Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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- 39 - Jacques Bahar (Paris): Hochgeehrte Versammlung! Yor wenigen Stunden erst mit der unerwarteten Aufgabe betraut, über unsere algerischen Brüder zu berichten, habe ich nicht geglaubt, mich dieser Pflicht entziehen zu dürfen, umso weniger, als ich nahezu die letzten fünf Jahre unter ihnen gelebt, mit ihnen gelitten und gekämpft habe. Zugleich muss ich um Ihre Nachsicht hinsichtlich der unvollkommenen Documentierung dieses Berichtes und wegen meines gemischten, unliterarischen Deutsch bitten, denn wenngleich ich das Deutsch wie meine zweite Muttersprache beherrsche, so ist es doch nur eine angelernte Zunge. Wie wir wissen, stammen unsere algerischen Juden meistens von den von den Spaniern an die algerischen Bays als Sclaven verkauften Juden, welche nach der Vertreibung durch die katholische Isabella nach der Türkei verschifft werden sollten. Was für freie Männer man aus früheren Sclaven machen kann,' wissen wir leider nur zu wohl und so kam es auch, dass die nach 1870 erfolgte Emancipiernng, die Freiheit und die Gleichheit, auf viele unvorbereitete, durch Jahrhunderte lange Knechtschaft uiid Verachtung tief gebeugte Schultern fiel. Doch, ist diese Constatierung eine aufrichtige Anerkennung der Wahrheit, so dient sie auch dazu, den riesenhaften Fortschritt zu kennzeichen, den die heutige Generation bezüglich Handelns und Wandeins verwirklicht hat. Die Geschichte dieser Emancipierung, die als Yorwand zu der grässlichsten Verfolgung ausgebeutet wird, mag hier eine kurze Erörterung umsomehr erheischen, als sie selbst in Frankreich wenig bekannt ist. . * ' 41 Als mitten im 1870er Kriege die nationale Versammlung erwählt wurde, schalteten und walteten Gambetta und Creniieux als Mitglieder der Regierung der National wehr. Gambetta fürchtete mit Recht die Ankunft einer feindlichen monarchischen Majorität und theilte Cremieux seine Sorgen mit. Dieser fand nur einen Ausweg, nämlich manche Wahlbezirke an Wählerzahl zu erhöhen, was eine Vermehrung des Abgeordnetenquantums laut des Wahlgesetzes nach sich ziehen musste. Er schlug ihm also vor, aus allen algerischen Juden Franzosen zu machen und richtete es so ein, was ja ein leichtes war, dass sie wie ein Mann für ihre republikanischen Befreier stimmten. Die Araber hatten nichts dagegen und hatten sich sogar bei einer vorherigen Befragung entschieden dafür ausgesprochen. — Die unterschriebenen Documente hierüber existieren noch. Die Christen, respective die dort ansässigen Franzosen waren sogar darüber entzückt, denn der Untergang des Kaiserreichs hatte sie zugleich des verhassten sogenannten Säbelregiments der militärischen Statthalter entledigt und sie fanden in der unverhofften republikanischen