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Der junge Jude · 1930-02-01 · Heft 1 (Februar 1930) · page 17

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 1 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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KMles, das Gefühl des (kbö^enseins, des Nichtmehrdraußen Stehens, des Verbun&enseins hat die Kownoer Kinder- und Jugendgemeinde erfüllt und darum sahen die Kinder nach einiger Zeit alle froh und erfüllt aus. Sie hatten ihr Zuhause gefunden. 2. Jede Gemeinschaft ist bemüht, sich dem übrigen Leben gegenüber abzugrenzen und diese Grenzen nach außen hin mögliehst sichtbar darzustellen. Die Gemeinschaft der Kownoer Kinder hat etwa 2 Jahre gebraucht, um die innere Organisation der Gemeinschaft so zu vollenden, daß der Wunsch entstand, sich auch durch die Umwelt bestätigen zu lassen, daß die Kinder nicht mehr einzelne waren, sondern eine Gemeinschaft. Ein soziales Gebilde also, das soziale Anerkennung fordern durfte. Diese Anerkennung, die der Leistung aller gezollt wurde, fiel natürlich auf jeden einzelnen zurück, der damit zum von der Gesellschaft anerkannten vollwertigen Menschen wurde. Auf welchem Gebiete des gesellschaftlichen Lebens von der Gemeinschaft zuerst versucht wird, diese „Legitimation" zu erhalten, hängt von dem Milieu ab, in das die Kinder gestellt sind. Die Kownoer Kinder begannen mit Theater auf führungen, zu denen möglichst viele Menschen eingeladen werden mußten, sie liebten Wanderungen mit Empfängen durch die verschiedenen jüdischen Gemeinden, hielten viel von den Ansprachen, die bei diesen Anlässen gehalten wurden. Auch das sportliche Wettspiel, in dem unsere Kinder als geschlossene Gemeinschaft auftraten und als Einheit einer zweiten Einheit gegenüberstanden, war zu dieser Zeit sehr beliebt Man photographierte sich unzählige Male, legte größtes^ Gewicht auf die richtige Kleidung und vergaß vor lauter Legitimationsbedürfnis sehr bald den eigentlichen Inhalt der Bemühungen, d. h. das Theaterspiel wurde schlechter, die sportliche Leistung ging zurück usw. Nach einiger Zeit hatte man genug der Bestätigungen. Man wußte, man war etwas. Und alle Welt wußte, was es heißt, ein Kinderhauskind zu sein. Erst nachdem dieser Begriff geprägt war, begann man, ihm einen Inhalt zu geben. Und damit setzt die eigentliche, fruchtbare* Periode des Gemeinschaftslebens ein, die keine äußere Anerkennung; und Abgrenzung mehr suchte, sondern wirklich ernst und sachlich zu Erkenntnissen zu kommen suchte. Die Kinder bildeten die Kinderhausgemeinde. Sie war immer bestätigt als Gemeinde. Aber was tat sie? Welches Ziel hatte sie? Wozu war sie da? Wie verband sie sich mit der Welt? Das jüdische Litauen isit streng in drei große politische Gruppen geschieden: die Zionisten, die Jiddischisten und die Orthodoxie. Da eine religiöse Jugendgemeinschaft, wie etwa die Ezra, in Litauen fehlt, teilten sich die Interessen der Jungen in die jiddischistische. und hebraistische Jugendbewegung. Die Teilung unserer Jugendlichen in diese zwei politisch diametral entgegengesetzten Gruppen vollzog sich sehr langsam und wenn bei einzelnen Jugendlichen die Entscheidung recht zufällig gewesen sein mag, so bedeutete für die meisten der Entschluß der Zugehörigkeit zu einer der beiden Gruppen das entscheidende weltanschauliche Erlebnis. Die Situation des jungen Juden in Litauen ist von der der Jungen in Deutsehland wesentlich verschieden. Litauen ist äußerst arm und der allergrößte Teil der Jugend wächst in Verhältnissen auf, die sich ein großer Teil der Jugend in Deutschland überhaupt nicht 15

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