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Der junge Jude · 1930-02-01 · Heft 1 (Februar 1930) · page 25

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 1 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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DER PÄDAGOGISCHE GEHALT DER ZIELSETZUNGEN DER JUDISCHEN JUGENDBEWEGUNG. Ergebnisse einer Arbeitsgemeinschaft in der „Schule der jüdischen Jugend", mitgeteilt von Georg Lubinski. Innerhalb der Erziehungsarbeit der Bände spielte lange Zeit das Problem Tendenzerziehung oder neutrale Erziehung eine beherrschende Eolle. Heute kann, trotz erheblicher anders gerichteter Kräfte, die Einsicht in die TTnentbehrlichkeit der Tendenzerziehung als die überwiegend anerkannte angesprochen werden. Man weiß zunächst einmal negativ, daß eine Erziehungsarbeit wirkungslos bleiben muß, in der es dem Führer nicht gestattet ist, die letzten Zielsetzungen, seines eigenen Lebens, seine Lebensideale auch auf die von ihm geführten Menschen wirken zu lassen. Gerade das Leben des jungen Menschen verlangt nach einem über das Individuelle hinausführenden Kollektivideal, einer Zielsetzung für die Gesamtheit, einer Tendenz. Wenn die Krise der Pubertät darin besteht, bis dahin haltbare Bindungen wie die an Gott, Eltern, Hausgebrauch zu lösen, so besteht die Aufgabe der Pubertät zweifellos darin, die durch die Pubertätskrise eingetretene Isolierung durch neue Bindungen zu überwinden. Diese Bindungen werden einmal individueller Art sein, wie Freundsehafts- oder Liebesbeziehungen, sie können und sollen auch überindividueller, kollektiver Art «sein, weil uns dadurch eine Mitwirkung des einzelnen jungen Menschen an der Erreichung gesellschaftlicher Ziele möglich ist, darüber hinaus, weil erst durch gesellschaftsgebundene Zielsetzungen eine umfassende Sinngebung auch für das Einzelleben erreicht wird. Zieht man noch in Erwägung, daß die Bereitschaft zur Anerkennung überindividueller Ziele gerade bei dem Jugendlichen besonders groß ist, eben weil er isoliert und „ergänzungsbedürftig64 ist, so ergibt sich daraus, daß in keinem Abschnitt des Lebens die Erziehung zu einem bestimmten Ziele hin von so ausschlaggebender Bedeutung ist wie gerade in der Pubertät. Hinzu kommt noch der mehr logische Einwand, daß es eine neutrale Erziehung überhaupt nicht gibt, daß neutrale Erziehung gewöhnlich nur Ausschaltung neugestaltender Einflüsse neben den sowieso vorhandenen bedeutet. Aber auch jene „höhere" Form der Neutralität ist abzulehnen, die eine Reihe verschiedener Zielsetzungen dem Jugendlichen zur Auswahl anbietet, die ihm mehrere Zielsetzungen vorführt, damit er die ihm gemäße wähle, denn diese kollektionsartige Auswahl hindert den Jugendlichen oft daTan, sich überhaupt eine Zielsetzung mit der leidenschaftlichen Intensität zuzuwenden, die die Veraussetzung für das Zustandekommen einer echten Bindung ist. Die Gefahr der zu frühen Festlegung des Jugendlichen und der Bindung an Ziele, die ihm nicht gemäß sind, ist dabei nicht sehr groß. Gerade vom jüdischen Standpunkt aus, wird man eine Festlegung auf ein jüdische;s Ziel, ganz gleich welcher Art einer jüdischen Bindungslosigkeit vorziehen. Man darf hier nie vergessen, daß die Herstellung einer Beziehung zum Judentum nur in den seltensten Fällen noch bei uns ohne bewußtes Zutun geschieht, daß die Herstellung eines Bezuges zum jüdischen daher schon immer ein gewisses Ergebnis darstellt. Neutralität ist demgegenüber, wie es Grünewald, (Mannheim) formuliert hat, „die Schutzimpfung der 23

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