Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 83)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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- 81 — Anstalten zur Last fallen. Man war genöthigt, dieser öffentlichen Meinung Rechnung zu tragen und neue Einwanderungsgesetze zu erlassen. Alle diese Einwanderungsgesetze sind nicht antisemitisch, sondern eine politisch-ökonomische Selbstverteidigung. Wir haben unter den amerikanischen Juden eine auf besonderes gegenseitiges Wohlwollen sich stützende Solidarität, das bekannte und in Europa anerkannte Ordenswesen. Darüber herrschten, wie ich zu bemerken Gelegenheit hatte, grosse Missyerständnisse. Das Ordenswesen ruht auf materieller Grundlage, indem es eine Art Lebensversicherung, eine Art Sterbecasse oder dergleichen bildet. In Amerika gibt es allerdings auch eine Art Antisemitismus. Doch ist er nur eine von eingewanderten fremden Elementen importierte Mode. Bis jetzt ist er nicht zum Ausbruch gekommen, aber er könnte sich doch weiter ausbreiten. Im Yortheile sind wir amerikanischen Juden allerdings dadurch, dass es in Amerika keine Nationen gibt, sondern nur ein Conglomerat verschiedener Rassen. Man hat versucht, in Amerika Colonisationspolitik zu treiben; selbst in den Yereinigten Staaten haben sich jüdische Colonien gebildet. Diese haben sich bis jetzt nicht als sehr erfolgreich erwiesen. Anstatt dass die Colonisten Agricultur betreiben, haben sie eine gemischte Beschäftigung; sie sind in einer Saison Bauern, in einer Fabriksarbeiter. Die Colonisation ist ausgegangen von industriellen und jüdischen Geschäftsleuten, welche die Sache in ihrem Interesse benützt und ausgenützt haben. Dann und wann haben sie auch Gartenbau treiben lassen. Es ist noch eine interessante Erscheinung zu erwähnen, ein gewisser Drang der früher assimilatorischen Juden, ein Gefühl, das sie zurücktreibt zum alten Judenthum. Das drückt sich am besten aus in der Gründung eines sogenannten nationalen Vereines von jüdischen Frauen, der sich, mehr unbewusst, auf nationaler Basis aufbaut. Wir haben eine jüdische Frauenbewegung. Ich kann ihnen die Thatsache mittheilen, dass ein russischer junger Rabbiner von reichen jüdischen Damen den Auftrag erhielt, in wohlhabenden Kreisen einen Cyclus von Vorträgen über jüdische Geschichte und jüdische Literatur in verschiedenen Städten zu halten. Das deutet darauf hin, dass die Frauen sich vielleicht eher als die Vorkämpfer des Zionismus erweisen werden, als die Männer. Im Allgemeinen ist der Zionismus in Amerika heutzutage nur verbreitet unter den russischen Eingewanderten, welche dort ihr Glück gesucht und nicht gefunden haben. Indem ich schliesse, will ich nur noch den Wunsch aussprechen, dass die Arbeit unseres Congresses Erfolg haben möge. Der nächste Congress möge stattfinden in Jerusalem. (Lebhafte Zustimmung.) Präsident: Das Wort hat Herr Dr. Max Nordau: Dr. Max Uordau: Nothwendig ist das Beispiel der Kürze und der Sachlichkeit. * Ich werde also die geehrte Versammlung ersuchen, einfach 6