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Der junge Jude · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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fehlte das einfache Vertrauen, das Vertrauen darin, daß die Kameraden dort nicht weniger Kiüturmensehen, nicht weniger pazifistisch, nicht weniger politisch verantwortlich sind. Dieses Gefühl der Kameradschaft, das vor aller Diskussion kommen sollte, fehlte. Das hat uns mehr geschmerzt als die Untaten unserer Feinde im Lande. Die erste Sorge galt nicht dem Lehen der Freunde, die ersten Briefe aus Deutschland waa*en Bitten an die Ohawerim, nicht Chauvinisten zu werden. Also eine Sorge um unsere moralische Reinheit. Dieses doppelte Gefühl des Verratenseins, des Verwaistseins, damals, als uns alle für ,3atlanim" erklärten, für Menschen, die nicht imstande sind, verantwortlich eine Wirtschaft zu hauen und jetzt für Menschen, die imstande sind, «die zionistische Bewegung von ihrer moralischen Höhe heranzuziehen, war uns ein schwerer Schlag. Aber dieses fehlende Vertrauen trifft nicht nur uns schwer, es muß sich an euch rächen, es muß allmählich die Erziehungsarbeit und die politische Arheit der Bewegung lahmlegen. Die zionistische Arbeit hat viele Krisen durchgemacht und mitunter Krisen, die die ganze zionistische Arbeit in Frage gestellt haben. Unsere Freunde wissen gar nicht, welche Perioden von Verzweiflung schon über die Bewegung hinweggegangen sind. Als wir vor 25 Jahren nach Erez Israel kamen, fanden wir viele Biluim als Anhänger des Uganda-Gedankens; denn sie glaubten nicht mehr daran, daß Erez Israel aufgebaut werden kann. Herzlos Diplomatie war vor eine tote Wand gelangt und viele konnten dies nicht überwinden. Immer gab es in der Bewegung Menschen, die nicht die Kraft fanden, solche Krisen zu überwinden. In allen Bewegungen von heute, im „Bund'', in der „Jewsektion'', ülberall gibt es einstige Zionisten, die an der Ausführbarkeit des Zionismus verzweifelten. Für mich gibt es nur eine Problem-Stellung: Wie kann man die Bewegung so erziehen, daß nicht bei jeder neuen schweren Krisis der Himmel auf die Erde stürzt und wir nicht wissen, ob der Zionismus ausführbar ist. Wie können wir die Bewegung zu jenem Brenner'- schen „Af al pi ken" (Trotzdem) erziehen? Auf unsere Bewegung lauern noch viele Gefahren: Politische, wirtschaftliche, vielleicht auch kulturelle. Jede einzelne dieser Gefahren ist imstande, die Bewegung und jeden Einzelnen ihrer Träger vor die entscheidendste Prüfung zu stellen. Vor drei Jahren war der Zionismus in einer schweren ökonomischen Krisis. (Wenn ich heute einen Arbeiter auf der Straße treffe, der sich sehr ernst um die Araberfrage sorgt; — denn es ist doch für ihn keine theoretische Sache, sein Bruder ist gestern gefallen und er kann morgen fallen; — so weiß ich doch, daß es ihm besser geht; denn er arbeitet, er weiß wozu er da ist, das macht unsere Lage leichter als damals) und heute leben wir in einer politischen Krise. Wenn wir auch heute die Araberfrage läsen würden, so werden morgen neue und schwerere Probleme auftauchen, die unsere ganze Arbeit in Frage stellen können. Ich brauche nur auf die beiden Kräfte Komintern und Vatikan hinzudeuten. Werden wir vor all diesen Schwierigkeiten zurückweichen1? Oder sollen wir den Versuch machen, die Bewegimg durch leichte, rasch wirkende Rezepte zu beruhigen? Wir haben doch diese merkwürdige Beziehung zu der zionistischen Aufgaibe als einer leichten, die von ihren Trägern nichts^ fordert, bisher immer für die besondere Eigenschaft des Revisionismus gehalten, der seine Träger nicht zu dem schweren Weg der chaluzischen Verwirklichung erzieht, sondern ihnen verspricht, 5

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