Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 109)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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107 laissez-faire-Politiker in der Judenfrage. Für sie existiert überhaupt keine Judenfrage. Das Assimilationsjudenthum ist aber de facto todt. Wollen wir die Todten in Euhe lassen und übergehen wir zu den sogenannten philantropbischen „Praktikern"* Die Praktiker nennen sich die „wirklichen", die „wahren Zionisten". Sie zerfallen in zwei Gruppen. Zur ersten Gruppe gehören diejenigen, die keine Politik, keinen politischen Zionismus wünschen, sondern nur kleine Colonisationsversuche* Die Praktiker sprechen so viel von ihren bisherigen praktischen Erfolgen. Das ist bis jetzt wenigstens unwahr. Die zionistische Colonisationsbewegung ist fast 17 Jahre praktisch thätig. Kaum 7000 jüdische Bauern sind während dieser Zeit in Palästina angesiedelt worden, während innerhalb derselben Frist von Eussland über 1,000.000 Juden auswanderten1) und nach New- York allein alljährlich 30.000 russische Juden einwanderten.2) Die bisherigen kleinen Erfolge sind auch nicht ein Werk der „Praktiker", sondern hauptsächlich des bekannten Protectors und theilweise auch der Palästina-Golonisationsgesellschaft in Kussland* Die Praktiker haben daher kein Eecht von ihren „praktischen" Erfolgen zu sprechen. Sie konnten auch nichts mehr erreichen. Eine BauernanSiedlung in Palästina ist überhaupt thörichter als edel „wenn sie ohne völkerrechtliche Garantie geschieht3) Die „politischen Zustände" sind die Hauptschwierigkeit für die Colonisation Palästinas4) und der Mangel an Sicherheit ist das Hindernis, sich einer intensiven Bodencultur In diesem so reichen und von Natur begünstigten Lande zu widmen",5) Irgend'ein Erlass genüge, „um der ganzen Colonisation und Emigration ein Ende zu machen".6) Die zweite Gruppe besteht aus den Einerseits- und Andererseits-Juden. „In Versen haben wir sie entzückt, doch ihnen gefiel nicht unsre Prosa." So lange die Zionisten eine utopistische Partei gebildet haben, waren diese Praktiker „auch Zionisten". Die Zionisten wollen aber jetzt einen Judenstaat, das können die „Einerseits¬ und Andererseits-Judenu nicht ertragen. Wir Zionisten verschmähen unsere Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Wir erklären offen, „die Erreichung eines gemeinschaftlichen vaterländischen Bodens, das Hinarbeiten auf gesetzliche Zustände, unter deren Schutz die Arbeit gedeihen kann" — das sind die Grundlagen, auf welchen das Judenthum sich wieder erheben, durch welche das ganze Judenthum neu belebt werden wird.7) Wir kennen auch die Grösse und die Schwierigkeit der uns gestellten Aufgabe. Wir wissen ') „Welt", Nr. 12, S. 8. 2) Vgl. „Allgemeine Zeitung des Judenthums", 1897, Nr. 3. 3) Th. Herzl, in der „Welt" Nr. 7. 4) Alliance Israelite Universelle, Bericht für 1883, II, S. 25. 5) A. a. 0. 1884, I, 59. 6) A. a. 0. S. 30. 7) Moses Hess : Korn und Jerusalem.