Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 63)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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folge sehen. Wird es uns gelingen, den Zionismus in grösserem Mässtabe in die Praxis umzusetzen, dann wird uns das Volk zujubeln* Ich gebe namens des von mir vertretenen Vereines der Hoffnung Ausdruck, dass wir, ein festes Ziel vor Augen, muthig und unerschrocken jenen Weg betreten werden, der zum Siege führt, zur Erlösung unseres Volkes aus Schmach und Knechtschaft. (Lebhafter Beifall.) Präsident: Herr Dr. Schauer hat das Wort zur Berichterstattung über die Lage der Juden in Deutschland. Dr. Schauer (Bingen): Als Berichterstatter über die Lage der Juden in Deutschland habe ich die Erklärung abzugeben, dasa das Gemälde seelischer Leiden des westeuropäischen Juden, das Ihnen Dr. Nordau enthüllt hat, das Bild der Leiden des deutschen Juden ist. Die nichtjüdische Bevölkerung und die massgebenden Kreise — mit Ausnahme eines ganz kleinen Theils geistig und sittlich hochstehender Männer — stehen zum Juden durchaus in jenem Verhältnisse, das Dr. Nordau in so beredter Weise dargestellt hat. Ich glaube den mächtvollen Eindruck seiner Rede abzuschwächen wenn ich irgend etwas anderes hinzufügte. Nur auf einen Punkt möchte ich noch hinweisen, den Dr. Nordau nicht berührt hat. Es ist einer der Gründe für das Fehlen des jüdischen Selbstbewusstseins, und das ist der mangelhafte Unterricht in jüdischer Geschichte und jüdischem Wissen in Deutschland. So haben Nachforschungen des preussischen Unterrichtsministeriums ergeben, dass in Berlin mehr als 1400 jüdische Kinder ohne-Religionsunterricht aufwachsen. Das ist eine erschreckend grosse Zahl, um so erschreckender, wenn wir bedenken, dass diese Generation, die ohne wahre Kenntnis des Judenthums aufgewachsen ist und noch aufwächst, als Quelle ihrer Kenntnisse nur die Informationen der Gegner benützt. Dass dies anders werden soll, dafür wollen wir deutsche Zionisten sorgen. Wir wollen dafür sorgen, dass der deutsche Jude seine glorreiche Vergangenheit kennen lerne und begreife, dass er eine dieser glorreichen Vergangenheit würdige Zukunft haben müsse und sich des Wortes erinnere, das einst der sterbende Maccabäergreis seinen Heldensöhnen zurief: „Gedenket der Thaten, die eure Väter vollbrachten in ihren Geschlechtern, dann werdet ihr grossen Ruhm und ewigen Namen erlangen." (Lebhafter Beifall.) Präsident; Das Wort hat Herr Professor Belkovsky zum Referate über die Lage der Juden in Bulgarien: Prof. Gregor Belkovsky (Sofia) : Hochyerehrte Versammlung! Bulgarien — der jüngste Staat Europas und Kind des Berliner Congresses -— hat aus wohlbekannten Gründen während seines 19jährigen Daseins das Interesse des europäischen Publikums in hohem Masse in Anspruch genommen. Es hat auch schon einen Historiker gefunden. Und ungeachtet dessen darf man doch die