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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-01-28 · 5 (28.1.1925) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
5 (28.1.1925)
Date
1925-01-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Wann, wo, wie wählen wir? Die Wohl findet' am 1. Februar, und zwar in den Großstädten!n der Zelt von 10 bis 5 Uhr, in anderen Gemeinden zu den vom Gemeindevorstand bekanntaeaebenen Stunden statt. Es wird aber dringend geraten, gleich zu Deginn der Wahl die Stimme Angehen. Jeder mache sich klar, datz, wenn er bereits früh zur Wahl erscheint, feine Partei ihn nicht mehr desuchen zu lassen braucht und dafür einen anderen Wähler, der sonst vielleicht ausbleiben würde, zum Wahlen oeranlasten kann. 3« vielen Gemeinden wird in verschiedenen Wahllokalen gewählt, die jeder Wähler im Bmeau der jüdischen Gemeinde telephonisch erfahren kann. Auch werden die ortsbekannten jüdischen Gemeindebeamten, wie der Rabbiner und Kantor, gern bereit sein, Auskunft zu erteilen. - , Niemand braucht daher der Wahl wegen Unkenntnis seines Wahllokals fernzubleiden. Jeder nehme zur Wahl eine Legitimation mit! Die Wahlvorsteher sind berechtigt, eine solche zu verlangen, und werden es in Zweifelsfällen sicherlich tun. Jugendliche Wähler werden insbesondere Nachweisen müsten, daß sie volljährig sind. Denn die Wahlvorsteher sind besonders darauf hingewiesen worden, nötigenfalls den Nachweis der Volljährigkeit zu verlangen. Die SÜmGabgabe erfolgt, wie bis 1920 bei den Reichstagswaylen, durch Abgabe von Stimmzetteln. Die liberale Partei wird jedem Wühler einen Stimmzettel zuschicken. Diesen bebe man sorgfältig auf und bringe ihn zur Wahl mit, dann braucht sich der Wähler um die Zetlelverteiler vor dem Wahllokal nicht zu kümmern, und jeder Irrtum ist ausgeschlossen. Die Stimmzettel werden in einen Wahlumschlag gelegt, den man im Wahllokal erhält. Das Wahlgeheimnis ist unbedingt gewahrt. . . Hat man keinen Wahlzetiel von der liberalen Partei zugesandt erhalten, so achte man genau darauf, daß man vor dem Wahllokal den richtigen Zettel erhält. Richtig sind nur die Zettel, die die Namen der liberalen Kandidaten tragen. Man wählt also: im Wahlkreis Groß-Berlin die Liste Wolfs, Stern, Brodnitz, Weyl, Helene Meyer-Slargard; im Wahlkreis Breslau die Liste Bielschowsky, Kalisch, Gins, Brieniher, Paula Ollendorff; im Wahlkreis Schlesien die Liste Kochmann, Pinczower, Metz; im Wahlkreis Sachsen die Liste Frankenstem, Müller, Pmthus; im Wahlkreis Westfalen die Liste Katzenstein, Ottilie Schönewald; im Wahlkreis Frankfurt a. M. die Liste Merzbach, Baerwald. Stefanie Forchhermer; im Wahlkreis Hessen-Nassau die Liste Steinberg, Kahenstem; . su^WEKreis Köln die Liste Frank, Kober, Margarete Kietz; im Wahlkreis Rheinprovinz die Liste Felfenthal, Mendel, Kaufman, Ruth Stern. Wenn jeder preußische Wähler seine Pflicht tut und nach seinem Gewissen seine Stimme für diese liberalen Listen abgibt, dann wird die liberale Partei und damit der Geist religiöser Erneuerung am 1. Februar den Sieg erringen. Ob Preußens von jeher sreigesinnte Iudenheit sich der Forderung der Stunde bewußt sein wird, - der Wahltag wird es weisen. Versammlungskalender. Berlin (jüdisch-liberaler Fugendverein „31i"): Donnerstag, den 12 .Februar, Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Baeck über- Kulturzusammenhänge. Beginn pünktlich SH Uhr. Treffen der Gruppen HS Uhr Rosenstrasze 2/4 (Bahnhof Börse). BHS9 PS zu Mehlstaub zu zerreiben. Das geschah nun jeden Morgen vor dem Anrichten des Frühmahles, weshalb auch selten ein größerer Mehloorrat in der Wirtschaft zu finden war. Hin und wieder wurden bei großem Bedarf aber auch Gefangene mit dem Mahlen des Getreides beschäftigt, wofür uns die Geschichte Simsons ein Beispiel liefert. Gewerbsmäßige Müller gab es anfangs nichts ebenso fehlten Wassermühlen, da deren regelrechter Betrieb überhaupt an dem steten Wassermangel der kleinen Bäche in der regenarmen, heißen Jahreszeit scheiterte. Erst zu Beginn unserer heutigen Zeitrechnung werden Mühlen erwähnt, welche Esel in Bewegung setzten. Das Mehl spielte bei den Israeliten im Haushalte eine wichtige Rolle und diente gar mancherlei Zwecken; doch hielt es sich zu Brot gebacken wegen des fehlenden Fermentes nicht lange und verlor bald seinen Wohlgeschmack. Zur Zeit der Patriarchen scheint indes der Sauerteig schon bekannt gewesen zu sein, wenn auch die Kuchenform noch üblich war. Die Mägde roliien den gegorenen Teig zu -dünnen Fladen aus und legten diese auf glühende Kohlen. Rach mehrmaligem Wenden, wozu allerdings eine gewisse Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit gehörte, konnten die Brote dann gleich gegessen werden. Zuverlässiger und auch besser zu beaufsichtigen war die Herstellung des Brotes in großen irdenen, weitbauchigen Krügen, die man innen erhitzte. Zeigte die Außenwand nun den nötigen Wärmegrad, so erhielt dieselbe einen teigigen Ilederzug, der allmählich eine braune Farbe unnahm und sich leicht abblättern ließ. Diese Art des Brotbackens trifft man noch gegenwärtig im Morgenlande, wenngleich ste fid) nur für kleinere Mengen eignet. In vornehmen Häusern bestand meist eine besondere Backaniage am Herde. Sie hatte an der Anterseite eine Bertiesung mit einer Auslage von Ziegeln oder Kalksteinen zur Aufnahme der Feuerung. Rach Entfernung der glühenden Kohlen kam der Teig, der fast immer die Form der Grube besaß, in diese und wurde oben durch einen passenden Deckel solange sorgfältig verschlossen, bis das Brot gar war. Lluch in der Feinbäckerei zeigten die jüdischen Frauen wohl Erfahrung. Zu den hohen religiösen Festen, zu wichtigen Gelegenheiten und bei manchen Familienfeiern ließ es sich die Gast- Seherin nicht nehmen, allerlei Kuchen in kleinen Formen oder Pfannen aus feinstem Weizenmehl in Derbindung mit Milch, »onlg, Olivenöl, Rosinen, zerschnittenen Feigen^ oder Früchten >es Gartens derrurichten und sie dem Besucher vorzusetzen. Wählt liberal! Bon Rechtsanwalt Dr. Merzdach. Frankfurt a. M. Die ersten Wahlen zum Preußischen Landesverband sind von größter Bedeutung für die Zukunft der deutschen Iudenheit. Im Preußischen Landesverband hat die Iudenheit von der ihr durch die Verfassung verliehenen Möglichkeit, sich als Korporation des öffentliches: Rechts zu organisieren. Gebrauch gemacht. Die durch das Preußische Iudcngesetz von" 1847 herbeigefiihrte Atomisierung der preußischen Iudenheit soll hierdurch überwunden werden; eine rechtlich gesicherte Gemeinsamkeit für alle übergemeindlichen Zwecke, besonders auf geistigem Gebiet, ist geschaffen.. Durch die Wahl zun» Landesverband wird eine Vertretung geschaffen, auf deren Stimme man auch außerhalb der Iudenheit hören wird. Deshalb müssen alle Aeußerungen dieser Gesamtvertretung von großem Brraniwortungsgesühl getragen sein; alle die praktischen Aufgaben, die der Gesamtorganisation obliegen, müssen von den ethisch-religiösen Grundlagen des Judentums aus betrachtet werden. Innerhalb der Iudenheit hat daher diese Versammlung im Sinne wahrer Religiosität jede Form religiösen Wollens zu respektieren. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, daß die Mehrheit der Verbandsvertreter gewillt ist, allen religiösen Richtungen Förderung angedeihen zu lassen. Hierzu ist nur der religiöse Liberalismus imstande. Von orthodoxer Seite ist schon oft zugegeben worden, daß die Orthodoxie religionsgesetzlich nicht in der Lage sei, liberal-religiöse Institutionen zu konzedieren, da solche dem Religionsgesetz, wie die Orthodoxie es ausfaßt, widersprächen. Eine orthodoxe Majorität müßte sich also aus religiösen Bedenken gegen di<> Unterstützung von Institutionen wenden, die vom Liberalismus für feine Zivecke verlangt werden. Wenn sich der Liberalismus auch in seinen Anfängen im Gegensatz zur Orthodoxie und oft im Kampfe mit ihr entwickelt hat, so besitzt er doch jetzt eine schon über 100 Jahre alle Tradition, die ihn zu ruhiger und kritischer Betrachtung auch seiner Stellung befähigt. Für ihn stellen daher die verschiedenen religiösen Richtungen innerhalb des Judentums verschiedene Entwicklnngssormen dar. Da es aber dem Liberalismus wesentlich ist, dem einzelnen ein größeres Maß von Freiheit in der Gestaltung des religiösen Lebens und Denkens zu geben, ist eben sein Wesen nicht nur theoretische Erklärung, sonder,: praktische Betätigung der Toleranz, und er wird allen religiöse.: Formen gegenüber Duldsamkeit und Förderung zeigen, wie er es als seine selbstverständliche Pflicht betrachtet, auch der orthodoxen Richtung im Rahmen des Möglich»: olles zu geben, was für deren Gedeihen erforderlich ist. Unerbittlich und kampfbereit wird er aber denen gegenüber sein, die seine Gleichberechtigung verneinen. Eine Borherrschust der Orthodoxie und eine Negierung der Gleichberechtigung liberaler Auffassungen und Institutionen würde für diejenigen, die sich innerlich von den Auffassungen der Orthodoxie entfernt haben, eine das Judentum gefährdende Unzufriedenheit und Entfremdung schaffen müssen. Schärfer ist noch unser Kampf gegen den Zionismus. Wenn ich von Zionismus spreche, scheide ich diejenigen aus, deren soziale und Kolonisatorische Gedanken und Wünsche auf Förderung der Aufbauarbeiten in Palästina zielen und die hierbei sich der idealen Bedeutung, die Palästina für den religiösen Juden hat, bedienen. um solche Huden, die sich in ihrem Baterlaude wurzellos fühlen und verfolgt werden, in Palästina unzusiedeln. Solche Bestrebungen gab es schon, bevor man überhaupt das Wort „Zionismus" kannte. Für diese Bestrebungen ist aber eine zionistische Partei in: Preußischen Landesverband nicht notivendig: denn hier sind die religiösen Angelegenheiten der preußischen Juden zu vertreten; hier ist auch dafür zu arbeiten, das; unsere Religionsgemeinschaft nicht irgendwelche Zurücksetzung hinter anderen erfährt. Aber nicht für diese Ziele wünsche:: die Wortführer des deutschen Zionismus im Landesverband zu sein: sie wollen von der Rednertribüne ihre nationalistisch-völkischen Anschauungen kundgeben. Wenn sie ii: großer Anzahl in den Preußischen Landesverband einziehen, wird man glauben, daß ihre Anschauungen innerhalb :r.eiter Kreise der deutschen Juden maßgebend seien und der falsche Anschein würde erweckt, das; innerhalb der jüdischen Gesamtheit weite Kreise sich nickt als jüdische Deutsche, scndern als jüdische Völkische fühlen, slm Wahl- Kampf sind diese wenigen Wortführer zwar in ihren Aeußerungen vorsichtig; sonst aber, und besonders wenn sie ihr Ziel, im Landesverband in großer Zahl einzu,ziehen, erreicht haben, werden sie, wie sie dies so oft geian haben, unsere Verbundenheit mit der deutschen KuUurgem-.'inschaft verneinen, sie werden die jüdische Schule mit der hebräischen Unterrichtssprache, dem jüdischen Kataster:n:d Anerkennung der Iudenheit als nationale Minder.heltsgruppe. als Forderungen der Iudenheit verkünden. Daß wir deutsche Juden aufs engste mit deutscher Kultur und den: deutschen Staate verwachsen sind und daß die deutsche Kultur und der deutsche Staat, genau ivie für den christlichen Deutschen, unsere Kultur und unser Staat ist, von denen uns loszusagen Entwurzelung mit allen ihren Schmerzen bedeutet, wird von diesen Agitatoren bestritten. Mit dieser innerlich unwahren und unreligiösen Einstellung, die auch rein assimilatorisch sich als Parallelerscheinung der kulturfeindlichen deutsch-völkischen Demagogie darstellt, wird unsere:: Feinden eine Waffe geschaffen, die unsere Stellung innerhalb unseres Vaterlandes gefährdet und die rnoralifchen Grundlagen unserer staatsbürgerlichen Stellung untergräbt. Daß der Preußische Landesverband, wenn solche gefährliche und unwahre Demagogie betrieben werden sollte, in erdrückender Mehrheit solch verantwortungslosen Reden wirkungsvoll entgegentreten kann, ist wichtigste Aufgabe der bevorstehenden Wahl, wenn der Landesverband segensreich wirken soll. Jeder, der in solchen Anschauungen und ihrer Verkündung eine Gefahr sieht, muß mit all seiner Kraft für die bevorstehende Wahl den liberalen Organisationen zur Verfügung stehen, weil nur diese es verstanden hlcken, sich von dem Einfluß jener jüdlschvölbisch-nntionalislischen Elemente sreiznhalten. JT •} it:- ■; e Ausstellung und Verkauf I. Stock Dirndl-Kleider aus imitiertem Muffeline, viele Farben . . . . 7.50 Dikvdl-Kleider modern-kariert, waschechte Zephir-Stoffe . 10.50 s Samt-Mieder dlvers-z-ff»°» . S.50 11.50 I Bauernlücher, Blasen, SchürM § in großer Auswahl Clowns U auch f. Kinder, guter Satin, Damen-Sr» MenolsK Kinder, viele Farben, Damen-Gr. 17.50 18.00 Dominos Ca f. Damen u. Herren l|l 11 schwarzer Satin JLtr4 VV Wiener Waschermadl n,.Kopfputz, fesches Maskenkostüm. . 78.50 in Original-Oachau, Schwarzwald, Ziller-Thal ufw. sowie bayer. 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