenntniß und Unbilligkeit des Urtheils über die Unterdrückten hat immer zu den Privilegien der Unterdrücker gehört; hier, wo der Druck am härtesten lastet und am längsten währt, treibt daher auch die Verleumdung ihr Werk am verwegensten. Schleunige Mittheilungen über neue unseren Gegenstand betreffende literarische Erscheinungen werden endlich dem Herausgeber sehr willkommen sein. Das Gesagte wird genügen, um den Geist und den künftigen Inhalt dieser Blätter im Allgemeinen zu bezeichnen; eine ganz genaue Bestimmung der einzelnen Gegenstände, die sie behandeln werden, kann sich erst im Verlause ergeben. Hamburg, im April 1832. Die zweite Nummer dieser Zeitschrift wird spätestens in den ersten Tagen des Maimonats ausgegeben werden. Von da an werden bis Ende dieses Jahres in kurzen Zwischenräumen von 8—14 Tagen 26 Nummern, jede einen Bogen in gr. 4. stark, erscheinen, welche zusammen einen Band bilden. Der Abonnementspreis für den Band ist 2 Rthlr. 12 gr. (in Hamburg 5$), zu welchem Preise diese Zeitschrift durch alle löbl. Postämter und sämmtliche Buchhandlungen Deutschlands und^der Schweiz bezogen werden kann. Buchhandlungen, bei denen Subscriptionen eingehen, werden ersucht, sich an den Unterzeichneten zu wenden; Andere, die sich für die Verbreitung des Unternehmens interessiren, können sich auch an den Herausgeber wenden. Mona, den 10 April 1832. ______3. & Hammrrirh. Gedruckt dei Hamm er ich und besser ln Altona.