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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1912-01-01 · 2 (1912) · p. Seite 72

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
15 (1912)
Issue
2 (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 72 (sequence 34)
Language
German
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— 72 — vereinigt haben, daß man die jüdischen Kerzen auf den deutsehen Baum setzte, und dann wäre der Weihnachtsbaum ein Kompromiß zwischen dem zum Maibaum umgewandelten alten heidnischen Bertazweigen und den Kerzen des jüdischen Festes. (Korr.-Bl.. d. Deutsch. Ges. f. Anth., 1911, S. 144.) Dr. S. Weißenberg. Bücherschau. Rabb. Dr. Max Joseph, Das Judentnm am Scheidewege. Ein Wort zur Schicksalsfrage an die Starken und Edlen des jüdischen Volkes. Berlin, 1908. M. Poppelauer. 8°. X u. 158 S. Maurice Fishberg, The Jews. A Study of race and environment. London, 1911. Walter Scott. XL 8°. XIX u. 578 S. Dr. Felix A. Theilhaber, Der Untergang der deutschen Juden. Eine volkswirtschaftliche Studie. München, 1911. Ernst Reinhardt. 8°. VIII u. 170 S. Dr. Arthur Ruppin. Die Juden der Gegenwart. Eine sozialwirtschaftliche Studie. Köln u. Leipzig. 1911. Jüdischer Verlag. 2. Aufl. VIII u. 309 S. Für jeden denkenden Juden ist es klar, daß das gegenwärtige Judentum eine Uebergangsepoche durchlebt, die nicht nur für seine zukünftige Ausgestaltung, sondern auch für seine Existenz im ganzen von ausschlaggebender Bedeutung sein wird. Der Ausgang wird verschieden beurteilt. Während sich das Judentum für Joseph noch am Scheidewege befindet, sieht Theilhaber schon seinen Untergang, wenigstens in Deutschland. Letzteren Standpunkt teilt auch Ruppin für ganz Westeuropa. Die Autoren behandein das Problem von verschiedenen Gesichtspunkten: Joseph vom geschichts-sowie religionsphilosophischen, Fishberg hauptsächlich vom anthropologischen und biotischen, Theilhaber und Ruppin vom sozial wirtschaftlichen. Was die Zukunft anbelangt, so sieht Fishberg keine Möglichkeit, der Assimilation, dem völligen Aufgehen, zu entrinnen, während die übrigen Autoren die Möglichkeit der Auflösung des Judentums zwar nicht negieren, aber in ihr keinen weltgeschichtlichen Fortschritt erblicken und für die nationale Wiedergeburt im zionistischen Sinne, die sie für möglich halten, kämpfen. „Es ist kein Zweifel, sagt Joseph, das jüdische Volk will nicht sterben. Doch ist es darum durchaus noch nicht sicher, daß es nicht doch sterben kann und wird*' (S. 142). Wer "gegen den Tod ist, der helfe dem Volke wieder selbständig werden, denn „wer überwindend Großes schafft, wer ein ganzes Volk aus der Enge herausführt und zu einem frei wirkenden Kulturfaktor erhebt, der übt höchsten Gottesdienst'', sagt weiter in erhebendem religiösen Pathos Joseph (S. 153). Und Ruppin, der nach der ersten hier, Heft XXII, ausführlich von mir besprochenen Auflage, indem er Land und Leute genau kennen gelernt hat, zionistischer geworden ist, schließt sein Buch mit den Worten: „Der Zionismus ist nicht eine nationale oder chauvinistische Marotte, sondern der Verzweiflungskampf der Juden gegen die sie bedrohende Vernichtung." Tiefer Ernst und fesselnde Behandlung zeichnet alle Arbeiten gleich aus. Man lese sie fleißig und bilde sich eine eigene Meinung über das Judentum. S. Weißenberg. Wissenschaftliche Volksbücher für Schule und Haus. Herausg. von Fritz Gansberg. Hambj.rg 1911. Alfr. Janssen, ä M. 1.50. Mit anerkennenswertem Geschick sind für diese Volksbücher wiederum drei Perlen der Literatur, Masperos „Das alte Aegypten", Darwins „Reise um die Welt" und „Die Abenteuer des Simplizissimus" bearbeitet und vortrefflich illustriert worden. Auch ohne ausgesprochenen Hinweis erinnert doch Masperos Buch oft genug an die biblischen Berichte, im Simplizissimus fehlt der jüdische Händler nicht, Darwin schließt mit einer Betrachtung, die von der prophetischen Sehnsucht nach Völkerverbrüderung durchglüht ist. R. Druck von Max iScbmer.sow, Kirchhain N.-L.

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