Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- Heft 4 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Von C. Z. Klotz*I, Jerusalem Tel-Aviv Ks bedarf keifo.es profcssoralcn Scharfsinns, um, zu erken^ "nen, daß Tel Aviv als Badeort auf die Neuankömmlinge einen besonders starken Eindruck macht. Und wie sollte es nicht! Es hat den-schönsten Strand am Mittelrneer, herrlichen, weichen, lockeren Sand, den herrlichsten blauen Himmel, ein Meer mit kräftiger Brandung und den Blick auf das malerische, uralte Jaffa. Eis bildet den Beginn einer palästinensischen liiviera, die sich wahrscheinlich einmal bis nach Haifa hin .--ziehen wird — in Nathania, von dem noch zu sprechen sein wiwl. ist schon ein Zwischenstück vorhanden. Tel Aviv, diese fast inamerikanischem Tempo wachsende und ^arbeitende Stadt wäre recht strapazierend und bedrükkend. wäre es nicht auch gleichzeitig ,;Bad Tel Aviv", der luftiirul lichlerfülltc, lebensfrohe Kurort am Meer, Natürlich ist der Strand die ganze Woche über bevölkert, insbesondere von Kindern,die hier ein'paradiesisches Dasein führen, aber sein wöchentlicher „Gala-Tag" ist der Schabbath. Dann pilgert buchstäblich - gimz Tel Aviv hinaus zum „Jam". Pilgert in des Wortes eigentlicher Bedeutung, per pedes apostolorum, denn.am Sabbath fährt kein Autobus — ein schweres Problem für .die absehbare Zeit, in der Tel Aviv doppelt so groß sein wird wie heute. Eine wahre Völkerwanderung ergießt sich jeden Schabbalh-Morgcn aus allen . Teilen der Stadt auf den Strand. Zu Hunderten stehen die Liegestühle in langen Reihen, zu Tausenden lagern die Menschen im Sand, oder promenieren auf dem schmalen Streifen, auf dem die anlaufenden Wellen eine Art fester Strandpromenade geschaffen haben. Die ungefährlichen Ladestellen sind sorgfältig bezeichnet^und jede von ihnen überwacht von der Höhe einer -Art „Verkehrstürm", auf dein die , ,.Lebensretter V Tel Avivs, eine .kleine Schar ausgesuchter7 Schwimmer mit herkulischen Gestalten darauf achten, daß «jemand sich, zu weit hinauswagt. Wer die neue jüdische Jugend sehen will, gehe am Schabbai h-Morgen an den Strand von Tel Aviv I Er ist nicht nur "Erholungsstätte,-«!' ist auch ein riesiges Sportfeld. Es wimmelt von Kindern, es wimmelt aber auch von schöngewachsenen —j 11rrgen~Menschen7~die^öTt^itön7~um die-Wette TlnTfen^Ball- ' spiele treiben, ringen un,d selbstverständlich schwimmen, schwiininen, schwimmen!. .. r So ist der Strand der große Gesundbrunnen Tel Avivs, aber seine Anziehungskraft wirkt bereits weit über den örtlichen Bereich hinaus. Nicht nur; daß man aus Jerusalem und den Kolonien der Umgebung „über weckend" zum Baden nach Tel Aviv fährt, daß viele palästinensische Familien dort ihre Sömmerferien verbringen es korninen auch schon in wachsender Zahl Gäste aus benachbarten Ländern. So stellt Bagr dad.-bereits eine kleine Anzahl regelmäßiger^Sommergäste. Und hier liegt eine der großen Entwicklungsmöglichkeiten Tel Avivs, derenoman sich auch durchaus bewußt ist. Wehn es vielleicht auch nicht möglich sein >vird, während des Sommers Gäsle aus Syrien und Ägypten zu bekommen, die aber in deirr^vvundervollen^^alästinensischcn Herbst eine gute ^Xai^^^wx^TaTfe^^ Tel Aviv doch für den uner^ träglich heißen Somirier des Iraks und des westlichen Persiens die am schnellsten und bequemsten zu erreichende Erhol ungsmöglichkeit am Meer. Wenn man sich in Tel Aviv auf die Bedürfnisse dieses Publikums einstellt — heute gibt es nicht ein einziges Restaurant mit guter orientalischer Küche in Tel Aviv! -r^, so kann diese Stadt zu einem Nizza des vorderen Orients werden. Jerusalem Vierzig Minu|en §ind es mit dem Autobus von „Jerusalem- Stadt" nach „Jerusalem-Strand4*. Und es ist der aparteste Badestrand der Welt, den wir Jerusaloriüten unser Eigen nennen. Er liegt auf dem tiefsten Punkt der Erdoberfläche, achthundert Meter unter dem von Tel Aviv, inmitten der großartigsten Szenerie und wird'bespült von einem Meer, in dem es unmöglich ist, nicht zu schwimmen: vom Toten Meer. Es gibt Leute, die die Veränderungen, die die letzten Jahre in diese großartige bihlisch& Landschaft gebracht haben, aufs äußerste bedauern, und man kann es ihnen nachfühlen. Aber das Tote Meer ist nun einmal eine riesige Retorte, in der eihe Anzahl der gesuchtesten natürlichen Chemikalien brodeln* Neben den großen Werksgebäuden und den — übrigens musterhaften — Arbeiterhäusern der „Palestme Potash" bildet das Bade-Restaurant i,Kalliah" abör nur ejn Anhängsel, - das nicht nur mit in Kauf genommen werden kann, sondern das als Erholungsgelegenheit für die schwer arbeitenden Menschen hier unten begrüßt werden muß. Jerusalem ist nicht reich an Ausflugsorten und so erfreut sich Kajtial) —- das auf einem hübschen Umweg über Jericho erreichbar ist—- großer Beliebtheit; Das unter Leitung von deutschen Juden stehende Bade-Restaurant' ,J£alliahr< ist vor? züglich eingerichtet, mit Badekabinen, Duschräumen und einer großen, gedeckten Terrasse, auf der gespeist und getankt wird. Besönders belieht sind die Vollmondnächte, in denen hunderte hier herunterkommen, darunter zahlreiche arabische Familien und solche orientalischer Juden, di», mit Mundvorrat und Decken zum Lagern versehen, die ganze Nacht am Strandezubringen. Währenddessen spielt auf der Terrasse die Pol izeikapelle, und wer nicht tanzt, liegt regungslos in dem warmen, öligen Wasser des Toten Meeres, das den Badenden trägt, ohne daß er zu schwimmen braucht. Plötzlich verlfochen__a^ ter, verstummen alle Stimmen, und still wartet man den Augenblick ab, in dem am jenseitigen Ufer über den düsteren Bergen Möabs der Mond aufgeht. ~ Wem der Betrieb in Kalliah zu modern und das^Wasser des Toten Meeres zu stark mit Chemikalien versetzt ist, kann sich , einer jener ^zahlreichen Gruppen anschließen, die mit dem Motorboot zum transjordanischen Ufer hinüberfahren, "um dort im Arnori zu baden. Dieser Fluß fließt in einem gewaltigen Canon, dessen Wände achtzig Meter hoch^senkrecht,emporragen. Infolgedessen liegt der Flußlauf fast ständig im tief-. sten Schatten, und auch im Hochsommer ist sein Wasser an- - genehm kühl. Die ganze Gegend hat etwas wild-romantisches ■ dessen düstere .Großartigkeit gemildert wird durch einen richtigen Wasserfall —- eine palästinensische Seltenheit ersten langes. ■ ' ■ s '■ Nathania .• ■ ■ Nathania ist die jüngste Städtegründung im Zug der zukünftigen palästinensischen Riviera, etwa halbwegs zwischen Tel Aviv und Haifa gelegen. Mit dem schönen Optimismus und der Verve der ganz Jungen macht es sich anheischig, selbst Tel Aviv als Badeort demnächst zu überflügeln und das* eigentliche Zentrum der palästinensischen Cote d'Azur zu werden. ~. Man braucht nicht unbedingt den Lokalpatriotisrnus der Bewojmer Nathanias zu teilen und man kann eine ganze Menge von^ihrem Optimismus abziehen und wird doch gern zugeben* daß seine Aussichten recht gut sind. Die junge Stadt liegt außerordentlich günstig auf einem Steilufer, das ihr zu jeder Tageszeit frischen'^ind sichert. Rings um sie herum dehnen sich die Orang"erigärtenN einer der größten Pflanzungsgesellschaften, die natürlich an der "Entwicklung Nathanias ein lebhaftes Interesse hat und sie entsprechend unterstützt. Die Umgebung ist stark besiedelt, und die Erschließung des Wadi Cha warith wird den Kreis an „Interessenten" für Bad Nathania noch stark erweitern. Schon heute hat sich der, Bau eines zweiten Hotels als notwendig erwiesen, da insbesondere in den Ferien und über das Wochenende die Leute aus der Umgebung in hellen Schären kommen, um von dem zwar schmalen, aber sehr guten und durch die Steilküste den halben Tag im Schatten liegenden Strand aus zu baden. Auf den Plänen und Karten ist schon ein „größeres Nathania" zu sehen, das in der Tat alles Erforderliche für einen Badeort ersten Ranges bietet. Vielleicht wird die Entwicklung nicht ganz so stürmisch vor sich gehen, wie man in Nathania selbst glaubt, und vielleicht wird das sogar gut sein, fibev wir dürfen hoffen, daß Nathania sich schnell ^dnem-rdzmden _ Erholungsort entwickelt, der für das mittlere Palästina einem starken und steigenden Bedürfnis entgegenkommt. *