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Palästina-Nachrichten · 1935-03-22 · Heft 5 (22.3.1935) · p. Seite 2

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
2 (1935)
Issue
Heft 5 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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wert ige öle gewinnen lassen. Für Palästina scheiden diese Produkte aus. In bezug auf die industrielle Verwertung der Orangen und Grapefrüchte sind einige grundsätzliche Erwägungen wichtig. Die Entwicklung einer derartigen Industrie ist wünschenswert. Sie erhöht für den Farmer die RentabilitätsMöglichkei f.,, sie. trägt dazu hei, die Qualität der auf den« Weltmarkt korninenden Früchte zu verbessern', und sie bedeutet ein Sicherheitsventil hei eintretenden Absatzstockungen. Es:leuchtet jedoch ein. daß ein derartiger nicht gleichmäßig durchzuführender Betrieb nicht nur in lerhhiseher Beziehung Schwierigkeilen macht. Da acht Monate im Jahre nicht produktiv gearbeitet werden kann, ein großer Teil des Mitarbeiterstabes aber nicht entlassen wer- ., den kann, ruhen auf einem solchen Saisonbetriebe erhebliche ' tote Kosten, und die Investierung von Kapitalien in solchen Betrieben stößt auf Schwierigkeilen. Man ha.t sich daher an die Kreise gewandt, die an einer nutzbringenden Verwertung der Brarah vor allem interessiert sind, nämlich an die Farmer* ■■Von f)5 Pardessanjm wurde 1931 die Jaffa Orange Products kooperative Society Ltd. mit einem Kapital von £P ro ooo gegründet,'. : v * In einer stillgelegten Weinkellerei in Rcchowoth wurde die Fabrik - eingerichtet, die der technischen Leitung des vorhin schon erwähnten Herrn Bravcrmann untersteht. Während der Saison wird mit 7") Arbeitern, davon Krauen, in zwei Schichten gearbeitet. Im letzten Winter wurden täglich 18-t Früchte aufgenommen; auf .3.6 t ist man eingerichtet; Ungefähr 000 t Saft, und 500 hg ätherische Öle wurden gewannen, die ihren Weg vornehmlich nach, der Schweiz, England, Mitteleuropa und Kanada fanden. Die Gewinnung von Pektin ist für diesen Winter in Aussicht genommen. Und; außerdem will man versuchen, eine eigene Faßfabrik cinzu^ .richten, während bisher ganze Fässer importiert werden mußten. Für die Gewinnung der ätherischen öle muß die äußere Schale herangezogen -werden-. In Italien geschiehtdie Produktion mittels - Handarbeit jiach einem Jahrhunderle allen S.vstein. InPalästina ging man zu eitlem ganz neuen Ver- .fahren über. Die Ölschalc der ganzen-Frucht-wird mit Nadelnangestochen, worauf das öl von selbst ausfließt. Aus 1000.kg Jitaiigen_jverden etwa l\ kg öl;gewonnen. Infolgesejner giiteiv üualilüt und, da es über---i0.0/0 mehr an Geruchsstoffen enthält als das italienische Öl, vermag es auch gute Priise zu erzielen. .; -Nach der Gewinnung desÖIs wird-die-Fruchten zwei Half le-n geschnitten; die Hälften werden dann an rotierende Rosetten, ■die-der-.Form der Frucht angepaßt sind, gedrückt.- Au fV diese Weise wird der Saft gewonnen, der ohne weitere Verarbeitung nach Zusatz eines .Konservierungsmittels entweder im .-.■.Lande, zur weiteren" Verarbeitung kommt oder zum Fixport gelangt. Die Wahl des Konservierungsmittels' richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen des Landes, für welches der Saft best i m n \1 ist. Ein nicht unerheblicher Teil geht nach Dentschland. Bisher werden in Rechowoth nur diese beiden .Produkte gewonnen. Die Fabrikation von Pektin ist aus dem Versuchs- Stadium heraus und soll in dieser Saison in Angriff genommen ■werden. Darüberhinaus bestehen aber'noch-weitere iVIögiickkeilen, die vielleicht sn|tterhin von Bedeutung werden können. Infolge--des--~i?uckergchaltcs"xles .Saftes ist eine Vergärung niog* lieh und in Laboralariuriisversucheii wurdim in der Tat schon IJhöre,1 Wein, Cider\m\\. hergestellt. Die Gewinnung von Alkohol wäre wohl theoretisch möglich, dürfte aber praktisch kaum in Frage kommen,dagegen soll die Herstellung \on Aceton, eines Produktes, das für die Lackindustrie Bedeutung hat, nicht aussichtslos erscheinen. Auch schweben Erwägungen, das Fruchtfleisch zu trocknen und nach der Art der getrockneten Api^hosen auf den Markt zu bringen. r Ein großer Teil des im Lande befindlichen Saftes wird im; Lande zu einer konzentrierten Limonade verarbeitet. Führend in diesem Produkt int die Finna Assis; andere Unternehmungen haben im Laufe der letzten Jahre auch diesen Zweig aufgenommen. Ursprünglich wurde nur die Limonade gewonnen; man ist aber bald weiter gegangen zur Herstellung von Marmeladen und Jauis. die selbstverständlich nicht nur aus Zitrusfrüchten hergestellt werden. Als etwas ganz Neues wird seit kurzem .Mannelade aus dem sonst nur für goltesdienstliche Zwecke gebrauchtem Ethrog gemachl. Der Inlandsabsatz der Assis- Fabrik hat sich in diesem Jahre vervierfacht, auch der Export ist stark, wenn auch nicht in diesem Maße gestiegen. Kein Wunder, daß sich noch andere Unternehmungen mit der Herstellung von Manneladen und Fruchtsäften befassen und fieue hinzukommen. Genannt sei vor allem die Fabrik von Weller in Montefiore in der Nähe von Tel-Aviv* ' Ein Ideal wäre es, wenn es gelingen würde, die ganzen Zitrusfrüchte so zu konservieren * daß sie zu jeder Zeit wie frische Frucht genossen werden können. Versuche in dieser Richtung sollen in der Kadoorie-Schuleauf dem Berge Tabor im Gange sein. Ich bin allerdings!der Meinung, daß das große Volumen der Zitrusfrüchte nur Idie Gewinnung von aasgesprochenen Luxusproduklen' gestatten, würde. Aber auf einem anderen Wege ist die Verwertung der Früchte doch möglich« , Dieser Weg erschien sogar der Mandatsregierung derart wichtig, daß sie aus England einen Sachverständigen in das Land schickte, der die Verhältnisse, studieren und beratend tätig sein sollte. Neue Auswanderung^ für Palästina Die Reichsstclic für Devisenbewirtschaftung hat kürzlich in einem Runderlaß an die Devisenstellen (RE ^9/35 D.St. vom ". 3. 1 o35) neue Anordnungen von erheblicher Bedeutung für die Auswanderung nach Palästina getroffen; und zwar bezüglich der Transferhostendes , Sonderkonto I sowie bezüglich der Transferierung von ' regelmäßig wiederkehrenden Leistungen. , - Diev Transferkosten vyerden bekanntlich in der Weise verrechnet, daß 1Q/0 der zu überweisenden Summe an die „Pä* läslina Treuhandstelle zur Beratung deutscher Juden G.m.b.H."" Berlin gezahlt und die weiteren Speseny jg. Zt. 90/0, bei der Auszahlung des Pfund-Gegenwertes bei der f,Haavara- Tel-Aviv, in Abzug gebracht werden. Hierin wird nun insofern eine Änderung eintreten können, daß jetzt auf Antrag ,cin größwei^TeH^ler Spesen in Reichsmark an die „Paltreu" gezahlt yverden kann, so daß sich die Pfundauszahlung entsprechend ■erhöht; Die „Paltreu-' wird den Höchstsatz, bis, zu dem die Transferspesen in Deutschland - gezahlt werden können, demnächst feststellen.Auch bereits ausgewanderte Personen, dieauf Sonderkonto I eingezahlt, den Gegenwert jedoch noch nicht erhalten haben, können aus in Deutschland verbliebenen Sperrguthaben nachträglich^ einen Teil der Transferspesen durch Zahlung an die ^Paltreu" abdecken. — Diese Anordnung dürfte im Zusammenhang mit denjenigen Maßnahmen zu ver- . stehen Sein, die zur Aktivierung der „Paltreu" im Sinne der Exportförderung und der schnelleren. Liquidierung der Sonderkonten geplant werden. Der -.erwähnte Runderlaß bestätigt ferner eine nicht einheitlich geüble Praxis bezüglich der Überweis,mig-regelmäßig w iederkehrender Zahlungen an ausgewanderte oder vorübergehend;in Palästina w eilende Personen. Schulgelder^ sowie Überweisungen zmn Lebensunterhalt für deutsche Juden; die ^ich__zur Ausbildung» in Palästina, aufhalten, können durch Einzahlung auf Sonderkonto I transferiert werden, und zwar werden monatliche Beträge bis zu 200 RM. als angemessen angesehen.Terner können bis zur_IIölie__von 5oo-RM. monat-- lieh transferierl werden: Versorgungshezüge, Pensionsbezüge, Unlcrjial tsrenteiv Leibrenten und andere wiederkehrende Zahlungen, ferner Gehaltszählungen oder ähnliche regelmäßige Leistungen an deutsche Juden, die sich vorübergehend in Palästina aufhallen, insbesondere für Angestellte jüdischer Körperschaften, deren Au fenthalt in Palästina auf religiösen Gründen beruht oder der Forschung oder dem Palästina-Aufbau* dien t. — Dieser Transfer kann auch in "gleicher Weise bereits ausgewanderten deutschen Juden genehmigt werden, ohne daß das Gutachten einer Auswanderer-Beratungsstelle beigebracht werden müßte. — ' Im gleichen Runderlaß \yj}rden^chjießlich die Aktien einiger -größerer--Gesellschaften, (Palestine Electric Wire Co., Migdal Insurance Co., Palestine Fouudries & Metal Works, Palestine Road Construetion Co., Kinriereth Development CoJj als Anlagen im Sinne des Palästina-Abkommens bestätigt. Diese Bestätigung -.dürfte zunächst wohl nur theoretische Bedeutung haben, da u. W. der überwiegende Teil der Sonderkonto Ii- Einzahler bereits disponiert hat und eine Wiedereröffnung des Sonderkonto II vorerst nicht zu erwarten ist. Dr. Bernhard Spitz

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