KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 4 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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KC.-Blätter Zeitichrift der im. Kartell - Convent der Verbindungen deutlcher Studenten Bezug nur gemeinsam mit den K.L.-M1teilungen. Bezugspreis baldjZhriich 2.50 Juarfc zuzgU 0.50 Mark Postgebühr. Rbonnementsbeflellungen bunt) den Perlag und bas K. C-Büro. jüdiidien Glaubens vereinigten Korporationen. Rnzeigcn-ltimabtne durch den Perlag und das K.C.-Bän), Preis 1 mark für die einfach gespaltene Zeile nach Rub. JRoflk — Zeilenmeffer 13. »DieVerbindungen im K. E. stehen auf dem Boden deulschvalerländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck ben Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande find, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. — Der K.C. lehnt die Bestrebungen zur kösüng der deutschen Iudenfrage außerhalb Deutschlands ab. — Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums nehmen die Verbindungen im K. L. keine Stellung, soweit dies nicht durch Absatz s und 2 bedingt ist." 1Y. Jahrgang DoDember — Dezember 1929 4. liest Gustav Ztresemanns Vermächtnis. Bon Referendar Rudolf H. Hcimansohn (Sprev.) Vermächtnisse, die uns von einem teuren Toten überkommen sind, sollen wir mit besonderer Liebe bewahren, und sie auch dann, wenn sie uns keinen Nutzwert vermitteln, mit Pietät umsorgen, weil es das Andenken der dahingegangcnen Persönlichkeit ist, das in ihnen weiterlebt. Das geistige Erbe Gustav Strescmanns ist nicht vergleichbar jenenNippesfigürchen. die wir mit der Andacht stonimen Gedenkens hinter Glas und Rahmen hüten, ohne jemals eine praktische Verwendung dafür zu wissen. Unverlierbare Werte sind cS. deren Eigenheit verlangt, daß man in Wahrheit sic erwerbe, um sie zu besitzen. Eher paßt der Vergleich mit jenem Erbschatz, den — nach einer alten Fabel — ein Bauer seinen Söhnen verhieß im tiefen Grunde des Erdbodens. Die Söhne gruben und wühlten, schichteten das ganze Erdreich um. und fanden endlich nicht den vermeinten Topf voll GoldeS, sondern die Erkenntnis. daß der wahre Schah sich berge in Arbeit und nie versagendem Fleiß. Was Stresemanns Person und Wirken in so hohem Maße auSzeichnete, ist nicht allein jener gewaltige Fortschritt. der Deutschland aus dem Dunkel armseliger Bedeutungslosigkeit wieder herauShob inS Licht der Weltgeltung. Die Befreiung der Ruhr und des Rheinland«-. Mitgliedschaft und RatSsih im Völkerbund. Locarno und Thoiry. die Arbeit am Frieden der Welt, überschimmert durch die Glorie des Nobelpreises, alles dies begreift ein jeder als Markzeichen einer erfolgreichen, glückverheißenden Zukunftsarbeit, mit Ausnahme derer, die auch heute noch nicht lernen mochten, daß das Schicksal der Völker nicht allein im blutigen Auseinanderprall bewaffneter Brutalltäten entschieden wird. Uns gab sein Schassen mehr als eine immer wohltuender verspürte Lösung der Bedrückung, als ein immer befreiter sich hebendes Aufatmen. Und doch, wenn er uns nichts gegeben hätte als nur dies, er hätte seinem Volke ein leuchtendes Geschenk gebracht, leuchtend wie die Fackel des Prometheus, denn er hat die Nacht unseres Elends erhellt. Wie tragisch verhöhnen sich selber die ewig Abseitigen, die ihren billigen Spott ausspritzen über das einst von Strcsemann geprägte Wort: „Ein Silberstreifen am Horizonte zeige sich". Empfinden es wir etwa mit Anrecht als eine bescheidene Freude, wenn heute die Welt mit uns wieder loyal verhandelt, anstatt uns zu diktieren, wenn unsere nationalen Rechte wieder respektiert werden, wenn schrittweise immer tveitere, und endlich alle Gebiete deutschen Bodens frei werden von fremder Invasion? Ist eS denn kein Fortschritt gegenüber dem soeben noch erlebten Zustand, als ein machtberauschter Sieger uns sein „Vac victis" ins Antlitz schleuderte, unser Recht verachtungsvoll mit Füßen stieß, in unserem eigenen Hause seine schrankenlose Willkür toben ließ! Der Hungernde genießt mit wahrem Glücksgefühl daS härteste Stückchen trockenen Brots. daS der Satte mit einer Krümmung des kleinen Fingers vom Tische fegt. Darf aber der dem Hungernden die schmale Freude verargen, der selber seine Auszehrung verschuldete?l Dürfen die Anglücksritter einer in Blut versunkenen Epoche ihre Geiserdrüsen regen, wenn sich die ersten Vorboten eines neuen Aufstiegs zeigen? Strefemann hat nie behauptet, der ..Silderstretf" sei schon der volle Glanz der Sonne. Wir wissen, daß der Weg zur wahren Befreiung noch sehr, sehr weit und steinig ist. wir baden aber, dank Strefemann. wieder glauben gelernt»