Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1899
- Issue
- 2 (1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 102 — Einiges über die künstlerische und technische Ausführung der Haggadah von Serajevo. Von Architekt Max Fleischer, Wien. A ngesichts des Umstandes, dass über die Haggadah von Serajevo ein umfangreiches Prachtwerk von berufenen Männern, wie Professor Dr. David Heinrich Müller und J. v. Schlosser, herausgegeben worden ist, scheint es eigentlich überflüssig, vielleicht sogar aufdringlich, noch von anderer Seite über die genannte Bilderhandschrift etwas zu veröffentlichen. Meine Absicht war auch durchaus nicht, das, was ich gelegentlich u. z. noch vor dem Erscheinen jenes hervorragenden Werkes geschrieben habe, in die Oeffentlichkeit zu bringen; allerdings habe ich von meinen Auf- Zeichnungen Herrn Rabbiner Dr. Grunwald Mittheilung gemacht, der nunmehr in den Mittheilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde, Heft III, die Arbeit von mir angekündigt und mich so in die Lage versetzt hat, meine Schreiberei drucken zu lassen. Ich schicke nur die Bitte voraus, dass diejenigen, welche es der Mühe werth finden sollten nachzulesen, keinen strengen Maasstab anlegen, gewiss aber nichts Gelehrtes erwarten mögen. Durch die Güte und Liebenswürdigkeit des Herrn Professor Dr. Müller bekam ich gegen Ende 1894 die Original-Haggadah von Serajevo in die Hand und wurde mir gestattet, eventuell auch Copien aus derselben abzunehmen. In der That habe ich auf 26 Blättern solche gemacht. Bei diesem Anlasse hatte ich Gelegenheit dem Künstler auf Schritt und Tritt bei seiner einstmaligen Arbeit zu folgen, auszukundschaften wie er bei der Herstellung vorgegangen ist. Ich konnte über manche Eigentümlichkeit nach denken und kann auch einigermassen den Werth, die Schwierigkeit und die Bedeutung der Leistung beurteilen und solches hauptsächlich enthalten meine Aufschreibungen. Vor Allem fiel mir auf, dass das Buch keinen seiner würdigen Einband hat; derselbe stammt aus viel späterer Zeit, auch ein Titelblatt ist nicht vorhanden, was um so mehr zu beklagen ist, als ja wahrscheinlich einem solchen die Provenienz und der Name des Schreibers hätte entnommen werden können, ebenso wäre die Zeit, wann das Buch vollendet worden ist, zu entnehmen gewesen. Der Codex beschränkt sich übrigens nicht auf die Haggadah allein, wie wir das an unseren heutigen Haggadah-Büchern gewöhnt