Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 4 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Minsk 1× ep/1000754
OCR text
— 134 — VIEL Emes (fürwahr), ich gei arum in der ganzer Khile (Gemeinde), In a Scheink, in a Traktir? in a Beis-tfile (Bethaus), Ich laicht allemen zum Essen, zum Trinken, zum Sätt Ich schain jedem, varricht'n Gotts sein Gibet; Ganz Sliches-Zait (vor Neujahr) gei ich nit arois vun Schulheif: Zum Ssof (Schluss) sogt men erst af mir, as ich bin gor treif (unrein). IX. Main Chawerte (Gefährtin) —, die wäkssene-Licht (Wachskerze), [sie ist grob (dick) un greis (gross), Vun a Bien', vun a zuriebener Flieg* kummt sie arois, Baisser (weil) sie geit nit zu a inenzeseh'n Tisch1) (eine Wachs- [kerze zündet man nur im Bethaus, aber nicht im Wohnhaus an) Un hot noch a Bruder — Honig, wos er (welcher) is süß. Un derzu is sie grob un a Bal-Bossor (fleischig), — Ot (da hast du, siehe), sie is taier, sie is durch koscher (rein)." In meinen Kindesjahren etwa 1863 habe ich im Cheder in Nowogrudok, Gouv. Minsk, von meiner Gespielin, der Tochter meines Bebben, folgendes Lied gehört: Du Licht, du Licht, ich frag dir nor, Wos könn dos dir bitaitn? Du laichts doch leuter (lauter) — hell Un varschainst die Eig (das Auge) vun wait'n, Jeder Mensch vun dir kwellt (quillt voll Vergnügen), Bist onginummen (angesehen) im taier-, To (nun) sog mir nor, wos dir fehlt, Wos in dain Harzn brennt a Faier (Feuer)? usw. x) „Zu einem Menschen Tischgehen" heißt: sich um Hilfe an jemanden wenden.