Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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■ganisation die Forderungen der Arbeiterparteien auf Förderung der Selbstarbeit, hebräische Arbeit und Kultur, Anerkennung des Keren Kajemeth und des Selbstbestimmungsrechtes der Siedler über die Siedlungsform zu eigen gemacht hat. Es ist sinnlos, in dem Augenblick gegen die Zionistische Organisation einen „Klassenkampf" zu proklamieren, in dem nicht nur die Aussicht, sondern geradezu die Notwendigkeit besteht, die Zionistische Organisation zum Träger des Kampfes für die palästinensische Arbeiterbewegung innerhalb der Agency zu machen. Nach meiner Auffassung wäre gerade jetzt der Zeitpunkt, die notwendige Neuorientierung des sozialistischen Zionismus vorzunehmen. Auf der einen Seite zwingt uns die bevorstehende Konstituierung der Jewish Agency in dem zionistischen Teil der Agency möglichst starken Einfluß zu gewinnen, um unsere Forderungen in der Agency durchsetzen* zu können. Auf der anderen Seite gibt die Gründung der Liga die Voraussetzung für die Zusammenfassung aller Kräfte der Linken. Ziel der Liga sollte es sein, einen starken sozialistischen Flügel innerhalb der Zionistischen Organisation zu schaffen. Warum eigentlich von den Poale Zion jede organisatorische Verbindung mit der Z. V. f. D. abgelehnt wird, ist mir nicht verständlich* und muß dem unbefangenen Beurteiler unlogisch erscheinen. Die Poale Zion gehören der Weltorganisation an und sitzen in allen parlamentari^ sehen Körperschaften, (mit Ausnahme der Executive, in der die ganze Linke nicht vertreten ist); in Palästina nehmen sie selbstverständlich voll am politischen Leben teil, sitzen im Waad Leumi, in den Stadtvejrlwaltungen, zusammen mit den Bürgerlichen. Warum sie gerade in den Landesverbänden sich ihren Platz nicht sichern wollen, wo es erhebliche Reibungsmöglichkeiten nicht gibt und wo sie die Politik der Landesverbände höschstens im sozialistischen Sinne beeinflussen können, ist nicht verständlich. Sollten propagandistische Gründe maßgebend sein, um nämlich bei nichtzionistischen Sozialisten werbefähiger auftreten zu können, so muß man sagen, daß der Erfolg bisher jedenfalls sehr gering ist, und es könnte leicht nachgewiesen werden, daß die Zugehörigkeit zur Z. V. f. D. die Werbekraft der Linken erheblich steigern 'würde. Hier bietet sich nämlich dem Sozialisten, wenn er Zionist wird, eine an Zahl und Bedeutung erhebliche Gruppe, in der und durch die er wirken kann, während die P. Z. ihm keine Wirkungsmöglichkeit gibt. Tatsache ist ja auch, daß die Z. V. f. D. mehr und gerades namhafte Sozialisten gewonnen hat (jedermann kennt sie) als die P. Z. Und wenn man mit Rücksicht auf außerdeutsche Verhältnisse den Beschluß auf Fernbleiben von der Landesorganisation nicht aufheben will, so bieten sich auch andere organisatorische Möglichkeiten zu einer Zusammenarbeit. Keinesfalls ist aber irgend ein Grund zu gehässiger gegenseitiger Bekämpfung ersichtlich. Gerade die Jugend sollte die Jnitiative übernehmen, um den jetzigen unerquicklichen Zustand, der den sozialistischen Zionismus schwächt, zu liquidieren. Sie sollte sich keineswegs in das Schlepptau einer Parteidogmatik nehmen lassen. Dann wird es ihr, dann wird es auch dem sozialistischen Zionismus gelingen, Sozialisten für den Zionismus zu werben, statt wie bisher, Zionisten an den Kommunismus auszuliefern^ Fritz Noack. 16