Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 4 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2613366-2613788-2613792--1165-3526466- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jehova Auf Deinem Schild gedonnert steht Der Tod und das Verderben. Deine Donner wühlen Gräber In das fluchbedeckte All, Deine Donner thronen Über Bergen, Hinabzurollen die Nacht. Sündern ausgießt Du der Sonne morgenseligen Tag. Vergebens war das Gebet der sechsunddreißig Gerechten. Aus Mordnächten des Nordens, des Südens Schallt unendliche Klage, Jammer zerhackt mein Herz, Israel winselt im Winter, Der Ewige Beschneidet sein Volk. Gegen den unerbittlichen Dornbusch warf sich die Seele, Ob sie dem Zorn sich als Opfer vermähle: „Heilig, heilig dünkte sich Dein Volk geboren, Eckstein war es rasch den Hunden, Auserkoren! Auserkoren! Du hast es gesendet Unter die Sichelwagen Deines Grimmes, Es verendet! Wer hat Dich ausgeboren?“ Albert Ehrenstein Zwei Heimaisucher. Erzählung von Meta Opet-Fuß, Breslau. (1. Fortsetzung.) „Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht ein Jude wäre,“ begann Alfred zögernd. „Eines möchte ich von Dir hören, Ernst, müssen wir uns schämen um unseres Glaubens und unserer Abstammung willen?“ Ernst sprang auf. „Schämen? Nein. Hinausschreien möchte ich es in alle Welt, daß ich Jude bin, und daß ich stolz darauf bin, damit es wiederhallt von den Gewölben des Himmels wie von diesen Bergwänden. Ich war Zeuge Deiner Schmach, kleiner Alfred, denn ich befand mich in Deiner Nähe, aber Du und Deine Kameraden, Ihr konntet mich nicht sehen, weil ich verborgen auf dem Zweige eines Baumes saß. Auf einem Spaziergange war ich zufällig in die Nähe der Schlucht gelangt, wo Ihr spieltet. Es wandelte mich die Lust an, die kleinen Tertianer ungestört zu beobachten, und zu diesem Zwecke kletterte ich kurz entschlossen auf einen Baum und verbarg mich in seinen Zweigen.“ Alfred lächelte: „Wie ein . . ." „Eichhörnchen,“ vollendete Ernst Bamberger. „Sprich es nur aus, auch ich nehme nichts übel. Schon seit Jahren bemühe ich mich mit einigem Erfolg, es gewissen Tieren an körperlicher Gewandtheit gleich zu tun. Diese Fähigkeit könnte mir später noch sehr zustatten kommen. Siehe, ich bleibe nicht in Deutschland, nichts bindet mich an dieses Land, meine Eltern sind tot, Geschwister und nahe Verwandte habe ich nicht. Wenn ich volljährig sein werde, dann kann mir mein Vormund nicht mehr verbieten, 'daß ich' zurückkeh're in das Land meiner Väter. Als ich heute gesehen, wie sie Dich verhöhnten, wie Du Dich von ihnen abwandtest,* die Augen voll Tränen, und wie Du von ihnen hinwegranntest über Stock und Stein, die steilen Abhänge hinauf, da hielt es mich nicht länger auf meinem luftigen Sitz, ich mußte Dir nach, und darum bin ich hier. Einen suche ich zum Weggenossen, wenn ich nach Palästina gehe. Würdest Du dereinst mit mir kommen, Alfred? Du könntest mir gefallen, glaube ich.“ Alfred blieb lange stumm, während der andere begierig auf seine Antwort wartete. Endlich bewegte er verneinend den Kopf. „Es geht nicht,“ ich kann die Mutter nicht allein zurücklassen. Der Vater ist tot, und sie hofft, daß ich dereinst ihre Stütze sein werde. Es wäre mir auch nicht möglich, mich von der Mutter zu trennen, glaube ich.“ „Du fürchtest die Trennung, als ob wir noch im Mittelalter lebten. Wozu gibt es Dampfschiff und Eisenbahn? Du würdest Deine Mutter von Zeit zu Zeit besuchen können,“ beschwichtigte ihn Alfred, „und gerade nach längerer Trennung bedeutet das Wiedersehen für die Beteiligten ein Glück, daß die nicht kennen lernen, die immer miteinander vereinigt sind. Wenn wir fleißig sind und vorwärts streben, so wird es Dir auch nach kurzer Zeit schon möglich sein, Deine Mutter regelmäßig zu unterstützen und sie vielleicht nach einigen Jahren zu Dir herüberkommen zu lassen, wenn sie will.“ „Ich kann dennoch nicht mit Dir gehen,“ wiederholte Alfred, „nicht allein um der Mutter willen. Siehe, ich liebe auch mein Vaterland zu sehr, mein Deutschland. Vor Heimweh würde ich vergehen in dem fremden Lande.“ „Fremd ist Dir das Land Deiner Väter?“ „Wohl ist es die Heimat meiner Väter,“ sagte Alfred nachdenklich. „Meine Heimat aber ist da, wo ich geboren bin. Und wenn sie es mir streitig machen, dieses Land, und mich aus ihm heraustreiben mit Feuer und Schwert, ich glaube, daß ich heimlich zurückkehren müßte, und wenn ich mein Leben dabei aufs Spiel setzen würde.“ „Wenn Du Dich schon an den Schönheiten dieses kalten Landes begeisterst, o, wieviel mehr wärest Du entzückt von den Herrlichkeiten unserer Urheimat,“ nahm Ernst das Wort. „Wie anders leuchtet dort die Sonne hernieder auf die Palmenwälder des Libanon vom ewig blauen Himmel. Vom Hermon her wälzt der ehrwürdige Jordan seine grünen Wogen zu Tal, und an seinen Ufern zeugen herrliche Gärten mit prächtigen Früchten von dem Fleiße derer, die sie gepflanzt haben. Kurz ist der Winter, und auf grünen Wiesen schreitet Dein Fuß fast das ganze Jahr hindurch. Doch auch das, was wir Kultur nennen, würdest Du irp heiligen Lande nicht entbehren. Alle Errungenschaften der neuen Zeit findest Du in Jerusalem, und Gelehrte, Techniker und Ingenieure sind am Werke, um jeden Fortschritt der Wissenschaft dem wiederaufblühenden Lande dienstbar zu machen. Dort würdest Du Dich inmitten Deines Volkes heimisch fühlen, das wie vor Jahrtausenden wieder die Sprache unserer Väter spricht.“ VarleM * Kabarett Fried rieh straße 60, Ecke Leipziger Straße Alfred Ldufner und Maria Zelenka Duo-Szene SASCHA GURA V ortregs-Künstlerin ELSA FRANZ der weibliche Tenor Curf Grundmann der ulkige Sachse Ein schwermütiges Lächeln war die ganze Antwort des jüngeren Knaben. Er schwieg eine Weile, dann stand er auf und blickte lange umher. In seinen grauen, etwas schwärmerisch blickenden Augen lag ein feuchter Glanz. Endlich sagte er leise: „Alle Herrlichkeiten des Orients könnten mir meinen deutschen Bergwald nicht ersetzen.“ Ernst folgte mit seinen Augen den Blicken des Freundes, und auch ihm wurden die Schönheiten dieser Landschaft offenbar, als er die hochragenden Tannen betrachtete, die freundlicheren Laubbäume mit ihrem Schatten spendenden Gezweig, die blühenden Sträucher in ihrer Anmut, die farbenprächtigen Pilze, das schwellende Moos. Wie lieblich klang der tausendstimmige Gesang der Vögel in den Lüften, unterbrochen von dem Wehen des Windes hoch in den Wipfeln und dem Plätschern der silbern leuchtenden Bäche. Ernst vergaß für einen Augenblick seine Sehnsucht nach Jerusalem und entzündete sich an der Begeisterung des Freundes. „Ja, es ist schön hier,“ begann er, während er den würzigen Duft der Tannen mit Behagen einatmete. „Und welches Leben birgt die Natur gerade da, wo sie scheinbar die tiefste Stille walten läßt. Siehe, wie es zu unseren Füßen wimmelt. Wer kennt sie wohl bei Namen, die Schnecken, die Kröten, die Käfer und allerlei Gewürm, das hier umherkriecht.“ (Fortsetzung folgt.) Die kluge Hausfrau flbf Gardinen u. Stores rechtzeitig ^dlrßerei, (Reinltunt. H ffop/erei von Gardinen, JDedcn, Jftfeiduviffrssffiden und 3eppiden. WeiOensee, lcbderafr.24|2S 9ernru/: Wmiflensec ITr. 9IV-Of$ wem und bltndml rein wird Immer Ihre Wasche sein von der Dampfwascherei für Berliner Haushaltung?/, Inh.l OTTO BABIKlIHli BriinnenstraBe. 7B Fernsprecher: Humboldt 3851 Billlaste Taaesarelse Freie Abh oiuna eppich-Reinigung; STAEHR& Co. Nfl.; S 42. Gitschiner StrjlJe 60 / Moriu^m/ 2 > h.! Europa* grösste Pianofabriken! Pianos ■ Flügel Kunst spiel« Pianos. Nofenrollen Auf Wunsch bequem« Zahlungsweise Gebr.ZImmermaijniü Berlin W35, Potedamer Str.27 PRIVAT- Auto-Vermlctung Hochelegante Wagen Hansa 1510 iftllCl, Moabit 5956 Jüdisches Kinder-Erholungsheim Wolfratshausen bei München, am FuO« der Alpen. Da* ganze Jahr geöffnet. Unter ärztl. Aufsicht. Unterricht für Schüler aller Schulen durch staatl. geprüfte Lehrkräfte. Ganz besonders geeignet für Kinder, die eine inchrraonatliche Kur benötigen. Vorzügliche Heilerfolge. besonders in den Herbst- und Wintermonaten, Prospekte auf Wunsch kostenlos. Do« Dorf im Zeit lostet 15 dtofbMomiae, da« ftttgtbniAe Seif 35 Soldpseimlg«. Rabatt lauf Xarif. ffi«mr mit mehr «M 13 JtoA* staben werden doppelt gerechnet. «zetaen, di» für Hie nächste Au«aabe bestimmt find, muffen bi« spätestes« Mittwoch, « Iche, ringeiieftrt Mi. Kleine Anzeigen Aszetaesaenahme "liHor * ‘ * i» sämtlichen Annoncen »Srpedi der Jüdisch»liberalen Zeitun«, r »EN Q2BM, Shariottenstcaße 96 (Dönhoff 5360 onen »nd in der Anzeigen«Verwaltung «, Hermann Daswist, Verlags-Abteilung, ' nenstraß “ -63) I Unterricht | 1 Musikinstrumente 1 stlalamonS kaufmännische Privatschul«, Inhaber Paul WieSner. Lauentzienstrahe S, Wallsiratze 1, Ratbenotvct Stratze 1. Beginn neuer Lehrgäna« S. Oktober. Privatunterricht jederzeit. Sechstel*», Vlüthner-, Ibach-. kchwechttn» und ander« PianoS und Flügel, stets Gelegenheiten. Billigste Preise, «us Wunsch gahlungSerlelchlcrung. P,an,Han« KSnIggratzer Stratze 81. «chausplelerin lehrt Sprachtrchnik. Organbildung u. PortragSkunst. Mehner, Lothringer«!. 8b. Norden 7328. 1 Varliiuf« 1 Sütiohttfe. Sladfsichere, gründliche Ausbildung. Ioh. KraschewSfi, Dülowstr. 14. Kurfürst 9380. Freiprospekt. Ndralmafchtne, Stöwer 120.—. Re» mington 75.—. Mercedes. Lldler, Feng« lsr. Neue Schönhauser Straß« IS, BSrsedahnhos. Speisezimmer, Schlafzimmer, Herren» -immer, Küchen, ' Ksubaarntturen preiswert. Tausend« Empfehlungen. Möbelhaus Kamerling, Kastanie«» alfee 56. Jeißaa- West Beleilt Juwelen, kolb, Alber, Uplandstrebe 58. A»«mt Kaufe höchstzablend sämtliche getragene Herrcngardcrobc. Eigener Sefchäslsbedars. Holpern, Nosenthalrr Strotze 4. Norden 0303, C Stellenangebote I Irlltnftrrii^ödc^Stütze^fellll!!?» bin Im Kochen und Hausarbeit, mit I» Zeugnissen, für einzelne Dam« ge» sucht. Offerten „% U. 4470" an 8»Ub«If Mosse. Berlin SM 10._ 1 Vermischte Anzelgeii~"l Schneiderin, Holt und sauber arbeitend. empfiehlt sich: nähe mich Knaben» fachen. Halm. Cottviiscr Straß« 24. Wir verlrihrn preiswert moderne Gcsellschaflsanzügc. Schnnpek, Slalitzcr Ttratze 12?. Moritzplatz 6262. Wäscherei Kuvasch. LSPenick. Arünaucr Strotze 48. liefert saubere Wäsche zu den bivigste,, Preisen. Damen-Taghemd 18. Abholung. Lieferung Tonnerstag. __ -«US» mit BermSgenSprrwaltnngcn übernimmt Motor a. D. .Hartmann, lstleinbeerenstrahe 4. flucfiirft 080. Waschanstalt Fritz Doigt. Cöpenick. Glienicler Str. 21, wäscht und vijittct zu altbekannten liiNigcn Preisen. Gardinensvanncrel. Llbholuiig Montags. Tro-net im dreien. Malrrarbeiten mislusiilnv» empfiehlt sich C. Paasch. Schonedcrg, Bahnstr. 8, T, Empfehle meine erstklassigen Marzipan, waren in nur ia Qualitäten. Cito Ririsch, Mmricusfelslr. 94. Mpl. 12395. Wissenschaftliche Schreibmaschf neilarbeiten leder Art iibernimmt Nathan. Betlin-Dilmrrsbors, Tübinger Straße s. (Telephon Ihtcmd 5665'. Mobr-Saloii, Grolmanstratze 37, am Kursiistendcimm, Biomnrck C292, lein Laden, 3. Etage. Bin aus Paris zuriiek. fertige nach Pariser Blöde >I'i, elegante Kiest,"ime, einfache Tee-, «'-ie'est. chafts-. fall- Braut- und £ltvho:i» leider cm. Stoffmumiimc, niu3 ge Preise Modelle am Lager. 3999999947 7615 ^^:++:6./+./+:-2+.^^