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Der junge Jude · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · page 16

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Lebmann in den angeführten Arbeiten dargestellt. Die vorhandene enge Verbindung aller Jugendlichen zu einer Gemeinschaft und der Glaube der Jugendlichen an die schöpferischen Kräfte ihrer Gemeinschaft und an die Möglichkeit eines persönlichen Wirkens innerhalb derselben bedeuten, wie gesagt, die Voraussetzung für eine Jugendarbeit. Es darf nicht verschwiegen werden, daß der Aufbau einer Jugendgemeinschaft und das Gewinnen des Vertrauens der einzelnen Jugendlichen viel einfacher ist, als die jahrelange Lebendighaltung dieser Gemeinschaft. Man muß auch sagen, daß die bisherigen Versuche, eine Gemeinschaft jahrelang zu halten, nicht gerade sehr erfolgreich gewesen sind. Im großen und ganzen ist das erste Erleben bei allen Gemeinschaften das stärkste gewesen und es muß Aufgabe aller Jugendgemeinschaften sein, weiter an der Gemeinschaft zu bauen und sich weiter zu entwickeln und jedem einzelnen jungen Menschen, ganz gleich an welcher Periode der Gemeinschaft er teil hat, ein Stück dieser Entwicklung zu geben. Es wäre nun darzustellen, welche Beobachtungen im Kownoer Kinderhaus in Bezug auf die erzieherischen Fähigkeiten der Gemeinschaft gemacht wurden. 1. Eine der stärksten Erlebnisse der Kownoer Arbeit war die immer neu gemachte Beobachtung, wie schnell neu aufgenommene Kinder und Jugendliche sich der Gemeinschaft anschlössen und in wie kurzer Zeit sie selbst anfingen, aktiv am Leben teilzunehmen. Die Kinder kamen meist in sehr elendem Zustande zu uns. Sie hatten meist schon sehr viel durchgemacht, waren meist sehr verbittert und sehr scheu und verschlossen. In jeder Anstalt wären sie sehr lange so geblieben, wären vielleicht nie aus sich herausgegangen. Man kennt die Anstaltskinder und ihre furchtbare Vereinsamung und Verschlossenheit, weiß, daß die einen sich dem „Statut der Anstalt" unterwerfen, so wie Hotelgäste sich dem „Statut4' des Hotels unterwerfen, in dem sie eine Nacht bleiben, beziehungslos, fremd, allein. Nur daß der Hotelgast eine Nacht oder eine Woche in der fremden Umgebung bleibt, das Anstaltskind aber seine ganze Kindheit und Jugendzeit in dieser Leere zubringt. Dabei spielt es absolut keine Bolle, wie 'die Anistalt aussieht. Es ist natürlich besser, daß die Kinder in hellen und freundlichen Bäumen, die mit Bildern und Blumen geschmückt sind, leben und der äußerliche Eindruck der Kinder eines solchen Heimes mag besser sein, als der solcher Kinder, die in Heimen leben, denen sogar Licht und Luft fehlt. Entscheidend bleibt, daß die Kinder in einer kalten, ihrem Wesen nicht entsprechenden Umgebung leben, in denen zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit die Voraussetzung fehlt: das Gefühl des Geborgenseins, des Zuhauseseins, der Möglichkeit völliger Hingabe und völliger Entspannung. Die Kownoer Kindergemeinde gab jedem neu Dazukommenden die Möglichkeit der Teilnahme an allem. Wer von den Neuen stank wirkte, formte von vornherein mit seinem Dasein an dem Zusammenleben. Wir sahen sehr oft, wie Neue schon in den ersten Tagen wirkten und eben, weil sie sofort produktiv und aktiv sein konnten, auch aufnahmefähig für die Wirkungen der Gemeinschaft wurden. Dabei konnten wir eine Mitwirkung des Erziehers nur in den Fällen beobachten, in denen eine persönliche Bindung der Kinder an den Erzieher erfolgte. Diese erste Voraussetzung für die Entfaltung des 14

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