Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Emma Woytinski: SOZIALDEMOKRATIE UND KOMMUNALPOLITIK. l?ranz Neumann (Gemeindearbeit in Berlin). 88 Seiten. Die politische und soziale Bedeutung der arbeitelgerichtlichen Rechtsprechung. 40 Seiten, beide E. Laubsche Verlagsbuchhandlung, G. an. b. H., Berlin W. 30. Der Verlag von Laub bewährt durch die beiden Veröffentlichungen von Woytinski und Franz Neumann seinen immer stärker sich ausprägenden Charakter, Sammelpunkt des Teiles des .sozialistischen Schrifttums zu werden, das gegenwartsnahe die großen Gesichtspunkte des sozialistischen Befreiungskampfes nie aus dem Auge verliert. Immer neue Gebiete werden vom Standpunkt des Sozialismus in ihrer Bedeutung für den Klassenkampf untersucht. Das geschieht zwar auch abstrakt und theoretisch, aber immer von einer genauen Kenntnis und Darstellung der tatsächlichen Voraussetzungen aus, die allen Abhandlungein ihre besondere Aktualität geben. Die Schrift von Woytinski war für die Berliner Kommunal wählen geschrieben, behält aber wegen des reichen statistischen Materials und der allgemeinen Richtlinien für sozialistische Arbeit in den Stadtgemeinden ihre Bedeutung über den Anlaß hinaus, — wenn man auch gerade nach dem Sklarek-Skandal und der Erhöhung aller städtischen Tarife eine Beleuchtung auch dieser Ergebnisse der Kommunalpolitik sehr begrüßt hätte. Die Schrift von Neumann führt an einer anderen Stelle der sozialistischen Front, an den Klassenkampf, der innerhalb der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung geführt wird. Neumann zeigt den Kompromißcharakter dieser Rechtsprechung, der vom Standpunkt des Sozialisten durchaus einen Fortschritt gegenüber dem einseitigen Klassencharakter großer Teile unserer Gesetzgebung und Rechtsprechung sonst darstellt. Das Vordringen der Gewerkschaften im .Sozialrecht gehört vielleicht zu den wenigen großen Errungenschaften der Staatsumwälzung von 1918, ein Stück des Vormarsches wird hier mit allen Abirrungen des Weges gekennzeichnet. R a t h e n a u: POLITISCHE BRIEFE. K. Reißner Verlag, Dresden 1929. 348 Seiten, broschiert 7 RM., Leinen 9 RM. Nach den Briefen Rathenaus, die in zwei Bänden sein Leben darstellen, erscheinen jetzt die politischen Briefe, die den Zeitraum der Kriegs¬ und Nachkriegszeit umfassen. Von Julius Bab über Stefan Zweig zu Ludendorf reicht der briefliche Verkehr Rathenaus, der zu allen Gegenständen der aktuellen Politik und der Volkswirtschaft Stellung nimmt. Trotz dieser Fülle der Menschen und Beziehungen dringt aus den Briefen ein quälendes Gefühl menschlicher Einsamkeit, dem aber ein starkes Selbstbewußtsein entgegengestellt wird. Dazu sind diese Briefe ein lebendiges Stück Zeitgeschichte, das Stresemann als eifrigen Befürworter des U-Boot-Krieges und Rathenau als leidenschaftlichen Anhänger einer Verbtindung mit Rußland zeigt. Lest Jack London 45