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Palästina-Nachrichten · 1935-01-31 · Heft 1-2 (31.1.1935) · p. Seite 2

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
2 (1935)
Issue
Heft 1-2 (31.1.1935)
Date
1935-01-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Land Palästina sieht mit seiner konjunkturellen Entwicklung ohne jeden Zweifel außerhalb des Nörmalgeschehens, und es kann auch bei der Begrenztheit der Könsumkrait einer schließlich nur nach hunderttausenden zählenden konsumfähigen Bevölkerung für den Absatzhünger der Weltindusfrie keine auch nur irgendwie annähernde Befriedigung schaffen.. Das Land kann und mufj zufrieden sein, wenn seine eigene Wirfschaft sich so entwickelt, daß genügend Solides und Gesundes in ihr geschaffen wird, um auch dann zu dauern und zu bestehen, wenn die außerordentlichen Faktoren in seiner Konjunktur schwächer in Erscheinung treten werden» Hierfür sind allerdings eine Reihe von Kennzeichen positiver Art vorhanden. Auch heute noc(i ist Palästina im wesentlichen ein Agrarland. Wenn' auch die starke Produktron des« Landes den £igenkonsum der Bevölkerung |noch keineswegs deckt, so läßt sich doch ml» Befriedigung das Ergebnis feststellen, daß zwar mjt einer für die Landwirtschaft natürlichen - Langsamkeit, aber ziemlich konsequent Anbaumethoden und Befriebsformeh entwickelt werden, die dem Ziel der Selbstversorgung des Landes mit landwirtschaftlichen Produkten näherrücken. Es ist immerhin eine gewisse Beruhigung, wenn man feststellen kann, daß im Jahre 1934 von jüdischer Seife etwa 250 000 Pfund jn die gemischte Landwirtschaft investiert wurden (ohne Bauten) gegenüber je 100*000 Pfund in den beiden Vorjahren. Wichtiger ist hierbei noch die Erkenntnis, daß auch gerade die bestehenden Betriebe jbie Produktionskapazität laufend .erhöht haben, und daß wie soeben von verantwortlicher Stelle berichtet wurde, die land- —wirtschaftlichen^ sämtlichst bis auf eine einzige ^Ausnahme rentabel geworden sind. Es scheint durchaus an der Zeit zu sein, Interesse und Energie von Arbeit-» und Kapital wieder mehr auf die Landwirtschaft zu lenken, ein Wirtschaftsgebiet, das zwar "langsamere Erfolge aufzuweisen pflegt, aber richtig organisiert und den Produktions- und Absatzverhältniisen vernünftig angepaßt, auch Renten abzuwerfen pflegt, die von den Höhen und Tiefen der Konjunktur im allgemeinen -weniger empfindlich getroffen werden. .; Allerdings sind äut' diesem Gebiete der Palästina-Wirtschaft die weitaus größeren Kapitalien in Cifruspflanzungen — Orangen/ und Grapefruit -—investiert worden. Es werden schätzungsweise im Jahre 1934 1 650 0Ö0 Pfund jüdisches Kapital sein, gegenüber 1,5 Millionen im Jahre 1933 und 900 000 Pfünd im Jähre 1932. Ueber die Problematik der Rentabilität der .Orangenpflanzungen fst an dieser Stelle und an anderen Stellen häuf'rg gesprochen worden. Wir werden Gelegenheit haben, nach Abschluß dieser^ Orahgensaison auf die frage, ausführlich Einzugehen. Heute wollen wir uns mit einer Feststellung begnügen: Pflanzungen, die nicht zu Phantasiepreisen gekauft oder mit übersteigerten .Bodenpreisen : und- Arbeitslöhnen angelegt wurden, werden auch dann noch .rentabel'sein* wäfan die Gesamtproduktion an Citfusfrüchteh im Laufe der "nächsten Jahre bedeutend steigen wird. Allerdings sind energische Maßnahmen auf dem Gebiete der Markttechnik,; nötig/ um diese Rentabilität zu erhalten,'und es ist absolut klae, . daß die Wirtschaft Palästinas unbedingt danach]streben muß, die . Gefahren zu verhüten, die in einer übersteigerten .Monokultur dieses Monopolproduktes liegen. Doch dies sind im allgemeinen bekannte Tatsachen,- die auszuführen wir uns ersparen können. Wie die Erkenntnisse in Taten umgewandelt werden können, wird noch wiederholt zu erörtern sein. 5 Konjunkturell" gesehen zerfällt die palästinensische Industrie ganz roh in zwei Gruppen: Jene alten: Betriebe, die auf den Produkten des Landes oder auf dem primitiven Konsumbedarf aufgebaut, seit Jahren* existieren, und jene, die im wesentlichen der Initiative der Neuewjwanderer entspringt. Die alten Unternehmungen haben größtemlejfs ihre^Kinderkrankheiten überwunden und befinden sich in jentS^mxStadium einer ruhigen Aufwärtsentwicklung, das für eine junge bodenständige Industrie stets charakteristisch ist. Die Verbreiterung und Vertiefung des Inlandsmarktes hat diesen Industrien bei der Konsolidierung ihrer Existenz wesentlich geholfen. Und es bestehen zur Zeit keinerlei Anzeichen, daß irgendwelche innerpalästinensischen Faktoren diese Entwicklung beeinträchtigen können. Ihre Konjunktur ist eine natürliche und gesunde.; Anders ist die-Lage bei den neueren Indo-strien, Auch hier muß einmal wieder darauf hingewiesen werden, daß das begreifliche . Propagandabedürfnis jedes jungen Wirtschaftsunterr nehmens aber auch ein gewisser und ganz gesunder wirtschaftlicher .Nationalstola bisweilen dazu führen, die Maßstäbe des Geschaffenen z. B. im Vergleich mit europäischen oder amerikanischen Wirtschaftseinheiten, etwas zu verschieben. Palästinensische Fabriken pflegen auch dann, wenn sie im Rahmen der dortigen Wirtschaft als größere Unternehmen mit Recht bezeichnet werden, über das Maß eines mittleren oder kleineren europäischen Betriebes selten hinauszugehen. Aber gerade hierin sehen wir etwas gesundes, denn mit Recht ist die palästinensische Industrie gerade in der letzten Zeit darauf ausgegangen, die Einfuhr durch Eigenprodukion zu ersetzen und solche Erzeugnisse herzustellen, deren Absatz im Lande selbst gesichert ist. So hat sich auch die palästinensische Einfuhr, wie bekannt, mehr zu Halbfertigwaren und Produktionsmitteln hin entwickelt. Daß hierbei die palasfinen* sische Industrie sehr häufig, gerade um die Einfuhrkonkurrent zu bekämpfen, Waren herstellen mußte, deren Qualität nicht als ausgesprochen hochwertig bezeichnet werden kann, ist nur natürlich. Trotzdem ist der absolute Wille, gerade für die an hochwertige Produkte gewohnte, neu einwandernde Bevölkerung hochwertige Produkte gewohnefe, neu einwandernde Bevölkerung Exportindustrie aller Länder, mit Ausnahme von wenigen Spezial- * produkfen, qualitativ schlechte Ware in den Orient zu schicken, zu brechen, bereits heute in der palästinensischen Industrie deutlich zu erkennen. Nach zuverlässigen Schätzungen sind im Jahre 1934 etwa 1 Million Pfund von jüdischer Seife in Industrie und . Handwerk investiert worden gegenüber 500 000 Pfund im Jahre 1933 und 350 000 Pfund im Jahre 1932. Dies ist eine Summe, die gemessen am sonstigen Wirfschaffsumfang des Landes gar picht so besonders groß ist. Wir befinden uns jedoch jetzt gerade m einem Stadium, wo eine gewisse Anzahl aussichtsreicher Unternehmungen sich1 nacfy längerer Prüfung mv Bau befinden. .\ Es besteht, auch jkein Zweifel/ daß auf dem Wege der Bedarfsdeckung noch yiele Möglichkeifen in Palästina bestehen. Wir berichten in der heutigen Nummer, daß der Aufbau einer Brauerei endlich Tatsache werden wird Es besteht kein Zweifel, und ein Blick auf die Außenhandelsstatistik beweist es, daß auf dem Gebiet der' Textilindustrie noch bedeutende Möglichkeiten bestehen, -auf allen Gebieten der Verarbeitung der Ware, Spinnerei, Weberei, Hilfsindustrien usw. fehlen noch manche Zwischenglieder. Auf das umfangreiche Gebiet der Papier- und Pappenindustrie wird von berufener Seife hingewiesen, und auf dem weiten Gebiete der Herstellung von Gebrauchsgegenständen aus Leicht- und Schwermetallen, Leder, Holz, Kunstharzen, gibt es noch viele Lücken. Es ist klar, daß nicht alle solche^ Projekte gleich auf den ersten Anhieb gelingen können. Dazu besteht hier ein zu enger Zusammenhang zwischen den objektiven und den subjektiven^ Faktoren des Erfolges. Aber, immer wieder im •Rahmen der inneren undäußeren Grenzen des Landes und unter Berücksichtigung seiner besonderen Bedingungen, arabische Konsumbevölkerung, Kapitalkraft, Arbeitslöhne usw., darf man - mit ruhigem Gewissen-die Meinung vertreten, daß die Grenzen der . industriellen Entwicklung des Landes noch nicht erreicht sind. Schwieriger liegen die Verhältnisse, auf dem Baumarkf. Dieser Wirtschaffssektor ist fast völlig von derJEinwanderung abhängig, und es ist nur natürlich, daß die Investitionen im Bauwesen in den Städten und auf dem Lande' besönderi hohe sind. Sie betrugen im Jahre*1^34 4 500 000 Pfund in den Städten, gegenüber 2 500 009 Pfund im Jahre, 1933 und 4 500 000 Pfund im Jahre 1932. In ,den Kolonien waren si* 1934 800 000 Pfund, 1933 350 000 Pfund und 193^2 200 000 Pfund. Wenn an irgend einer Stelle äußerste Vorsicht äm> Platze ist/ so hier. Zwar ist auch heute der Bedarf an industriellem und Wohnraum noch immer/ vorhanden, und das Ende der .Einwanderung und mit dieser des Raum* " bedarf es isf-i^^ü^fenbl ic k~~n i chtabzusehehT~Äber es sol Ifen nu r starke HäncreHauf diesem Gebiete täfig sein: Nur private; gesellschaftliche und nationale Unternehmer oder Unternehmungen, die mit genügend großen e i g e n e n Mitteln arbeiten, und die vor allem nicht ihr ganzes eigenes Geld und einen großen Anteil fremden geborgten Geldes im Bau festlegen. Immobiles Kapital ist ungeeignet für den kleineren und mittleren Kapitalisten, in , einer. Zeitj wo die Anlage nur zu übersteigerten Bodenpreisen, und Arbeitslöhnen /erfolgen kann. Es ist seht interessant, festzustellen, daß die palästinensischen Banken r eine außerordentlich vorsichtige Politik betreiben. Es ist aber noch interessanter, einmal darauf hinzuweisen, daß die Höhe der Depositen in palästinensischen Banken seit einer Reihe von Monaten nicht zugenommen hat, sondern ziemlich konstanz bei etwa 14 Millionen Pfund bleibt* öbwohl~mönatlich~noch-rmmerL viele 100 000 Pfund Kapitalien in das Land strömen. Es "ist dies ein Beweis dafür, daß langsam ein feil der früher bei den Banken deponierten Gelder in den produktiven Wirtschaftsprozeß eingeführt wird. Besonders bemerkenswert ist hierbei auch die Tatsache, daß sich ein Teil der Depositen aus ausgesprochenen Spargeldern zusammensetzt. Diese werden mit etwa 2V2 Millionen Pfund angegeben, wobei es noch besonders charakteristisch ist, daß sich diese wieder im wesentlichen bei den genossenschaftlichen Banken befinden, deren Klienten die kleinen und mittleren Sparer zu sein pflegen. Längsam beginnen die palästinensischen Banken eine finanzpolitische Aktivität zu entfalten. Wir hören jetzt bereits biswejlen davon, daß die Banken als Emissionsstellen für vernünftige industrielle Projekte mitwirken. Auf dem Gebiete der Zinspolitik wird der Versuch gemacht, die^ relativ hohen Hypothekenzinsen (etwa 6 bis-8?/o) durch Konvertierung der Pfandbriefe auf 5ü/u herabzusenken. Und es ist nur eine Frage der Zeitf-wann sich auf dem palästinensischen Kapitalmarkt ei'ne normale und gesunde Anlagemöglichkeit für palästinensische Wertpapiere entwickeln wird. Die Tatsache, daß das Ruthenberg- Werk jetzt zum erstenmal einen Teil seines erhöhten Aktienkapitals in Palästina selbst unterbringen will, ist hierfür charak-* feristisch. (Fortsetzung Seite ,6)

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