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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 95

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 95 (sequence 97)
Language
German, English, Hebrew
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/ — 95 — Das Ziel und Streben der Zionisten ist also klar, und trotzdem wird es immer entstellt und missverstanden. Die einen betrachten uns als reactionäre Klerikale, die anderen als antireligiöse Umstürzler. Wir sollen, wird uns von unseren Gegnern gesagt, nur eine satte Partei der Intelligenz sein, unser ganzes Streben sei darauf gerichtet, dass die Eabbiner aus unserer Mitte im Judenstaate Judenbischöfe, die Aerzte Oberslabsärzte, die * Advocaten Staatsanwälte u. s. w. werden. Wir müssen zugeben, dass an dieser Missdeutung des Charakters und der Ziele des Zionismus ein Theil der Zionisten selbst schuld ist. Eine jede der modernen Bewegungen war in ihrem Anfange eine Bewegung der Intelligenz, der Studentenschaft. Diese Entwicklung hat auch der Zionismus durchgemacht. Die zionistischen Studenten, Rabbiner, Aerzte und Advocaten haben aber viel zu wenig die Seite des Zionismus betont, die sie stark unterstreichen sollten. Sie haben den socialpolitischen Charakter des Zionismus, wenn nicht gänzlich verbannt, so doch viel zu wenig hervorgehoben. Streng genommen, kann den alten Zionisten deswegen kein Vorwurf gemacht werden. Sie als Zionisten wussten, dass der Zionismus nicht nur eine nationale, sondern auch eine socialpolitische, eine wirtschaftlich reformatorische Bewegung ist. Die ersten Zionisten, wie Rabbi Hirsch Kalischer und Moses Hess, haben dies ausdrücklich betont *) Lewanda bezeichnete die ganze zionistische Bewegung, als „ein Streben nach physischer Arbeit, nach Ackerbau und Landwirtschaft, nach Hervorbringung von Brot mit eigenen Händen." 2) Die Colonisationsversuche in Palästina waren und sind nur eine Bestätigung der theoretischen Ausführungen der Zionisten. Die alten Zionisten thaten nur diesen Fehler, dass sie zu oft den Zionismus als Abwehrmittel gegen den Antisemitismus angeführt und nicht so oft auf die autonome, wirtschaftlich-reformatorische Bedeutung des Zionismus hingewiesen haben. In meinem gegenwärtigen Referate zur Begründung des Zionismus möchte ich in erster Linie das Gewicht auf die socialpolitische Seite des Zionismus legen. Die nationale und culturelle Seite hat schon Dr. Birnbaum betont. Beim Mangel von cultur-, respective wirtschaftsgeschichtlichen und socialpolitischen Arbeiten über die Juden kann mein gegenwärtiges Referat nicht das letzte Wort „über die Judenfrage," es soll eher ein Versuch, ein Beitrag zur Erklärung der Judenfrage sein. Wir sollen die gegenwärtige Judenfrage auf Grund der Geschichte der Juden im Exil zu begreifen, versuchen und hier müssen wir an die schon einst von Spinoza gesagten Worte erinnern, dass man über Geschichte weder lachen noch weinen soll, sondern das man sie begreifen müsse. - Die Juden sind das geborene Handelsvolk, sie müssen es bleiben und können überhaupt nichts etwas anderes werden. Diese ') Vergl. Moses Hess: Rom and Jerusalem. 3) Lewanda im Sammelbuch „Palästina" (russisch) 1884, Seite 13.

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