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KC-Blätter · 1926-11-01 · Heft 6 (November 1926) · p. Seite 112

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 6 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 112 (sequence 12)
Language
German
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112 des Geisteslebens an den deutschen Hochschulen wünschenswert ist oder nicht. Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt, daß, von unserem Standpunkt als Deutsche aus, die Politisierung der Hochschulen im höchsten Grade zu bedauern ist. Die Hochschulen und die Universitäten sollen der Wissenschaft dienen. Die Studenten sollen lernen und sollen sich bemühen, sich selbst in diesem Sinne zu erziehen, und Wissenschaft und Politik vertragen sich so wenig wie Feuer und Wasser. Wissenschaft ist Objektivität, Leidenschaftslosigkeit, sachliche Prüfung, Bestreben nach reiner Erkenntnis. Politik ist Leidenschaftlichkeit. In der Politik entscheidet nicht das wahrhaft Rechte und das wahrhaft Gute, sondern Politik ist Zweckmäßigkeit, und wo die Politik herrscht, ist für wissenschaftliche Erkenntnis kein Raum und mit wissenschaftlicher Erkenntnis läßt sich keine praktische Politik treiben. — Gewiß, der Einzelne mag sich mit politischen Fragen im eminentesten Sinne beschäftigen, der einzelne mag für seine politische Ueberzeugung eintreten, und es wäre schade, wenn nicht auch in der Politik die Jugend und die Leidenschaft und der damit verbundene Wagemut zu ihrem Worte käme, aber die studentischen Korporationen als solche, die studcntischen Verbände als solche, die sollten sich nicht zum Träger politischer Richtungen machen, die sollten sich lediglich mit ihren rein studentischen Aufgaben beschäftigen, und darum scheint es mir so. daß vom allgemeinen Standpunkt aus. im Interesse der deutschen Kultur und des deutschen Geisteslebens die Politisierung der Hochschulen im höchsten Grade zu bedauern ist und daß man vom allgemeinen Standpunkt aus eintreten sollte für eine Entpolitisierung der Hochschulen. Wie stellt sich nun die Frage unter unfern speziellen Gesichtspunkten als Juden und als K. E. er. Auf dem K. C.-Tag in Güttingen im Jahre 1925 da habe ich Ihnen. alS über den eben erwähnten K. E.-TagS-Befchluß debattiert wurde, zugeruken: ..Sie müssen politisch werden. Entweder werdet Ihr politisch sein, oder Ihr werdet überhaupt nicht mehr sein." Damals stand ich auf dem Standpunkte, angesichts der politischen Hochilu». die damals war. angesichts der aufwühlenden Leidenschaften, mit denen wir zu kämpfen harren, daß auch der K. <S. alS solcher sich politisch betätigen müßt«, daß er seinen politischen Gegnern auch politisch entgegentreten müßte. Damals Ut man meinem Vorschläge nicht gefolgt und ich muß deute sagen, ich freue mich darüber, daß man e» nicht getan bat. weil die Zeit doch eine außerordentlich starke Abnahme der politischen Leidenschaften, der Heftigkeit der Kämpfe, sowohl in allgemeinen politischen Kreisen. wie auch insbesondere an den Hochschulen gezeigt hat, und ich warne deshalb davor, daß etwa heute, wo die eigentlichen politischen Leidenschaften bereits an den Hochschulen verraucht sind, daß der K.C. als solcher sich etwa dazu entschließen sollte, sich politisch zu betätigen. Wenn wir uns politisch betätigen wollen, so würde das heißen, daß wir überall, ohne Rücksicht auf irgendwelche örtlichen Verhältnisse, mit den republikanischen Listen Zusammengehen müßten. Wir müssen uns darüber klar sein, daß diese republikanischen Listen im allgemeinen nur aus Korporationsgegnern bestehen, gleichgültig, ob diese republikanischen Listen von Sozialdemokraten, von Demokraten oder von Pazifisten präsentiert würden, da sie doch immer Gegner der Korporationen als solche sind. Alle die Anhänger der republikanischen Listen stehen ausnahmslos auf dem Standpunkte, daß in dem heutigen modernen Staat kein Platz mehr für alte Romantik des Studententums. kein Platz mehr für die Regelungen der Beleidigungen, kein Platz mehr für die Begriffe der studentischen Ehre, kein Platz mehr für das frühere ungebundene, sorgenlose und zum mindesten einige Semester arbeitslose Studentenleben. lind in diese Reihe würden wir uns nun auf einmal hineinstellen müssen, trotzdem wir selbst erklären, „wir hängen noch an Band und Mütze, wir stehen auf dem Standpunkte unbedingter Satisfaktion und wir glauben, daß das Verbindungswesen als solches für die Erziehung des Menschen wichtig und von ausschlaggebender Bedeutung ist". Meine Herren Kartellbrüder. daS sind Gegensätze, über die ich nicht wegkomme. Mir ist natürlich vollkommen klar, daß ein Zusammengehen mit den völkischen Studentenverbindungen, und daS sind sie ja heutzutage fast alle, für unS nicht möglich ist und auch nicht einmal von der Gegenseite erwünscht ist. Aber ich frage, ob wir unS durch die antisemitische Studentenschaft die Gesetze unseres Handelns diktieren lassen sollen. Und daS würden wir. wenn wir als färbentragende Korporation, die auf dem Standpunkte der unbedingten Satisfaktion st.ht. unS ein für allemal festlegen würden auf die republikanischen Listen. 21ns deutschen Juden ist ja überhaupt insofern ein tragisches Geschick bestimmt, gleichgültig, ob wir Kausleute oder Akademiker sind. alS unsere Zugehörigkeit zum Judentum uns von der breiten Masse unserer Standesangehörigen und Berufskollegen trennt. Die große Masse der bürgerlichen Schicht, denen wir an sich angehören. steht politisch recht- und gehört Verrieten an. die mehr oder minder in offener oder versteckter Form antisemitisch sind. Und deshalb sage ich. weil wir die

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