Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 90)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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Ostens wird ein fortschrittliches Culturelement, aus den Juden des "Westens werden national-characteristisehe Europäer, aus beiden ein einheitliches Volk mit abendländischer Civilisation und innerlich fortschreitender nationaler Cultur. Beginnen wir den Nachweis dieser Behauptung mit den Juden des Ostens! Weshalb ist ihrfe Eigencultur keine fortschreitende? Zunächst deshalb, weil ihnen eine wirtschaftliche Stütze fehlt, - m «^Tanwgp-r tmmiir.vcazz^xaatiaimejriiui«>*n'..-'f ' die anderen Nationalculturen nicht yersagt ist. Sie besitzen keine nationale Wirtschaft, leben vielmehr innerhalb einer fremden Nationalwirtschaft, und nicht auf gleichem Fusse mit deren Angehörigen. Das hat der alte Judenhass so eingerichtet. Die productiysten Beschäftigungen sind ihnen ganz verschlossen, die speculativen zum Theile, nur die verbrecherischen sind ihnen so freigegeben wie jedem andern. Dieser wirtschaftliche Ausnahmezustand erzeugt auf der einen Seite einen ungeheuren, still ergebenen Pauperismus, auf der anderen einen rücksichtslosen Mammonismus. Die einen, die Verelendeten, haben überhaupt nichts, die anderen, die Geldjäger, soferne sie zu Geld kommen, nichts für die jüdische Cultur*, die sie ja gewöhnlich mit der Armut verwerfen. Das muss aber ganz anders werden, sobald ein eigen Land da ist und die dazu gehörige mehr oder weniger politische Organisation. Diese — gleiehgiltig, ob eine solche in der gegenwärtigen Form oder irgend eine sociale der Zukunft — hat nämlich eine, ich möchte sogar sagen, die Hauptfunction, seine Bevölkerung wirtschaftlich zu organisieren. Gibt es eine solche Organisation — und mag sie auch die miserabelste Wirtschaftsordnung darstellen — dann schafft sie auch materielle Mittel zur Unterstützung der nationalen Cultur. Dann können nie fo ausgedehnte Volksschichten für die Cultursteuer lahmgelegt, nie ganze Volksclassen für dieselbe verloren werden, wie dies bei den Juden des Ostens der Fall ist. Aber nicht bloss als politische Organisation verbürgt das eigene Land den östlichen Juden die Fortschrittsfähigkeit; auch unmittelbar durch sich selbst thut es das. Es gibt nämlich noch einen zweiten Grund für das Stehengebliebensein der ostjüdischeh Eigencultur. Ein fester Bau, wie sie ist, muss sie irgend eine Basis haben, worauf sie ruht. Diese Basis ist das Gesetz, also etwas Geistiges. Nur Geistiges aber vermag den Geist zu binden. Soll ein _ . T ... 1«!««^^ .„,-,_. ..... TT , Jbortscnritt möglich sein, so darf ein Gesetz nicnxTGTd&s Unterlage der Cultur sein, sondern muss mehr, weit mehr sein, muss sich nämlich mit und innerhalb der gesammten geistigen Entwicklung des Tolkes fortbewegen. Die Unterlage aber für diese kann nur der irdische Heimatsboden sein. Denn er hat nicht die Macht die Volksseele zu fassen und zu fesseln. Er erfüllt sie bloss — namentlich durch Vermittlung des Bauernstandes, der die nächsten und innigsten Beziehungen zu ihm unterhält — mit seinem Gerüche.