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KC-Blätter · 1926-11-01 · Heft 6 (November 1926) · p. Seite 110

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 6 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 110 (sequence 10)
Language
German
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110 ton hier zusammen, als es je vor dem Kriege der Fall gewesen war. Eine Hochslut von Studenten ergab sich daraus, daß jahrelang der junge Abiturient nicht zur Hochschule gegangen war, sondern ins Feld ziehen mußte, und schließlich, und das ist vielleicht mit das Wichtigste von allem: die ganze Zeit war politisch außerordentlich erregt. Bald drohte von links, bald drohte von rechts ein Putsch. Bald bäumten sich hier, bald dort Menschen gegen die gerade neu gegründete Ordnung des Staates auf und die Jugend ist selbstverständlich immer in solchen unruhigen Zeiten in erster Linie der Träger von Amsturz-Ideen. Die Revolution hatte der großen Masse der Studenten nichts gutes, sondern nur schlechtes gebracht. Das trieb die Masse der Studenten den rechtsstehenden Parteien in die Arme. 21m so mehr als ja auch die große Masse des Bürgertums, dem die Studenten entstammten, auf dieser Seite der politischen Parteien stand. Man haßte die Revolution, man haßte diejenigen, welche die Revolution verschuldet hatten, die Rovemberverbrcckxr, und hörte gern auf alle die Kreise, die versprachen, daß das Rad der Weltgeschichte wieder zurückgedreht werden sollte und daß die Revolution ungeschehen gemacht werden sollte. 21nd diese Kreise verstanden es deshalb um so mehr, die jungen Menschen an sich zu ketten und an sich zu fesseln, weil sie ihr Tun mit einem gewissen Geheimnis zu umgeben verstanden, das die Jugend selbstverständlich anzieht, tveil sie Geheimbünde schufen, eine geheime Fehme. in tveläx'r einer die oberste (Gewalt batte, Bünde, in denen die Beteiligung mit (Gefahr für den einzelnen verbunden war »»nd in denen andererseits ein Hobes Ideal, das Ideal eines freien und starken Deutschlands ausgerichtet wurde. Meine täerren Kartellbrüder, so wurde die Studcntenssxrst politisch und zwar im höchsten Grade politisch, und wurde mit zum Träger und zum Borkämpser jener ertremen Rechtsparteien. So wurde die Reaktion an deutschen Hochschulen heimisch und mit dieser Politisierung ging selbstverständlich eine starke Strömung des Antisemitismus einber. Die Parteieil. zu denen die Studenten ans allen den Gründen, die ich eben geschildert habe, kamen, waren an sich schon anti» semitisch, und ebenso wie das politische von den tungen Studenten stark betont wurde, so wurde es auch das aukiseinitische. Wir kennen die Be» ''rrebungen an den deutschen Hochschulen, die Juden vollkommen aus dem Studententum auszuschalter:. sle Ztt Studenten minderen Rechleszu machen und Sie alle erinnern sich daran, so seltsam es klingen mag. daß schtvere und lange Kämpfe dazu gehörten, dis endlich die klare Rechtslage gesiegt hatte und festgestellt wurde, daß auch die deutschen Juden gleiches Recht an deutschen Hochschulen hatten wie jeder andere Staatsbürger. Weil nun den Studenten der Anschluß der Juden nicht geglückt war, da gründete man den ..Hochschulring deutscher Art", der Ihnen ja sattsam und zur Genüge bekannt ist, jene Institution, die mit dem Zweck geschaffen war, die Juden von studentischen Veranstaltungen zum mindesten fernzuhaltcn und auszuschließen. Man hat sich mit dieser Gründung nicht begnügt. sondern hat darüber hinaus versucht, diesen Hochschulring deutscher Art noch fester dadurch zu gestalten, daß er auch mit den Altherrenverbänden in einen engen Kontakt gebracht wurde, und so gründete man die „Arbeitsgemeinschaft der völkischen akademischen Verbände". In der letzten Nummer der K. C.-Zeitung finden Sie einen ganz ausgezeichneten Artikel von dem Referendar Werner Rosenberg über diese Arbeitsgemeinschaft. Wenn auch kein Zweifel darüber sein kann, daß die eigentliche Idee der Arbeitsgemeinschaft der völkischen akademischen Verbände der Zusammenschluß sämtlicher Akademiker als solcher ist und daß für die Kreise die sich dieser Arbeitsgemeinschaft angeschlossen haben, die völkische Idee nur eine nebengeordnete Rolle spielt, so kann andererseits aber doch auch kein Zweifel darüber sein, daß die eigentlichen Führer und Träger der Bewegung ertrem völkisch eingestellt sind und die Arbeitsgemeinschaft in ihrem Sinne mißbrauchen. Alan versucht auch, durch diese Arbeitsgemeinschaft die Gesamtheit der Akademiker immer weiter in das antisemitische und völkische Fahrwasser zu treiben. Die erste große Tagung dieser Gemeinschaft fand in Potsdam statt und die Potsdamer Grundsätze sind noch durchaus gemäßigt. Zwei Punkte dieser Grundsätze will ich hier nur hervorheben. Man erklärte dort: ..Wir wollen den Gemeinschaftsgedanken als Grundlage aller politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Arbeit und lehnen den Individualismus mit seinen Folgen ab. Nufer Weg ist die Pjlicht." und weiter: ..Wir wollen in der Erneuerungsbewegung des deutschen Volkes die charaktervolle christliche Persönlichkeit erziehen und die geistige Grundlage der Bewegung schaffen und erhalten." Dann kam hinterher der Akademikertag in Elberfeld und dieser war schon unendlich viel radikaler. Rach einer kurzen Vollversammlung traten 10 Ausschüsse zusammen, unter ihnen auch ein Ausschuß Nr. 0 über die Iudenfrage. der seine,» Namen dann später in einen Ausschuß

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