Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476255-3476257--0382-3525588- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
OC) -1 Osj — ' j W o h 11 h ä t i g k e i t: Aus den Tabellen über Wohlthätigkeit ist zu entnehmen, dass grosse Summen diesem Zwecke gewidmet werden. Mit Stolz sagen die englischen Juden, „dass ein Jude nicht auf die Rationen oder Antheile angewiesen sei", in anderen Worten, dass kein Jude von der städtischen Armenpflege Gebrauch mache, zu der freilich auch Juden beitragen* Dies ist zwar im Allgemeinen wahr, jedoch empfängt ein grosser Percentsatz der Ost-London-Juden ärztliche Hilfe in den städtischen Armenkrankenhäusern. Wie anderswo, so hält man auch in England an dem Grundsatze fest, dass die Kehilla ihre Armen erhalten müsse. Die Idee von Rachmanutb, dem bedingungslosen Almosengeben, hat sich fast schon überlebt und sogar die synagogalen Armenunterstützungen werden vermittelst strenger Einrichtungen gehandhabt. Eine Haupteinrichtimg dieser Art ist das „Londoner Jüdische Comite der Wächter (guardians) zur Hilfe jüdischer Armen." Dasselbe gilt als Muster für alle Provinzial-Unterstützungs-Comite's und hat sich durch seine geschickte Armenpflege einen Ruhm erworben. Die Mittel setzen sich zusammen aus angelegtem Capital,, aus Collecten und hauptsächlich Spenden. Die leitende Idee all' dieser wohlthätigen Einrichtungen ist, das* diese nicht zur Bettelei verlocken, und darum werden Darlehen gewährt. Es ist erfreulich, sagen zu können, dass die Ehrlichkeit der armen Juden so gross ist, dass die Verluste infolge fauler Schulden, obwohl die Darlehen ohne jede Garantie gewährt werden, sehr geringe sind. Die Armenpflege zerfällt in folgende Classen: a) Unterstützung in Form von Lebensmitteln oder Geld hiezu. b) „ ,, „ ., Darlehen. c) „ ,, „ ,. Arbeitsbesorgnng. d) in der Weise, dass man Knaben und Mädchen irgend ein Metier lernen lässt. e) Durch Weiterbeförderung. f) Durch Besorgung ritueller Bedürfnisse, wie Mazzoth und Bestattung. g) Lebenslängliche oder jahrelange Pension. h) Beherbergung alter Leute. i) Beisteuerung an Hospitäler, wo jüdische Krankensäle sind, j) Beherbergung und Erziehung der Waisen, der Taubstummen und unheilbar Leidenden. ad a) Hilfs-Comite's und andere Wohlthätigkeits-Organisationen geben Geld oder Anweisungen für Lebensmittel und Kleider. ad b) Erfordert Riesen summen; die Darlehen betragen von 1 bis 25 Pfund Sterling. ad c) Das Hilfscomite in London (board of Guardians) beschäftigt Näherinnen, und das Bureau des russisch-jüdischen, Comite's verschafft Arbeit und lässt Handwerke lernen.