Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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alle Hindernisse durch ein politisches Rezept leicht zu überwinden. Und heute da diejenigen, die bisher die Schwierigkeiten des arabischen Problems noch nicht erkannten, darauf gestoben sind, sollten wir da unsere Bewegung nicht dazu erziehen, den geraden, langen und schweren Weg zu gehen, sondern sollen wir sie durch ein leichtes Rezept täuschen, das ein historisches Problem im Handumdrehen löstV Diese Erziehung der Bewegung für schwere Zeiten wurde dem Zionismus in Deutschland nicht zuteil. Da der Redakteur der „Jüdischen Rundschau" heute verhindert ist, hier zu sein, will ich jetzt hier nicht über die erzieherische Rolle sprechen, die das Zentralorgan des deutschen Zionismus in der deutschen Bewegung erfüllt hat. Ich möchte nur sagen, daß mehr als alle der deutsche Zionist dadurch benachteiligt war, daß ihm die volle Orientierung über die Haltung und die Tätigkeit des Jischuw und der Arbeiterschaft während und nach den Ereignissen vorenthalten wurde. Ich traf hier Chawerim aus Erez Israel, die seelisch mit dem Lande stark verbunden sind und die in dieser schweren Zeit ihre Information aus der zionistischen Presse in Deutschland erhielten und ich überzeugte mich davon, wie wenig sie informiert und wie tief sie deprimiert sind. Ich bin erzogen in jüdisch-geschichtlichen Auffassungen. Ich fühle mich verbunden mit der jüdischen Geschichte. Was in Palästina jetzt geschah, ist für mich im Grunde genommen nichts anderes, als ein Kapitel des jüdischen Martyriums. Wenn ich höre, was und wie heute in der deutschen Ideologie über die Ereignisse gesprochen wird, so fühle ich vor allem die Entfremdung von diesem jüdischen Martyrium. Titus mag in Rom als die „Pracht des menschlichen Geschlechts" gelten. Chmelnizki als ein nationaler Held, die Kreuzzügler als heldenhafte Menschen; ich fühle, daß sich in meiner Hand die Wage nicht befinden kann, die diese Menschen, 'die so in die Geschicke meines Volkes eingegriffen haben, zu Helden krönt. Wenn wir denken würden, daß Titus gerecht war, daß Chmelnizki oder Gonta die gerechte Sache vertreten haben, dann hörte unsere Existenz -auf. 1881 als die Pogrome in Rußland ausbrachen, gab es Gruppen jüdischer Revolutionäre, die die Anschauung vertraten, daß diese Pogrome eigentlich der Anfang einer sozialen Revolution und einer Volks-Erhebung seien, die man fördern müsse. Für sie war unsere Sache nicht die gerechte. Für sie standen wir nur der gerechten sozialen Entwicklung im Wege. Wollen wir diese Ereignisse von heute auffassen als ein nationales Unglück und ein Unrecht an uns oder sollen wir sagen, daß sie ein Zusammenstoß zwischen zwei Völkern waren? Gerade wir in Palästina wollten die Ereignisse nicht als einen Zusammenstoß zwischen uns und dem arabischen Volk darstellen. Wir in unserer geschichtlichen Erfahrung wußten, daß es sich auch hier um reaktionäre Kräfte handelt, die gegen uns waren. Auf Grund unseres Kennens der Tatsachen hatten wir die tiefste Ueberzeugung, daß diese Menschen keine Vertreter der arabischen Bewegung sind und daß es nicht unsere Pflicht war, sie zu nationalen Führern zu krönen. Ich will hier nicht das ganze politische arabische Problem aufrollen; ich werde dies an anderer Stelle tun;*) auch will ich hier nicht *) Darüber sprach B. K eingehend vor der Poale Zion-Konferenz in Berlin- 6