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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 15

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German, English, Hebrew
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f - 15 - ' *■ Obertöne von Schmach und Erniedrigung herein* Der Yölkerpsycholog und Sittengeschichtschreiber aber erkennt, dass das Ghetto, was immer es auch in der Absicht der Völker gewesen «ein mag, von den Juden der Vergangenheit nicht als Gefängniss, sondern als Zufluchtsstätte empfunden wurde* Es entspricht der geschichtlichen Wahrheit, wenn man sagt, dass nur das Ghetto den Juden die Möglichkeit bot, die entsetzlichen Verfolgungen des Mittelalters zu überdauern. Im Ghetto hatte der Jude seine eigene _ ,f> Welt; sie war ihm die sichere Heimstätte, die für ihn die geistige und sittliche Bedeutung eines Vaterlandes hatte; hier waren die Genossen, bei denen man gelten wollte, aber auch gelten konnte; hier bestand die öffentliche Meinung, deren Anerkennung das Ziel des Ehrgeizes, deren Geringschätzung oder Unwille die Strafe der UnWürdigkeit war; hier wurden alle specifisch jüdischen Eigenschaften geschätzt und durch ihre besondere Entwicklung war die Bewunderung zu erlangen, die der scharfe Sporn der Menschenseele ist. Was lag daran, dass ausserhalb des Ghettos verachtet wurde, was man im Ghetto pries? An der Meinung der Aussenstehenden lag nichts, denn es war die Meinung unwissender Feinde. Man strebte, den Brüdern zu gefallen, und das Gefallen der Brüder war ein würdiger Lebensinhalt. So lebten die Ghettojuden in sittlicher Hinsicht ein Vollleben. Ihre äussere Lage war unsicher, oft schwer gefährdet, innerlich aber gelangten sie zur allseitigen Ausgestaltung ihrer Eigenart und sie hatten nichts Fragmentarisches an sich. Sie waren harmonische Menschen, denen keins der Elemente des Normaldaseins eines Gesellschaftsmenschen fehlte. Sie fühlten auch triebhaft die ganze Bedeutung des Ghettos für ihr Innenleben und sie hatten nur die eine Sorge, seinen Bestand durch eine unsichtbare Umwallung zu sichern, die noch viel dicker und höher war als die Steinmauern, die es greifbar einschlössen. Alle jüdischen Bräuche und Gewohnheiten verfolgten unbewusst nur den einen Zweck, das Judenthum durch Absonderung von den Völkern zu erhalten, die jüdische Gemeinschaft zu pflegen^ dem einzelnen Juden fortwährend gegenwärtig zu halten, dass ^r sich verlor und unterging, wenn er seine Eigenart aufgab. Dieser Absonderungsdrang war die Quelle der meisten Ritualgesetze, die sich für den Durchschnittsjuden mit dem Begriff des Glaubens selbst deckten, und auch andere rein äusserliche, oft zufällige Unterscheidungsmerkmale in Tracht und Gehaben erhielten, so wie sie erst bei den Juden recht eingebürgert waren, religiöse Weise, damit sie umso sicherer bewahrt würden* Kaftan, Schläfenlocken, Pelzmütze, Jargon haben offenbar nichts mit Religion gemein. Die Juden des Ostens aber betrachten es misstrauisch schon als Beginn der Abtrünnigkeit vom Glauben, wenn der Stammgenosse sich europäisch kleidet und irgend eine Sprache richtig spricht. Denn er hat die Bande zwischen sich und den Stammgenossen durchschnitten, sie aber fühlen, dg,ss diese Bande allein ihnen jenen Zusammenhang

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